Persönliche Erinnerung an den serienmässigen NSU TT

Bernhard Brägger
04.05.2011

NSU TT am Slalom von Emmen im Jahre 1969

Der NSU TT galt zu seiner Zeit als ideales Sportgerät für Rennsport-Einsteiger, sei es an nationalen Slaloms, Bergrennen, Rallies oder kleinen Rundstreckenrennen. Als sogenanntes Gruppe 1-Fahrzeug, mindestens 5’000 Exemplare mussten in zwölf aufeinanderfolgenden Monaten produziert werden, waren am Motor nur geringfügige Verbesserungen innerhalb der Fertigungstoleranzen zulässig. Das gleiche galt auch für das Fahrwerk. Wenigstens waren hier Stossdämpfer, Reifen und Bremsbeläge freigestellt.

So musste der NSU TT-Fahrer am Start zu Rennen der Gruppe 1 bis 1300 ccm ein Hubraum-Handicap von 123 ccm in Kauf nehmen. Gegenüber einem gut gefahrenen Renault 8 Gordini oder BMC Mini Cooper S war er damit leistungsmässig stark im Hintertreffen. Als Kompensation konnte man bei den Gordinis immer von einer Ausfallquote von einem Drittel (!!) ausgehen. Dank ihrer einfachen Pendelachse waren dramatische Überschläge programmiert. Das gab einem das Gefühl einer ausgleichenden Gerechtigkeit gegenüber den 90 PS starken Franzosen. Der Cooper S gab keinen Anlass zu solchen Spekulationen.

Dass aber auch der NSU TT im Grenzbereich nicht über alle Zweifel erhaben war, zeigt das Foto anlässlich des Slaloms 1969 auf dem Flugplatzareal in Emmen. Zum Glück war bei diesem Anlass kein einziger Gordini gemeldet, es blieben die Minis. Und so musste ich die 68 PS des Cooper-Motors (1275 ccm, dreifachgelagert), sein Frontantriebskonzept und das Fahrkönnen des Luzerners Peter Burri neidlos anerkennen.

Rückblickend ist zu sagen, dass der R 8 Gordini und der Cooper S in der Klasse der Serientourenwagen dem NSU TT durchaus das Wasser reichen  konnten.

Mehr über den NSU TT, inklusive Prospekten, Tuningunterlagen und vielen Bildern finden sich im grossen Zwischengas-Bericht über den TT.

Archivierte Einträge:

von tw******
23.01.2020 (18:37)
Antworten
Schöne Erinnerung, mein 1. Auto, NSU TT 1000, blau-metallic, 2. Hand, sehr gepflegt, 65.000km, 3.500,--DM mit Garantie, und dann ging es los 1970, der Mini-Cooper war besser, aber zu teuer. Wer motorsportlich interessiert war und "auf sich hielt", konnte ihn natürlich nicht serienmäßig lassen. Also a la Jackie Stewart ein kleines Lederlenkrad, bei Felgen mit weniger Zoll passten die breiteren Reifen rein, ohne in den Radkästen zu scheuern. Wie damlas bei Rallyes angesagt kamen natürlich Uniroyal drauf. Und da diese luftgekühlten 1000ccm Maschinen immer einen Hang zum Überhitzen hatten, bekam die Motorhaube Schnellverschlüsse und stand ein bisschen offen. Dessen nicht genug bastelte ich für den linksseitigen Ansaugschacht, der Formel 1 entlehnt, eine passende Ram-Box in der Hoffnung, der eingefangene Fahrtwind würde die Kühlung verbessern. Inzwischen hatte ich herausgefunden, dass das Auto eine Heckschleuder war, also kam vorne ein Sandsack rein, um ein bisschen "rennmäigere" Gewichtsverteilung zu bekommen. 3 Zylinderköpfe mussten dran glauben, extra Nachhilfestunden wurden gegeben, damit das Geld nicht ausging. Schließlich flog ich mitten in Hamburg bei Platzregen auf Asphalt aus der Kurve, mal wieder zu übermütig, und landete mitten in den büschen eines Stadtparks, vor mir stehende Büsche, hinter mir wieder aufgerichtete Büscher, kein Gartenzwerg in der Nähe, kein Passant auf der Straße, also Gas geben und versuchen, auf den Gehweg des Parks zu kommen, was auch gelang und so verließ ich den Park über den Haupteingang, ganz artig und hanseatisch. Lediglich die vordere Stoßstange hatte einen mitgekriegt, weil ich beim Abflug ein heute nicht mehr übliches Parkgebotsschild umgemäht hatte. Die gesamte Stoßstange kostete ca 120,-- DM und wurde ein paar Minuten später gewechselt. Lange Haare, Piloten-Brille und Gauloises wechselten nicht, nur das Auto: 2 CV 4.
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