Der “strassentaugliche” Porsche 917 des Grafen Rossi
Der Porsche 917 siegte 1970 und 1971 in Le Mans und war sicherlich auch nicht einmal im Entferntesten für den Einsatz auf öffentlichen Strassen gedacht, obschon er gemäss der damaligen Reglemente als Sportwagen galt und sogar Kennzeichen für Überführungen montiert hatte. Es gab auch wirklich "normal" zugelassene Porsche 917 und zwar mindestens deren zwei. Einer nahm lange nach seiner aktiven Rennzeit die deutsche Zulassungshürden, dank Verbundglasfrontscheibe und diverser anderer Änderungen, der andere wurde weitgehend im Renntrim in Alabama zugelassen, also in den Vereinigten Staaten, wo er aber wohl kaum je auftauchte.
Es ging sogar das Gerücht um, dass die dortigen Behörden dem Wagen nur unter der Bedingung ein Kennzeichen zugestanden, wenn er nie dort auftauche. Immerhin erfüllte er aber alle dortigen Anforderungen an ein Kleinserienfahrzeug und er musste auch keinen Aufprall gegen eine Wand verkraften, wie es Frankreich gefordert hatte. Tatsächlich soll damals kein angefragtes europäisches Land bereit gewesen sein, den Wagen zuzulassen. Jedenfalls nicht ohne umfangreiche Modifikationen.
Graf Rossi, der Besitzer des Wagens und gleichzeitig verantwortlich für die Sponsoring-Aktivitäten des Getränkeherstellers Martini & Rossi, wollte den Wagen aber so original lassen wie möglich. Immerhin ersetzte eine blaugrau-metallisierte Lackierung das vorherige Martini-Dekor und am Heck erhielt der Wagen einen riesigen Schalldämpfer, der gemäss Paul Frère, der 1975 für die Zeitschrift Road & Track (Heft 1/1975) einen unterhaltsamen Artikel über den Wagen schrieb, rund 40 bis 50 PS gekostet haben durfte.
Aber es blieben auch so noch 500 oder 600 übrig, die der 917 mit seinem Zwölfzylinder aus dem Ärmel schüttelte. Im Innern gab es zwei Schalensitze und ansonsten aber wenig Änderungen an der Rennwagen-Ausstattung. Der Reiseverbrauch soll um die 30 Liter pro 100 km betragen haben.
Der Porsche 917 mit Fahrgestellnummer 917.030 des Grafen Rossi ist technisch gesehen ein besonders interessantes Exemplar, weil er schon 1971 mit einem der ersten Brems-Antiblockiersysteme (ABS von Teldix) ausgerüstet war, das bei Testfahrten rund zwei Sekunden pro Runde brachte, aber trotzdem nie im Rennbetrieb genutzt wurde.


























