Und da war da noch der Fiat Fiorino
Fiat hat gerade den neuen Fiorino vorgestellt, da kommen bei mir natürlich viele Erinnerungen hoch!
Der Fiorino war nicht nur das perfekte Auto für Floristin und Maler, sondern auch für den Fotografen. Ein Auto mit ganz besonderer Höhe und gut begehbarem Dach, gestattete, natürlich noch vor der Drohnen-Ära, diverse Aufnahmen aus der Vogelperspektive, na gut sagen wir mal mit erhöhtem Blickwinkel. Ideal konnte man das Equipment auch bei Regen im Auto vorbereiten, denn der Zugang mit ordentlicher Kopffreiheit war für meine Grösse gegeben. Als aerodynamische Wand im Wind und sehr anfällig auf Seitenwind war der hochgeschossene Kompaktkombi allerdings nicht das schnellste Fortbewegungsmittel, dafür aber sicher das praktischste und günstigste jener Zeit.
Die damalige Idee war es, einen Porsche 944 für alle längeren Strecken und den Maulesel in Form des Fiorino für die Arbeit rund ums Haus zu nutzen. Der gebrauchte Porsche schlug damals mit Fr. 34’000 zu Buche und der Fiat noch mit weiteren 5000 Franken - eine Investition die sich über rund fünf Jahre mehr als nur bewährte.
Der Fiorino auf 127-Basis war extrem einfach gebaut, jedoch nicht wirklich verwindungssteif, so hatte ich schon bald das Problem mit klemmenden Hecktüren-Türen. Zum Glück öffneten sie sich während der Fahrt nie von selber. Es war logisch, dass die fehlende Spitzengeschwindigkeit in den Kurven wettgemacht werden musste und das war absolut möglich, da der “Container” viel besser lag, als alle meine Kollegen glauben konnten. Geschaltet wurde oft ohne vom Gas zu gehen. So sparte man etwas Zeit, doch irgendwann flogen mir die Kolben um die Ohren. Das faustgrosse Loch im Motorblock liess auf einen kapitalen Motorschaden schliessen. Für wenig Geld gab es aber auch hier schnell wieder einen gebrauchten Ersatz.
Eine der vielen Geschichte aus jungen Jahren werde ich wohl mein Leben lang nicht vergessen. Auf der ehrgeizigen Suche nach der ultimativen Gewitterblitz-Aufnahme fuhr ich mehrfach bei Gewittermeldungen nachts auf das nahe Ächerli, eine Anhöhe am Stanserhorn mit freiem Blick über den Sarnersee. Das Auto wurde so platziert, dass ich durch die geöffneten Hecktüren fotografieren konnte, um mich und die wertvolle Kamera (damals eine SINAR 4x5") vor Regen und Nässe zu schützen. Einmal jedoch zog ein derartiger Sturm auf, dass an ein Fotografieren überhaupt nicht mehr zu denken war. Die Luken wurden schnell dicht gemacht. Dann wurde der Fiat unbefestigt einem Hochgeschwindigkeits-Windkanalversuch unterzogen. Das Auto wurde in sämtlich mögliche Richtungen gebogen und gedehnt. Rund eine Stunde lang gab es kein Entrinnen, dabei fiel auch die halbe Strasse dem Sturm zum Opfer und ich musste mich, unverrichteter Dinge, äusserst mühsam nach Hause durchkämpfen und der Fiorino hatte sich auch noch als Geländewagen zu bewähren.
Winterlandschaften waren ein weiteres Thema. Mit dem Frontantrieb war ja schon so einiges möglich, doch einmal blieb ich halt bei einem Wendemanöver im Schnee stecken. Dank einer Wolldecke und den Plastikbodenmatten, konnte ich mich allein - damals gab es noch keine Mobiltelefone - wieder befreien, so dass mir der lange Fussmarsch, um zusätzliche Hilfe herbeizuholen, erspart blieb.
Erst ein neuer Mercedes 300 TE war im Stande den Fiat und den Porsche in einem zu ersetzen, jedoch ohne die Möglichkeit vom Hochdach herunter zu fotografieren.
Übrigens, der erste Fiat Fiorino auf 127-Basis wurde 1977 bis 1987 gebaut, es folgte eine zweite Generation auf Uno-Basis, die bis ins Jahr 2000 verkauft wurde.
Nach einer Pause erschien 2008 eine Neuauflage, die jetzt überarbeitet wurde und sich nachwievor an diejenigen richtet, die ein günstiges und anspruchsloses Universalfahrzeug suchen, das alles mitmacht.


























