Darf es ein Ferrari sein, oder doch nicht?

Bruno von Rotz
04.04.2013

Darf es ein Ferrari sein?

Eigentlich wäre dies ja Stoff für eine Buchrezension gewesen. Doch das Buch ist schon lange nicht mehr im Verkauf und nur noch in Antiquariaten zu finden. “Darf es ein Ferrari sein?” hiess der Titel, den ihm Rob de la Rive Box, ein Autohändler, Journalist und Buchautor gab. Erschienen war es 1993 und es enthielt rund 200 Fahrzeuge mit kurzen Beschreibungen und Erinnerungsfotos. Tatsächlich gingen alle diese Fahrzeuge durch die Hände von de la Rive Box, einige sogar mehrere Male. Und es waren eben nicht nur Ferraris, sondern eine ganze Reihe mehr oder weniger exotischer Marken von Abarth bis Wikov, darunter auch Austro Daimler, Bizzarrini, BRM, Cisitalia, Cord, Delahaye, Elva, Hotchkiss, Hudson, Maybach, Nardi Danese, Osca, Siata, Stanguellini, Steyr, neben vielen anderen.

Es gibt nicht nur Ferraris im Buch "Darf es ein Ferrari sein?"

In der Einleitung führte sich der Autor gleich selber ein: “Darf ich mich kurz vorstellen? Meine Name ist Rob de la Rive Box. Ich wurde 1935 in Bussum, Holland, geboren. Nach der üblichen Schulbildung absolvierte ich das Automobil-Technikum. Ich arbeitete einige Jahre für Ford in Helsinki und in Amsterdam, bevor ich Ende 1961 in die Schweiz kam. Dort arbeitete ich als Kundendienstberater einer Automobilvertretung in Basel ....”

Ein wenig durch Zufall geriet Rob dann in den Klassiker-Handel, als er mit sechs Bugattis, die er aus der Tschechoslowakei importierte um sich einen eigenen Bugatti zu finanzieren. Dieses Geschäft entwickelte sich aber in alle Richtungen, wenn auch die Gewinn-Margen und vor allem die Preise der Fahrzeuge wesentlich tiefer lagen als teilweise heute. Und genau davon handelt dieses rund 150 Seiten starke Buch.

Für jede der 57 aufgeführten Marken erzählt Rob Geschichten und Anekdoten, die jeweils mit dem Kauf und Verkauf der Fahrzeuge zu tun haben. Dabei werden auch viele Chassis-Nummern und Details erwähnt, die für manchen Sammler heute wieder von eminentem Interesse sein können.

Beispielhafte Seite aus dem Buch "Darf es ein Ferrari sein?"

Beispiele gefällig? Gleich zwei Ferrari 250 GTO (3705 GT und 3769 GT) werden erwähnt, sie waren Anfangs der Siebzigerjahre schwer zu verkaufen und wechselten jeweils für rund 30’000 Franken die Hand. Für einen Porsche Carrera 6 fand Rob 1972 keinen Käufer, 1978 konnte dann Chassis 906124 in die USA verkauft werden. 1977 verkaufte Rob den Michelotti Triumph TR5 (ein Einzelstück) für 4’000 Franken an einen Liebhaber. Rob erwähnt auch einen Lancia Flaminia Zagato mit Chassis-Nummer 824.00.1366, den er 1974 für 1’000 Franken gegen einen Ferrari 250 GTE eintauschte. Den (vermutlich ersten) Bizzarrini P538 fand Rob in bedauernswertem Zustand auf einer Heubühne 20 km ausserhalb von Zürich.  Der (Lamborghini-) Motor fehlte genauso wie das Interieur und viele Teile der Technik. Auch der von Franco Sbarro restaurierte Ford GT/40 mit Chassis-Nummer 1040 (Teilnehmer 24 Stunden von Le Mans 1966 und 1967) ging durch Robs Hände, der Preis damals USD 28’000. Und zwei der Mirage-GT-40 kaufte er gar im Doppelpack. Und so ginge es weiter und weiter.

Was dieses Buch neben den informativen Texten unterhaltsam macht, sind die (durchwegs schwarzweissen) Fotos im Sinne von Familienschnappschüssen, auch wenn der Druck nicht über alle Zweifel erhaben war.

Wer also je eines dieser in Broschürenform gedruckten Bücher zu einem akzeptablen Preis entdeckt, der sollte zugreifen, denn noch selten war es so unterhaltsam, die Aufzeichnungen eines Autohändlers zu lesen.

Einband des Buches "Darf es ein Ferrari sein?"

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