Nachgemacht oder lieber ein Original?
Neulich war es Thema beim Infoabend des Swiss Car Registers, das Nachbauen von Klassikern in heutiger Zeit. Was im Grossen praktiziert wird – beim SCR-Abend ging es um einen Jaguar E-Type Lightweight von 2014 –, das geschieht auch im Kleinen. Das heisst: bei Spielzeugautos. Als Beispiel dienen zwei VW-Käfer: Der rechte ist ein Nachbau aus China mit Lizenz und allem, der linke hingegen ein Original "Made in England" von Dinky Toys – zugegeben ein unbespieltes Exemplar von einer Spur-0-Modellbahnanlage.
Eben von der Rétromobile zurückgekehrt, hatte ich einige dieser Reéditionen im Gepäck – nebst zwei, drei Originalen. Diese übrigens haben mich mehr als verblüfft, denn bei einem Lesney "Model of Yesteryear" Nummer Y-1, dem Ford T in Rot, bin ich der festen Überzeugung, dass er "New Old Stock" ist und seit 1965 noch nie seine Schachtel hat verlassen dürfen.
"Models of Yesteryear" der Serie 2 aus den 1960er-Jahren will offenbar kaum mehr jemand. Ich habe diesen Bentley 2023 in Goodwood gekauft – für 1£!
Das Modell des Ford T sieht aus wie neu, ist aber zweifelsohne ziemlich genau 60 Jahre alt – der Preis: 6 Euro! Das bedeutet vermutlich, dass ausser mir absolut niemand mehr die kleinen Kunstwerke von Jack Odell, dem Formenbauer und Compagnon von Lesney-Gründer Leslie Smith, haben möchte. Warum eigentlich? Weil es Messingoldtimer sind? Alte-Männer-Zeug? Fakt ist: Ich mag diese Autos, besonders die ersten Versionen der zweiten Serie, gehalten (und unüblich für Matchbox respektive Lesney auch so auf den Kartonboxen deklariert) im Massstab 1 zu 42.
Der Citroën U23 "Drageuse" ist eine chinesische Atlas-Repro, der Simca mit Caravane Hénon hingegen sind originale Dinky-France-Modelle
Doch zu den Reeditionen. Meine Schwäche gilt den von der Edition Atlas neu aufgelegten Dinky-Toys-France-Modellen. Die Serie wurde einst mit einem grünen Citroën DS begonnen, ist aber mittlerweile – wie der ganze Verlag – Geschichte geworden. Die Edition Altas hat die Geschäftstätigkeit 2019 aufgegeben. Die Modelle aber sind geblieben, und es scheint, als hätten sie ein Eigenleben entwickelt, bei dem nicht so ganz klar wird, ob der chinesische Hersteller sie einfach weiterproduziert oder zumindest weiterproduziert hat. Pikant ist, dass die Marke Dinky Toys schon lange zu Mattel gehört und die Atlas-Modelle unter Mattel-Lizenz fabriziert wurden.
Ein Original von Dinky Toys France: Die Estafette als Campingbus hat Plastiktüren, beim Nachbau ist es Druckguss
Nun, das alles ist etwas kompliziert, doch am Ende mir egal. Denn die hübsch in Repro-Schachteln verpackten Modelle sind nahezu identisch mit den Originalen. Dies gilt für die Präzision und die gefühlte Wertigkeit, also das Gewicht und die Passgenauigkeit der Modelle. Das Beste daran ist aber der günstige Preis, denn in der Regel werden sie kaum für mehr als 20 Euro/Franken gehandelt, zumindest die 1/43er Personenwagenmodelle. Gut, sie stammen aus China und man mag sich daran stören. Tu ich ja auch, denn meistens bevorzuge ich ältere Objekte, die noch nicht aus dem Reich der Mitte stammen – ausser bei den chinesischen Blechspielzeugen, da werde ich vorbehaltlos schwach.
Hongqui aus Blech, made in China in den 1970er-Jahren


























