Sie sind heimlich verschwunden, die Schuco-Blechautos
Es war einmal ein Begriff, das Schuco-Auto! Stets etwas auf den Webseiten verschiedener Spielzeug(auto)hersteller am Herumsurfen, musste ich aber neulich feststellen, dass im aktuellen Katalog von Schuco kein einziges ihrer Classic-Modelle mehr zu finden ist. Wo sind sie also geblieben? Etwaige Pressemitteilungungen oder dergleichen habe ich nicht gefunden, nur der Hinweis eines Online-Händlers, dass seit 2022 keine Blechautos mit dem berühmten Namen mehr neu herausgegeben würden. Dies ist, Nostalgie-geprägt wie ich bin, für mich ein herber Verlust und reisst eine Lücke ins sowieso immer mehr von Fernost dominierten Spielzeug-Universum. Ja, ich muss zugeben, ich habe an Schuco-Autos den Narren gefressen, selbst wenn ich mich immer auf die Nachbauten und Replicas – sehr wohl vom Hersteller selbst, aber nicht aus der Ursprungszeit ihrer Entstehung – konzentriert habe. Dies auch aus Kostengründen.
Der Spielzeughersteller Schuco wurde 1912 von Heinrich Müller und Heinrich Schreyer gegründet, der Name steht für Schreyer und Co. Heinrich Schreyer war der Business-Mann der beiden, Müller der Tüftler und kreative Geist hinter Schuco.
Bekannt wurde die Marke aus Deutschlands Spielzeug-Hochburg Nürnberg ganz besonders für technisch interessante und funktional hochstehende Spielzeugautos ab den 1930er-Jahren – nebst Figuren, Flugzeugen und Booten.
Mit dem Schuco Studio hatte 1936 nicht nur eine glaubwürdige, wenn auch nicht akkurate Abbildung des Mercedes W25 Grand Prix Rennwagen debutiert, die Miniatur zeichnete sich auch durch abnehmbare Räder, Zahnstangenlenkung und als besonderen Clou durch sein sichtbares, echtes Differenzialgetriebe an der Hinterachse aus.
Der Examico, etwas später erschienen, ein dem BMW 328 nachempfundenes Auto etwa im Massstab 1/24, hatte hingegen vier am Armaturenbrett schaltbare Geschwindigkeiten samt Rückwärtsgang, eine Kupplung, Lenkung und Handbremse – ein kleines, mechanisches Wunder.
Viel Technik auf kleinstem Raum verpackt – Der Schuco Examico 4001 ist ein kleines, mechanisches Wunder und wurde ab den 1930er-Jahren bis 2022 in zahlreichen Varianten gebaut. Nun ist Schluss damit
Das Wendeauto hingegen fiel nicht von der Tischplatte, beim Kommandoauto liess sich mit einem Zauberstab oder einem mit viel Luft ausgesprochenen Befehl die Fahrtrichtung ändern.
Nach dem 2. Weltkrieg kamen weitere Sensationen hinzu: Der Packard mit 8-Gang-Synchromatik-Getriebe oder der Mercedes Electro-Hydro mit einer Flüssigkeitskupplung. Schuco-Autos waren führend in der Entwicklung neuer Funktionen.
Heinrich Müller starb 1956, die Verspieltheit ging danach zwar etwas verloren, die technische Raffinesse aber blieb. Dazu gab es nun immer mehr Kunststoffteile ergänzend zur Blechbauweise. Ein weiteres Highlight waren die Monoposti der späten 1960er-Jahre mit Lenkung, Aufziehmotor oder, asl Variante, mit elektrischer Fernlenkung. Die Hinterachse war wie beim Vorbild mit doppelten Längs - und Querlenkern ausgerüstet und über kleine Federbeinchen abgestützt. Drahtbügelchen zwischen dem offen laufenden Differenzial und den Rädern, mit reichlich Spiel verbaut, fungierten derweil als Halbwellen – brillant!
Schuco Lotus Type 33, Artikelnummer 1071 aus den späten 1960er-Jahren. Mit Federaufzug, abnehmbaren Rädern, Lenkung, Differenzial und richtig funktionierender Hinterradfederung
1976 ging Schuco jedoch Konkurs, die Spielwaren aus Fernost waren deutlich billiger und der Trend war längst vom Blech hin zu Kunststoff gegangen. Schuco folgte diesem zwar auch, doch die hohen Ansprüche, die der Hersteller an sich selbst stellte wurden vom Markt nur unzulänglich auch getragen. Qualitätspielzeug hatte Ende der 1960er-Jahre einen immer schwereren Stand. Schuco hielt sich noch eine Weile, musste aber 1976 wie erwähnt, erstmal aufgeben. In der Folge sind zahlreiche Formen auf der ganzen Welt verstreut worden. Die Werkzeuge für die Oldtimer-Serie, die «Rüttler» beispielsweise kaufte 1980 GAMA. Manches alte Modell ist so in den 1980er-Jahren wieder aufgetaucht, wie etwa auch der Schuco Studio.
Spätestens mit der Übernahme der Marke durch Dickie Simba 1996 fanden die kleinen Piccolos, die Microracer und die klassischen Blechmodelle wieder Einzug ins Schuco-Sortiment. Mehr noch, aus dem Schuco-Studio ist gegen Ende der 1990er-Jahre eine ganze Fahrzeug-Familie entstanden. Dem W25 Silberpfeil, dem Ur-Studio, wurden mit derselben Mechanik der Auto-Union P-Rennwagen als Studio II, der Mercedes W196 Stromlinie als Studio III, ein Bugatti 35 als Studio IV, der Mercedes SSKL als Studio V, der Auto-Union als Stromlinienfahrzeug als Studio VI und der Mercedes W196 Monoposto als Studio VII zur Seite gestellt. Dazu gab es jeweils entsprechende Montage-Sets mit Regenreifen, Werkzeug oder gar Figuren
Studio II Bausatz des Auto-Union Rennwagens, herausgegeben zum Klausen Memorial 2006 mit Fahrerfigur von Hans Stuck (leider versteckt er sich unten links in der Plastiktüte). Vom Studio II gibt es kein historisches Spielzeug-Vorbild, er war ein neues Schuco-Modell im alten Stil
Weitere Blech-Klassiker folgten, etwa der Jaguar XK 120 als Examico-Variante, ebenso der Porsche 550 Spyder mit derselben 4-Gang-Mechanik. Dies ging solange weiter, bis Schuco 2022 nun klammheimlich die Produktion der Classic Serie, der Blech- und Aufziehautos wie die Druckguss-Microracer offenbar eingestellt hat. Für Nostalgiespielzeug gibt es scheinbar keinen Platz mehr im Schuco-Sortiment. Das ist, angesichts der Fülle an antiquarischen Schuco-Autos aus den letzten 25 Jahren, wohl auch kein Wunder: Die hartgesottenen Sammler haben diese Nachbauten vermutlich nie ernsthaft interessiert und alle anderen sind damit höchstwahrscheinlich reichlich eingedeckt. Da diese Objekte kaum mehr als Spielzeug dienen sind viele Exemplare auf den einschlägigen Verkaufsplattformen in perfektem Zustand, mit Originalverpackung und allem Zubehör zu finden. Nie wirklich günstig im Preis, sind derweil bei den meisten Modellen dafür kaum grosse Wertsteigerungen zu erwarten.
Schuco Oldtimer Nummer 1229 Mercedes Simplex «Rüttler» als Ausgabe der späten 1990er-Jahre, das Modell erschien erstmals 1957 und wurde 1980 nach Übernahme der Werkzeuge durch GAMA neu aufgelegt.
Fortan gibt es bei Schuco also «nur noch» Druckguss-Modelle und diese – hervorragend gemacht, zugegeben – stammen nun weitgehend aus Fernost. Manches der Blechmodelle wurde hingegen in Europa handgebaut, etwa bei Kovap in Tschechien.
Die Rüttler aber, die Oldtimer-Serie, die erstmals 1957 herausgebracht wurde, haben es mir aktuell angetan. Gleich zwei Patienten, der Ford T Nummer 1227 und ein Opel Doktorwagen, Nummer 1228, liegen gerade auf meiner Werkbank. Die Diagnose lautet: Gebrochene Feder beim Ford-T und ausgefressenes Antriebszahnrad – die Getriebe sind aus Druckguss – beim Opel Doktorwagen. Beide habe ich für kleines Geld im Trödel gefunden. Zum Glück gibt es günstige Schlachtfahrzeuge als Ersatzteilspender. Wenn es mir im Winter in der Werkstatt langsam zu kalt wird, wechsle ich halt in den Bastelkeller und schraube im Kleinen weiter.
Zum Thema Schuco wurde übrigens auch in der Motorpresse immer wieder berichtet, einen interessanten Artikel dazu gibt es in unserem Zeitschriften-Archiv .


























