Was zwitschert denn da?
Neben dem Fünfzylinder-Fauchen der Audi Quattro ist es wohl das Geräusch der Gruppe B: das kurze, delfinartige Schnattern, wenn Röhrl, Mouton oder Blomqvist vor einer Kurve abrupt vom Gas gegangen sind. Und mindestens genauso selbstverständlich, wie die letzte Evolutionsstufe des Ingolstädter Allradmonsters heute mit dem falschen Namen betitelt wird, wird dem unverwechselbaren Lastwechselton der falsche Ursprung zugeschrieben.
Denn das meistens als Zwitschermaschine angeführte Bypassventil – im englischen Sprachraum auch "Wastegate" genannt – hat damit überhaupt nichts zu tun. Seine Aufgabe ist vielmehr, einen Teil des Abgasstroms ohne Umweg über die Turbine direkt in den Auspuff strömen zu lassen und so den Ladedruck zu begrenzen. Es öffnet folglich nicht beim Gaswegnehmen, sondern beim Gasgeben – und dann mehr mit einem Furzen.
Sein Gegenstück auf der Einlassseite ist das Schubumluft- oder Abblasventil ("Blow-off"), das beim Lastwechsel die bereits verdichtete, aber nicht genutzte Ladeluft wieder vor das Verdichterrad leitet – und dabei ein Zischen von sich gibt. Allerdings ist dieses Bauteil nicht unbedingt notwendig und deshalb nicht immer vorhanden. Welches Ventil nun öffnen muss, damit das markante Zwitschern ertönt? Keines! Es entsteht, sinnbildlich gesprochen, durch das Gegenstück zum Turboloch.
Wenn bei einem Turbomotor das Gas vollständig zurückgenommen wird, dreht sich das Verdichterrad – angetrieben von den letzten noch entweichenden Abgasen – noch einen kurzen Moment weiter. Nur kann die dabei verdichtete Luft dann nicht mehr in die Brennräume weiterziehen, sondern staut sich an der geschlossenen Drosselklappe. Da der Überdruck aber trotzdem irgendwo hin muss, geht er wieder dahin, wo er hergekommen ist: in den Verdichter, dessen Schaufelrad durch den plötzlichen Gegenverkehr abrupt abgebremst wird.
Die Reibung der sich dabei zwischen Verdichterschaufeln und -gehäuse durchquetschenden Luft verursacht ein Pfeifgeräusch. Die Druckreduktion dabei erlaubt dem Verdichterrad, sich für einen kurzen Moment wieder schneller zu drehen; bis der Gegendruck abermals zu hoch wird und sich das Ganze so lange wiederholt, bis die Rotationsenergie des Verdichterrades vollständig abgebaut ist – oder sich die Drosselklappe wieder öffnet. Durch diesen schnellen Wechsel von Druckauf- und -abbau ("Pumpen") entsteht das markante Zwitschern, Zirpen, Kichern, Schnattern oder wie auch immer man es nennen mag.
Je höher der Ladedruck, desto stärker ist der Effekt. Insofern ist das Wastegate doch nicht ganz unbeteiligt. Mit der Lautstärke des Pumpgeräuschs steigt allerdings auch die mechanische Belastung des Turboladers. In den gelb-weissen Fünfzylinder-Singvögeln wurde der Verdichter also ziemlich stark beansprucht. Aber das war schon in Ordnung. Er musste ja immer nur eine Wertungsprüfung am Stück durchhalten.

























