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Der schnellste Zahnarzt Tony Brooks (Nachruf)

Daniel Reinhard
05.05.2022

Tony Brooks im Jahr 1961 an der Rallye Monte Carlo

Der sechsfache Grand-Prix-Sieger Tony Brooks (25.2.1932 bis 3.5.2022) ist im Alter von 90 Jahren gestorben.

Der WM-Zweite von 1959 war damit nach Stirling Moss der älteste noch lebende F1-GP-Sieger und auch der letzte noch lebende Rennheld, der in den Fünfzigerjahren einen Grand Prix gewonnen hatte.

Brooks war Sohn eines Zahnarztes und bot seiner Mutter an, ihr bei der Suche eines neuen Autos behilflich zu sein mit den Worten: "Ich kenne da jemanden, der einen netten kleinen Wagen für dich an der Hand hat." Am Ende stand ein kleiner Sportwagen mit satten 104 PS vor der Haustür der Brooks. So bestritt der junge Tony bereits während seines Studiums die ersten Rennen mit Mutters Healey Silverstone.

Mit dem späteren Frazer-Nash wurde er als zuverlässiger und schneller Rennfahrer im eigenen Land bekannt. John Riseley-Prichard, einer seiner ehemaligen Teamkollegen, bot ihm dann seinen Formel-2 Connaught für das Rennen in Crystal Palace (London) an. Hier erregte er erstmals internationale Aufmerksamkeit, als er sich mit dem F2 nur von den drei F1-Rennwagen geschlagen geben musste und die wurden von Leuten wie Mike Hawthorn, Harry Schell und Roy Salvadori pilotiert.

Der internationale Durchbruch kam mit dem Sieg beim nicht zur WM zählenden Formel-1-Lauf in Sirakus (Sizilien) 1955. Jahre später meinte Brooks zu seiner Verpflichtung: “Sie fanden wohl keinen Gescheiteren. Jedenfalls hatte ich noch nie einen Meter in einem Formel-1-Auto zurückgelegt. Als der Anruf kam, sagte ich einfach ja und das wars.”

Zu den damaligen Favoriten zählten, in Abwesenheit der Scuderia Ferrari, die Mannschaft von Maserati mit Luigi Musso, Harry Schell und Luigi Villoresi in ihren 250F. Weil Brooks Alta-Motor im Connaught-Chassis bereits ziemlich Kilometer auf dem Buckel hatte, wurde er im Training gebeten, nur das Nötigste zu fahren. Mit gerade mal 15 Runden in einem F1 startete der Engländer ins Rennen, überholte in Runde 11 den führenden Musso und holte den ersten Sieg eines englischen Piloten in einem englischen Wagen bei einem Formel-1-Rennen in Europa.


Brooks schloss wie versprochen sein Studium ab, war aber längst dem Rennsport verfallen. 1956 erlitt er in Silverstone, im von Kinderkrankheiten geplagten BRM, infolge eines Getriebedefektes einen schweren Unfall mit der Folge eines gebrochenen Kiefers.
Das Angebot von Tony Vanderwell, einen der Vanwall-Rennwagen zu fahren, kam für das Jahr 1957 gerade richtig, und so mischte Brooks schnell an der Weltspitze mit. Er wurde Zweiter in Monaco und Sieger in Aintree, in einem Rennen, in welchem er seinen Wagen an Team-Leader Stirling Moss abtreten musste, dessen Rennwagen stehen blieb. Doch auch in diesem Jahr kam es wieder zu einem schweren Unfall, als er in Le Mans aus seinem Aston Martin geschleudert wurde und mit viel Glück nur mit Hüftverletzungen und schweren Hautabschürfungen davongekommen war.


1958 war das Ziel von Teambesitzer Vanderwell im Rennsport erreicht: Der Vanwall war das schnellste, wenn auch nicht zuverlässigste Auto und so gewann Brooks doch mit Belgien, Deutschland und Italien drei Grosse Preise, was in der WM-Endabrechnung zu Rang 3 reichte. Als Vanderwell sich vom Sport verabschiedete, weil er einerseits seinen Piloten Stuart Lewis-Evans durch einen Unfall verloren hatte und sonst als Teamchef alle seine Ziele erreicht hatte, kam Tony Brooks nach Italien zu Ferrari.


Der Engländer bedankte sich bei den Italienern auf Anhieb mit zwei GP-Siegen (Frankreich und Deutschland) und dem zweiten WM-Rang hinter Jack Brabham, aber vor seinem Rivalen und engen Freund Stirling Moss.


Letztlich aber fühlte sich Brooks bei seinen Landsleuten am wohlsten, konnte aber weder 1960 noch 1961 mit dem BRM an frühere Erfolge anschliessen. 1961 bestritt er in der USA seinen letzten Grand Prix. Brooks: “Ich wollte eigentlich schon Ende 1959 aufhören, ich hatte zu viele Freunde sterben sehen.”

Bei 38 Starts in der Königsklasse holte er sechs Siege, drei Pole Positionen und drei schnellste Rennrunden. Er führte 1206 km oder insgesamt 127 Runden in der Königsklasse. 


Tony Brooks blieb als Restaurateur alter Rennwagen und als Gast bei zahlreichen Veranstaltungen mit historischen Rennfahrzeugen sein Leben lang eng mit dem Rennsport verbunden.

P.S. Das Bild zeigt Brooks 1961 anlässlich der 30. Rallye Monte Carlo, die er in einem Austin bestritt. Begeistert war er von der Kurbelei, die der Wagen auf den engen Strassen der Seealpen erforderte, allerdings nicht. Da fahre er lieber einen Formel 1, meinte er damals.

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