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JM2017:

Aus dem Leben eines Mechanikergesellens - das Motorengeräusch

Der Mechanikergeselle - 17.03.2017

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Boxermotor von damals

Das genaue Erkennen von Motorgeräuschen und die darauf folgende zielstrebige Beseitigung der Ursachen dieser Geräusche ist eine Arbeit, die nicht immer auf dem kürzesten und damit billigsten Wege erledigt werden kann. Motoren aller Art haben eine kaum zu überbietende Fähigkeit in der Entwicklung von Geräuschen. Diese lassen sich zwar in der Lautstärke, der Tonhöhe, der Häufigkeit ihres Auftretens und noch in manch anderen Punkten gut voneinander unterscheiden, ihre sichere Lokalisierung bedeutet aber dennoch oft größte Schwierigkeiten. Das beste Hilfsmittel hierbei ist wohl die Erfahrung. Ausreichende Erfahrungen - meist schwer erarbeitet und teuer bezahlt - mit dem gleichen Motortyp lassen uns viele Geräuschursachen sicher erkennen, ohne dass wir auch nur einen Blick unter die Haube zu tun brauchen.

Was aber, wenn ein neuer Motortyp in der Werkstatt erscheint? Behaftet mit einem Geräusch, von dem wir nur sicher wissen, daß es bei einem Motor von bekanntem Typ sofort zu bestimmen wäre. Ebenso sicher aber dürfen wir annehmen, daß es bei diesem Typ eine völlig andere Ursache bat.

Anläßlich einer 10’000-km-lnspektion stellten wir an einem Motor neuester Bauart ein klopfendes Geräusch fest. Es trat mit Kurbelwellendrehzahl auf, aber nur hei kalter Maschine und richtig deutlich war es auch nur im Leerlauf zu hören. Da es sich um einen Boxermotor handelte, trat als erstes die Preisfrage auf - links oder rechts?

Stand man an der rechten Seite des Motors, vermeinte man es deutlich links zu hören. Von dort aber hätte man geschworen, es käme von der anderen Seite. Auch das wechselseitige Aussetzen der Zündung und Herausnahme der Kerzen brachte hierüber keine Klarheit.

Wir entschieden uns schließlich für rechts und demontierten Zylinderkopf und Zylinder. Der Ölkohleansatz war für die kurze Laufzeit beträchtlich und die Erklärung des Kunden, er hätte nur freie Kraftstoffe gefahren, bestärkte uns in dem Glauben, das Geräusch käme von dem starken Kohleansatz. Eine andere Ursache war auch nicht zu entdecken.

Doch es kam so, wie wir insgeheim befürchtet hatten - der Motor klopfte weiter. Wir fanden, noch stärker und diesmal ganz deutlich rechts. Da noch keine Verkleidungen usw. montiert waren, zerlegten wir gleich noch einmal und dabei kam auch der Kolben mit herunter. Er wurde von allen Seiten kritisch betrachtet, und so entging uns auch die winzige blanke Stelle an der Unterseite des Kolbenhemdes nicht, die wir nunmehr für das Klopfgeräusch verantwortlich machten.

Ein paar Feilenstriche beseitigten die Stelle und - auch das Klopfen. Die Erklärung gaben wir uns anschließend. Bei Erwärmung des Motors wuchs das Pleuel stärker als der Kolben, daher trat das Geräusch nur bei kalter Maschine auf. Aber warum war es erst nach 10’000 Kilometern aufgetreten? Hierfür gibt es wohl zwei Erklärungen. Einmal dürfte das Spiel im Kurbelwellenlager und am Kolbenbolzen ein Aufschlagen des Kolbens zugelassen haben, zum anderen darf man wohl auch ein geringfügiges Wachsen des Kolbenhemdes als möglich erachten.

Um eine Erfahrung reicher ließ uns das Fahrzeug zurück, und das nächste Mal - wird es wieder etwas anderes sein. Denn — Moloren aller Art haben eine kaum zu übertreffende Fähigkeit …    

Dieser Text stammt aus der Ausgabe 24 des Jahrgangs 1959 der Zeitschrift “Krafthand”.

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