Aus dem Leben eines Mechanikergesellen - hoher Ölverbrauch
Wieder einmal stand ein zu hoher Ölverbrauch zur Diskussion. Diesmal betraf es einen Roller mit Viertaktmotor. Weil es sich um ein der Werkstatt bekanntes Neufahrzeug handelte, das noch innerhalb der regelmäßigen Kundendienstarbeiten stand, galt der Ölverlust als erwiesen. Schon mehrmals hatte man nach Überprüfung die Ölmenge ergänzen müssen. Eine gründliche Reinigung des Motors und die nach einer kurzen Fahrtstrecke vorgenommene Untersuchung auf Ölverlust nach außen hin blieb erfolglos. Also hieß es, den Zylinder abzunehmen und den Fehler innerhalb des Motors zu suchen.
Jedoch wie erstaunt (und enttäuscht) war man, als sowohl Zylinderbahn wie auch Kolben und Kolbenringe in einwandfreiem Zustand vorgefunden wurden. Keine Freßstelle, einwandfreies Tragbild des Kolbens, kein festgebrannter Kolbenring — alles in bester Ordnung. Der Motor wurde unter Verwendung neuer Dichtungen montiert und erschien - wie man bereits befürchtete - nach kurzer Zeit mit der gleichen Beanstandung abermals in der Werkstatt.
Diesmal wurde ein anderer Geselle mit der Arbeit beauftragt, und auch er war schließlich nach einigen fruchtlosen Bemühungen bei der Untersuchung des Kolbens angelangt. Doch er beschränkte sich nicht nur auf das Betrachten dieser Teile, sondern begann die Ringe aus ihren Nuten zu heben. Beim Abziehen des Ölringes gab es ein leichtes „knacks", und vor ihm lag der in zwei Teile zerbrochene Ring und damit des Rätsels Lösung.
Die Bruchstelle bewies, daß der Ring bereits seit einiger Zeit angebrochen war. Die untere Hälfte des geschlitzten Ringes hatte ihn noch zusammengehalten, allerdings nur noch mit geringer Spannkraft. Bei einer genauen Betrachtung war auch deutlich jener Teil des Ringes erkennbar, der infolge der verminderten Spannkraft nicht mehr angelegen hatte. An diesen Stellen war ständig Öl in den Verbrennungsraum gelangt. Nach der Montage eines neuen Ölringes war dann auch bei diesem Motor der rätselhafte Ölverbrauch wieder einmal aufgeklärt.
Dieser Text stammt aus der Ausgabe 19 des Jahrgangs 1957 der Zeitschrift “ Krafthand ”.


























