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Oldtimerfahren wird immer anspruchsvoller

Bruno von Rotz
01.11.2021

Fahrt im VW Käfer von 1961 (© Bruno von Rotz)

Immer häufiger hören wir Oldtimer-Enthusiasten sagen, dass sie grundsätzlich mit ihrem Klassiker nicht mehr in grosse Städte fahren und verkehrsreiche Strassen meiden. Und dies hat nichts mit Gesetzesparagraphen oder Fahrbeschränkungen zu tun, sondern vielmehr mit den gemachten Erfahrungen beim Fahren auf den heutigen Strassen.

In der Tat wird es immer anspruchsvoller, mit einem Oldtimer im normalen Strassenverkehr zu fahren. Dies hat eine Reihe von Gründen. Zum einen scheint der Verkehr immer dichter zu werden, immer mehr Autos müssen den beschränkt verfügbaren Raum auf dem Strassennetz teilen. Zudem werden Vorschriften und Regularien stetig verschärft und gleichzeitig immer stärker überwacht. Mit einem alten Auto und zitternder Tachonadel ist es aber gar nicht so einfach, exakt 50 km/h zu fahren. Fährt man langsamer, so beginnen die Fahrzeuge dahinter nahe aufzuschliessen, fährt man schneller, so kann schon bald eine (teure) Busse fällig werden.

Generell scheint die Toleranz für alte Autos im Strassenverkehr nicht grösser zu werden, junge Verkehrsteilnehmer in modernen Autos haben aber keine Vorstellung von den Brems- und Beschleunigungsfähigkeiten alter Autos. Da wird ohne Rücksicht in die Lücke gesprungen, die der bedachte Klassikerpilot vor sich für Bremsmanöver vorgesehen hat. Fahrräder werden immer schneller und nehmen sich immer mehr Rechte heraus. Dazu kommen noch elektrifizierte Tretroller und Lastenräder und die vortrittserheischenden öffentlichen Verkehrsmittel.

Sowieso muss der Oldtimerpilot nicht nur für sich, sondern auch für die anderen denken. Er muss sich überlegen, ob die anderen Verkehrsteilnehmer wohl auf seinen Blinker oder sein Bremslicht achten. Er muss voraussehen, ob ein unbedachter Fahrer vielleicht ohne Rücksicht auf die mässige Bremsleistung von alten Fahrzeugen einfach in die Strasse einbiegt. Und beim Hinterherfahren muss der Lenker eines alten Autos ständig darauf gefasst sein, dass der moderne Wagen vor ihm plötzlich und ohne Grund stark abbremsen könnte, weil eine Fahrhilfe eine für Menschen nicht erkennbare Gefahr entdeckt hat.

Im Kolonnenverkehr sieht der Pilot eines alten Autos immer seltener durch die vorderen Fahrzeuge hindurch, dunkle Heckscheiben und überhohe und breite Autos (Stichwort SUVs) beschränken die Sicht. Da helfen auch die mittig angebrachten zusätzlichen Bremsleuchten nichts mehr.

Wir es nass oder dunkel, wird’s noch heikler. Dann blenden die grellen LED- und Xenon-Leuchten der modernen Autos den Fahrer im alten Wagen, dessen Windschutzscheibe typischerweise über die Zeit einige Kratzer erhalten hat. Die mit 6 oder 12 Volt betriebenen Glühlampen, die vielleicht sogar noch drehzahlabhängig unterschiedlich stark leuchten, erkennen moderne Autofahrer sowieso nicht mehr als Fahrtlichter. Und die Scheibenwischer im alten Auto sind den modernen Nachfolgern massiv unterlegen.

Natürlich kann man trotzdem im alten Auto im modernen Verkehr mitfahren, aber es ist dafür deutlich mehr Konzentration nötig. Und zudem muss man sich stets erneut auf den klassischen Wagen einstellen, vor allem, wenn man von modernen PKWs zum Oldie wechselt.

All dies (und noch einiges mehr) macht das Fahren im alten Wagen deutlich bei viel Verkehr und in Städten deutlich anspruchsvoller, die meisten Oldtimerlenker aber sind sich dessen natürlich bewusst und setzen ihre ganze Konzentration dafür ein, unfall- und schadenfrei nachhause zu kommen.

Einsame Landstrassen und Verkehrsverbindungen mit geringen Frequenzen (wie im Bild oben) werden leider immer seltener, vor allem aber können sie oft erst dann erreicht werden, wenn man verkehrsreiche Agglomerationen oder Verbindungsstrecken hinter sich gebracht hat.

Natürlich sind jüngere Fahrzeuge (u.a. Youngtimer und Oldtimer der Siebziger- und Achtzigerjahre) in den oben beschriebenen Situationen im Vorteil, auch dies ein Grund für eine nachlassende Wertschätzung der Vor- und Nachkriegsautos bis in die Sechzigerjahre.

Wie sehen Sie das, liebe Leser? Fügen Sie doch Ihre eigenen Erfahrungen als Kommentare hinzu …

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