Karosserieformen, oder wie aus einem Cabriolet ein Roadster wird

Bruno von Rotz
24.04.2011

In einer zeitgenössischen Autozeitschrift ist diese Woche ein “Vergleichstest Roadster” zu lesen. Verglichen werden Fahrzeuge mit versenkbaren Blech- oder Stoffdächern. Keines der betrachteten Fahrzeuge hat Steckscheiben, tatsächlich versenkt man natürlich die Seitenscheiben mit moderner elektrischer Motorenhilfe. Und ob der Akzent hauptsächlich auf offenem Betrieb liegt, kann sicher in Frage gestellt werden.

Offene Karosserie-Formen aus dem AR-Katalog von 1972

Dabei wäre die Definition eines Roadsters klar. Wenn wir im AR-Katalog von 1972 schauen, dann steht hier: “Offener Zweisitzer mit zusammenlegbaren Stoffverdeck und einsteckbaren Seitenscheiben. Akzent auf den offenen Zustand.” Von aktuell käuflichen Fahrzeugen erfüllt allenfalls noch ein Morgan diese Anforderungen, aber sicher kein Z4 oder SLK. 1972 gab es drei offene Fahrzeugtypen, gemäss den Redaktoren der Automobil-Revue: Cabriolet 2-plätzig, Cabriolet 4- bis 5-plätzig und Roadster. Der reine Sportwagen zählt für den normalen Autokonsumenten nicht.

Offene Karosserie-Formen aus dem AR-Katalog von 1959

Vor über 50 Jahren war die Typisierung der offenen Fahrzeuge noch wesentlich vielfältiger. Damals unterschied man zwischen “transformablen” und "offenen" Karosserien. Der reine Roadster zähle zu den offenen Karosserien, ein zusammenlegbares Stoffverdeck und einsteckbare Scheiben aus Plexiglas wurden ihm damals zugestanden. Der (offene) Sportwagen verfügte zwar noch über eine Windschutzscheibe, ein Verdeck fiel aber weg. Heute nennen wir diese Fahrzeuge teilweise “Barchetta”.

Die üblichen Cabriolets ordnete man damals bei den transformablen Karosserien ein. Darunter fielen dann das 2- oder 4-plätzige Cabriolet, das Roadster-Cabriolet (nun mit im Gegensatz zum Cabriolet ungefütterten Verdeck, auch Spider genannt), die Cabrio-Limousine (mit festem Fensterrahmen), der Landau (nur der hinterste Teil kann geöffnet werden), sowie Fahrzeuge mit Hard Top, Rolldach, Faltdach oder Schiebedach. Letzere kann man fairerweise nicht mehr als wirklich offene Fahrzeuge bezeichnen.

Langer Rede, kurzer Sinn. Es ist (oder war) eigentlich klar, was einen Roadster ausmacht, auch wenn moderne Marketing-Spezialisten uns etwas anderes weismachen wollen.

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