Vergessene Designstudien – Studebaker Italia
Nachdem Bob Bourkes 1953er Modelle mit dem "European Look" im Laufe der Fünfziger mit aufgesetzten Heckflossen, riesigen Kühlergrills und ausuferndem Chromzierrat immer weiter amerikanisiert worden waren, bekam Studebaker 1960 die Chance, zu alter Eleganz zurückzufinden.
Auf Basis des nagelneuen Lark hatte Pietro Frua eine Limousine und ein Coupé mit Trapezlinie, filigraner Chromzier und einem hauchdünnen Dach-Aufbau entworfen, die an zeitgenössische Fiat-Modelle erinnerten und die er in einer Kleinserie von je 1000 Exemplaren zu fertigen gedachte. Auf dem Turiner Salon im November 1960 wurden die höchst eleganten Wagen zum ersten Mal gezeigt. Das Coupé zierte den Stand des Karosseriebauers Italsuisse aus Genf. Auf dem Stand der Carrozzeria Lombardi – die übrigens auch einen eigenen "herausfordernd spitzbrüstigen" Coupé-Entwurf ausstellte – standen zwei viertürige Frua-Limousinen: eine schwarze mit 4,2-Liter-V8, genannt "Studebaker Italia Sedan VIII", und ein grauer "Sedan VI" mit 2,8-Liter-Flathead-Sechszylinder.
Von der Presse blieben die Wagen weitgehend unbemerkt, in auto, motor und sport und der Automobil-Revue nur für ihre zerklüftete Frontgestaltung kritisiert. Im März 1961 präsentierte Frua seine Italo-Amerikaner noch einmal in Genf, doch auch hier war die Resonanz bescheiden. Zur geplanten Kleinserien-Fertigung kam es daher nicht. Ob neben den beiden Limousinen – die die Fahrgestellnummern 5 (Achtzylinder) und 7 (Sechszylinder) tragen – und dem Coupé noch weitere Wagen entstanden sind, ist nicht bekannt, aber unwahrscheinlich. Ebenso wenig bekannt ist der Grund, aus dem die Sechszylinder-Limousine ebenfalls einen "Sedan VIII"-Schriftzug am Heck hatte.
Das Coupé hat leider nicht überlebt. Und um ein Haar wäre es den Limousinen ebenso ergangen. Als man für den italienischen Exploitation-Film "Eiskalte Typen auf heissen Öfen" von 1976 teuer aussehende, aber billig zu beschaffende Autos benötigte, um sie vor einem Casino in Brand zu setzen, mussten auch die beiden scheinbar wertlosen Italia-Viertürer dran glauben. Der Graue war ohnehin schon durch einen Unfall gezeichnet.
Danach landeten die beiden Frua-Studebaker bei einem Schrotthändler in Rom, der sie dann zwar in seinem Hof verrotten liess, aber wenigstens nicht in die Presse schob. Bilder aus dieser Zeit bieten ein trauriges Bild, aber zumindest der ehemals schwarze Achtzylinder schien noch verhältnismässig leicht restaurierbar, während der Graue mit ondulierter Nase und beim Filmbrand herausgesprengten Scheiben etwas mehr Arbeit bereiten würde. Auch der Motor war abhanden gekommen.
Anfang 2004 wurden die Wagen von einem Studebaker-Sammler aus Kalifornien gekauft, der sie restaurieren wollte. Daraus ist allerdings – glaubt man den Geschichten im Forum des Studebaker Drivers Club – bis heute nichts geworden.
Bild oben: ein seltener Anblick, auf dem man trotzdem gerne verzichtet hätte – beide brennenden Frua-Studebaker in einem Bild. Ganz links der Sedan VIII, ganz rechts der Sedan VI. Der Rolls-Royce Silver Shadow im Vordergrund war nur ein billiges "Stunt-Double" und ging kurz darauf ebenfalls noch in Flammen auf.

































