Tagträumen
Es gibt Autos, die lassen mich nicht los, seit ich von ihnen in meiner Kindheit gehört oder gelesen habe. Ein solches ist der legendäre, fast schon mythische Citroën Traction-Avant 22 CV, der «Super-Traction» mit einem 3.8-Liter V8-Motor und 100 PS.
Allerdings waren es nie die schieren Leistungswerte, die mich eingenommen haben, sondern der Umstand, dass bis heute niemand mit 100-prozentiger Sicherheit sagen kann, dass kein einziges Exemplar mehr davon existiert. Gewiss, die Wahrscheinlichkeit tendiert gegen Null, dass entgegen aller Forschung und Recherchen doch ein V8 überlebt haben soll. Doch die Tatsache, dass beispielsweise vom Ur-2CV «TPV» – für Toute Petite Voiture – vier von rund 250 fertiggestellten Vorserien-Exemplaren – trotz Weisung des damaligen Citroën-Direktors Piere Jules Boulanger, alle zu zerstören – überlebt haben, sorgte bei mir immer für stille Hoffnung. Denn auch der 22 CV war eigentlich beschlossene Sache als er im Sommer 1934 vorgestellt und am Pariser Salon im Oktober gar ausgestellt wurde. Und dies nicht nur als Einzelstück, sondern gleich als Cabriolet, Faux-Cabriolet, Limousine und Familiale. Ihren letzten Auftritt hatten die Wagen Anfang 1935 beim Autosalon von Brüssel. Sogar das Prospektmaterial war schon gedruckt, anders als beim TPV, der in allerstrengster Geheimhaltung entwickelt worden war.
Aber nicht nur die Autos, auch sämtliche Konstruktionszeichnungen und wohl auch Werkzeuge für die Karosserieteile wie Kotflügel oder Motorhauben, die anders geformt waren als beim Vier- oder späteren Sechszylinder-Traction, sollen zusammen mit den neun bis 20 gebauten 22 CV, man ist sich hier unter Experten sehr uneins über die genaue Anzahl, vernichtet worden sein.
Theorien gab und gibt es hingegen in den vergangenen 90 Jahren diverse, einige behaupten, ein Wagen sei bei einem Arzt in Frankreich eingestellt worden, andere meinten, ein Unfallauto sei in Belgien nach dem Brüsseler Salon liegengeblieben und irgendwie vergessen gegangen. Bewahrheitet hat sich keine der Geschichten. Und ich bin eigentlich ganz froh darum, so kann ich etwas weiter träumen – etwa davon, dass vielleicht eines Tages ja doch noch…


























