Aus dem Leben eines Mechanikergesellen - Zündverteilerprobleme

Der Mechanikergeselle
27.03.2017

Verteiler im Borgward P100

An einem neuen Fahrzeug, das gerade die Überführungsfahrt hinter sich hatte, wurde die erste Inspektion gemacht. Ölwechsel und Schmierdienst waren bereits erledigt, und der Monteur wendete sich den übrigen Kundendienst-Arbeiten zu. Dabei wurden auch Verteilerkappe und Verteilerrotor entfernt, wobei man feststellte, daß am Rotor ein Teil der Führungsnase abgebrochen war. Deshalb wurde das Teil erneuert.

Als nach Beendigung der Arbeiten eine Probefahrt stattfinden sollte, sagte der Motor beim Anlassen keinen „Muck". Also wurde nochmals die ganze Sache überprüft. Die Zündung wurde in Ordnung befunden. Man tippte deshalb auf Kraftstoffmangel. Bei Kraftstoffmangel müßte der Motor wenigstens mit der Vergaserfüllung an springen. Man sah also nach, jedoch der Vergaser war voll. Aber auch jetzt sprang der Motor nicht an; also wendete man sich wieder der Zündung zu. Man kontrollierte den Unterbrecherabstand und verglich den neuen Rotor mit dem alten, es war der richtige. Die nassen Kerzen wurden gereinigt, aber auch das half nichts.

Nun wurde der Meister geholt. Er überzeugte sich, daß Zündstrom und Kraftstoff vorhanden waren und veranlaßte, daß die Zylinderkopfhaube abgenommen wurde (es handelte sich um einen Motor mit oben liegender Nockenwelle). Aber auch hier war nichts zu bemängeln, und nun war der Punkt erreicht, wo einer den anderen wortlos ansah.

Plötzlich sagte der Meister: „Gebt mir doch mal den alten Rotor". Er stellte den Motor auf Zündzeitpunkt, Zylinder 1, und nahm die Verteilerkappe ab. „Aha", sagte er nur, nahm den neuen Rotor ab und setzte den alten wieder auf. Verteilerkappe aufgesetzt, angelassen, und siehe da, nun lief der Motor einwandfrei.

Was war nun eigentlich los gewesen? Der Meister hatte den alten Rotor mit der ab gebrochenen Nase wieder aufgesetzt, und zwar so, daß er nicht mit der Nut in der Verteilerwelle, sondern mit der Markierung im Verteilergehäuse übereinstimmte, und des Rätsels Lösung: Der Verteilerantrieb war versetzt, und zwar um einen Zahn (Schneckenantrieb). Durch gewaltsames Verdrehen des Rotors war der Unterschied ausgeglichen worden, und der Motor hatte die Überführungsfahrt einwandfrei durchgestanden, ohne daß sich der Rotor von dieser Stelle gelöst hatte.

Man sieht also, daß auch bei neuen Wagen tolle Dinge passieren können.

Dieser Text stammt aus der Ausgabe 7 des Jahrgangs 1959 der Zeitschrift “Krafthand”.

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