Fittipaldi 3200 – Der Doppelboxer
Zwischen dem Gewinn der englischen Formel-3-Meisterschaft und seinem Einstieg in die Formel 1 im darauffolgenden Jahr wollte Emerson Fittipaldi im Herbst 1969 noch schnell die Sportwagenszene Südamerikas etwas aufmischen. Der ursprünglich hierfür vorgesehene Sportprototyp mit Alfa-Romeo-Motor war jedoch nicht rechtzeitig fertig geworden, sodass man bei Fittipaldi Veículos e Equipamentos de Competição spontan beschloss, die Idee des im Vorjahr gebauten Rennkäfers auf die Spitze zu treiben.
Ohne echte Konstruktionspläne, sondern lediglich nach Skizzen von Ricardo Divila wurde die Bodengruppe eines VW-Käfer vor den Hinterrädern gekappt und ein Rohrrahmen anstelle der hinteren Motorträger installiert. Längslenker aus einem Formel-V-Rennwagen verbesserten die Radführung der serienmässigen Pendelachse. Die Bremsen spendete ein ausrangierter Porsche 550 Spyder, der auch das um die unterste Stufe reduzierte Fünfganggetriebe beisteuerte.
Zwei mit einer simplen Hardyscheibe gekoppelte VW-Boxermotoren, deren Kurbelwellen um 90 Grad versetzt liefen, sollten das Leistungsdefizit gegenüber der amerikanischen Konkurrenz ausmerzen. Die oft genannten 400 PS dürften jedoch arg optimistisch geschätzt sein. Mit zeitgenössischen Frisiermethoden liessen sich etwa 130 PS aus einem 1600er kitzeln, sodass der improvisierte Achtzylinder irgendwo zwischen 250 und 300 PS gelegen haben dürfte – was bei nur wenig über 400 kg Kampfgewicht aber immer noch eindrucksvoll war.
Für den Bau der Karosserie war ein handelsüblicher Käfer hauchdünn mit GFK überzogen worden. Das Heck der nur 17 kg leichten Kunststoffhaut liess sich wie beim Ferrari 250 LM an einem Stück nach oben klappen. Der Leichtbau ging so weit, dass sogar auf das Kühlgebläse verzichtet wurde. Stattdessen bildete die schräggestellte Windschutzscheibe einen Lufteinlass, der den kühlenden Fahrtwind über eine Art "Zwischendecke" durch vier dicke Schläuche direkt auf die Zylinder leitete.
Bei seinem ersten Einsatz – den 1000 km von Guanabara im Süden von Rio de Janeiro – mischte Emerson Fittipaldi die Konkurrenz aus Ford GT40, Lola T70 und Alfa Romeo Tipo 33 gehörig auf, fiel jedoch im Rennen mit Getriebeschaden aus. Bruder Wilson soll im zweiten und letzten Einsatz des Doppelherz-Käfers ein ähnliches Schicksal ereilt haben. Auf vier Zylinder zurückgerüstet folgten noch ein paar wenige Rennen, ehe der Fittipaldi 3200 als Dekoration bei einer Fahrschule endete.
Der Verbleib des krassen Käfers ist unbekannt. Wahrscheinlich ist er schon in den Siebzigerjahren verschrottet worden. Das Auto, das heute im JORM-Museum in Águas de Lindóia steht, ist ein Nachbau.


























