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Ferrari Barchetta am Strassenrand - was es vor 40 Jahren noch zu entdecken gab

Rob de la Rive Box (erstmals 1990 publiziert) - 15.06.2011

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Die Geschichten der in Scheunen in Vergessenheit geratenen und dann wiederentdeckten Autos sind so alt wie das Hobby mit Veteranenwagen. Heute werden die meisten Scheunen wohl ergebnislos durchsucht; 1970 bin ich jedoch selber über ein in ähnlicher Weise verstecktes Auto «gestolpert».

Ferrari 166 MM (Chassis 0008 M), gefunden 1970 am Strassenrand in der Nähe von Zürich

In jenen Jahren wohnte ich ungefähr zwanziger Kilometer von Zürich entfernt und verdiente mein Brot mit dem Handel von Liebhaberwagen. Pro Woche fuhr ich sicher dreimal in die grosse Stadt, und jedesmal fiel mir — ungefähr 3 km von zu Hause entfernt — eine grosse “Blache” (= Plane) auf, worunter wahrscheinlich ein Auto dahindämmerte.

Manchmal hatte ich mich im Vorüberfahren gefragt, was wohl wirklich dort drunter versteckt liege. Und eines Tages hielt ich an, stieg aus und wollte nun das Rätsel lösen. Es war in der Tat ein Auto — und was für eines! Mit grossem Erstaunen stellte ich fest, dass es sich um einen alten Ferrari mit ausgebautem Motor und Getriebe, aber eben um einen echten Ferrari, handelte. Und weil sich für dieses Fahrzeug, dessen Farbe sogar zum Teil entfernt worden war, sicherlich ein Liebhaber finden liess (der jetzige Besitzer hatte ja allem Anschein nach den Spass an seinem Auto verloren), hinterliess ich eine Notiz mit der Bitte, mich anzurufen, falls der «Wagen» zu verkaufen sei. Einige Wochen darauf rief mich der Ferrari-Besitzer wirklich an: «Ich möchte den Wagen gerne verkaufen und verlange dafür 3000 Franken

Hoppla! Dazumal waren 3000 Franken eine schöne Stange Geld. Kurz vorher hatte ich für einen Ferrari 166 Inter in Topzustand weniger bezahlen müssen. Um nicht in der Luft zu hängen, rief ich meinen Freund Bart Loyens in Luxemburg an, ob vielleicht er einen Liebhaber für meine «Rarität» wüsste. Und Loyens fand einen Kunden, wenn auch erst zwei Monate darauf. Dies machte aber nichts, denn die bewusste Blache lag noch immer unberührt an derselben Stelle.

Ferrari 166 MM von 1949, fotografiert nach dem Fund 1970 - auf dem Bild die damals noch junge Tochter des Autoren

Dem Verkehrshaus vermacht...

So machte ich mich am gleichen Abend noch auf den Weg und klingelte an der Tür einer kleinen Einzimmerwohnung, um die gute Nachricht und 3000 Franken zu bringen. Doch mein Besuch löste eine wahre Familientragödie aus. Der Wagen war zwar nicht verkauft worden; sein Besitzer hatte ihn aber unterdessen dem Verkehrshaus Luzern verschenkt!
«. . . Wissen Sie, dann kommt nämlich ein Schild neben den Wagen zu stehen, worauf <Geschenkt von ...> prangt», erläuterte mir der Ehemann stolz, was bei seiner Frau einen äusserst heftigen, nicht mehr enden wollenden Weinkrampf hervorrief.

Der armen Gattin wären die blauen Scheine offenbar viel wertvoller gewesen. Nach langem Diskutieren war der Mann dann doch bereit, mir das Auto zu verkaufen, unter einer Bedingung jedoch: dass ich seine Spende beim Museum rückgängig mache. Dies jedoch wollte ich nun meinerseits nicht tun. Ich hatte den leidigen Ferrari schon fast vergessen, als mich sein offensichtlich wieder glücklicher Besitzer — er hatte wahrscheinlich in letzter Sekunde seine Ehe noch retten können — anrief. Ich könne den Wagen nun doch haben, da das Museum den Ferrari nur in fahrbarem und restauriertem Zustand akzeptiere, was einen guten Grund abgebe, das verflixte Angebot in Ehren wieder zurückzuziehen...

Ferrari 166 MM von 1949, Le Mans Siegerwagen, gefunden 1970 in der Nähe von Zürich, MM am grossen Tank erkennbar

Für die Einzelteile, den Motor und das Getriebe wurde eine grosse Kiste gezimmert, diese zusammen mit dem Auto auf einen Anhänger verladen und nach Antwerpen verfrachtet. Der Ferrari sollte nach den USA verschifft werden, womit das erste Kapitel eigentlich abgeschlossen ist.

Der echte Le-Mans-Siegerwagen

Kapitel 2 lässt sich mit Wilhelm Buschs «Und erstens kommt es anders, und zweitens, als man denkt» einleiten: 1949 hatte Luigi Chinetti auf einem Ferrari 166 Mille Miglia das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen. Es war das erste Mal gewesen, dass Ferrari bei einem derart wichtigen Rennen den Sieg davontrug. Dieser Sieg wurde denn auch tüchtig zu Reklamezwecken vermarktet. Vor allem Amerikas Ferrari-Importeur Chinetti rührte die Werbetrommel. In seinem New Yorker Showroom stand das Auto zwischen Kränzen und Pokalen ausgestellt. Jedermann konnte den Wagen bewundern, ja, er durfte sogar berührt werden, wenn nur die Motorhaube geschlossen blieb. Schon damals hatten sich bei den Ferrari-Liebhabern Zweifel breitgemacht, dass es sich beim gezeigten Auto um den berühmten Le-Mans-Wagen handelt — sondern vielmehr um ein Duplikat davon.

Sie haben es sicher schon erraten: Kaum war nämlich «mein» Auto in Amerika angekommen, wurde festgestellt, dass die Pleuel des Motors mit Rollen gelagert worden waren. Diese Massnahme war aber einzig am Le-Mans-Einsatzwagen vorgenommen worden! Die Geschichte hat sich als wahr herausgestellt. Über drei ehemalige Besitzeradressen gelangte ich zu einem Herrn Staechelin, der diesen Wagen auf dem Pariser Salon 1949 von Luigi Chinetti persönlich gekauft hatte. Zur Sicherheit bestätigten mir auch die Organisatoren der Le-Mans-Rennen, dass der Ferrari Typ 166 MM mit Chassis- und Motornummer 0008 M damals das Rennen gewonnen hatte.

Ferrari 166 MM von 1949, an diesem Lenkrad drehte der Le-Mans-Sieger von 1949, Luigi Chinetti

Also gut und schön — aber nur für den amerikanischen Kunden. Dieser verkaufte das Fahrzeug, ohne irgend etwas am Wagen zu verändern, gleich für beinahe 50’000 Schweizer Franken weiter! Und dass dieses Auto inzwischen mit Riesenschritten an Wert zugenommen hat, wird nochmals einige weitere «Entdecker» glücklich gemacht haben. Wäre dieser Ferrari 166 MM Ende Mai 1990 an der Genfer Sportscar Auction wie die mit ihm verwandten 340 MM oder 250 MM ausgerufen worden, so hätte sein Zuschlagpreis gewiss 2 bis 3 Mio. Franken erreicht.

Anmerkung von Zwischengas: 
Dieser Beitrag wurde von Rob de la Rive Box im Jahre 1990 geschrieben. 2005 wurde ein Ferrari 166 MM (Chassis 0054M) von RM Auctions für USD Mio. 1.76 versteigert, 2009 erreichte ein Ferrari 166 MM (Chassis 0050M) USD Mio 1.10, wurde aber nicht verkauft, da der Schätzwert von USD Mio 1.4 bis 1.8 bei weitem verfehlt wurde. 2011 wechselte der Ferrari 166 MM (Chassis 024M) für USD Mio 1.87 den Besitzer, wiederum durch RM Auctions vermittelt. Über dieses Auto haben wir berichtet.

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