Die Vorteile von "German Engineering"
Ab und zu wird ja ein wenig gelächelt über das, was die Amerikaner gerne “German Engineering” nennen. Aber gut durchdachte und über Jahre gereifte Konstruktionen haben halt auch ihre Vorteile. Jedenfalls war ich kürzlich froh darüber, dass sich jemand viele Gedanken über potentielle Probleme gemacht hatte, die halt eben auftreten können.
Ich bin selber ja nicht unbedingt ein Freund von automatisch öffnenden und schliessenden Cabrioletdächern. Kürzlich stand ich am Anfang eines Alpenpasses und wollte das Dach des Porsche 993 öffnen, um noch mehr Freude an der flüssigen Kurvenfolge zu erfahren. Doch leider weigerte sich das Dach, wie gewohnt herunter zu fahren. Es blieb einfach stehen und bewegte sich nicht mehr. An eine Weiterfahrt war nicht zu denken, denn ein halb geöffnetes Dach ist halt nun wirklich nicht fahrtauglich. Zunächst dachte ich, vielleicht steht das Auto nicht flach genug und stellte den Wagen anders hin. Doch es passierte nichts mehr, das Dach reagierte nicht mehr auf den Tastendruck. Mit Horror erinnerte ich mich daran, dass eine Notschliessung eine ziemlich grobe Prozedur ist und u.a. den Wagenheber und das Bordwerkzeug involviert.
Nach einigem Herumprobieren griff ich nach dem Handbuch, das als erste Fehlerquelle sinnvollerweise eine durchgeschmorte Sicherung vorschlägt. Über Sicherungen und die Positionierung des Sicherungskastens steht wenig im gerade einmal 118 Seiten umfassenden Handbuch, aber der Kasten lässt sich mit etwas detektivischem Gespür finden.
Er liegt nämlich unter der Stoffabdeckung im Kofferraum bei der Schottwand.
Nach dem Öffnen des Kastens dann ein erster Shock. Da gibt es unzählige Sicherungen und Relais und alles was man findet sind Nummern.
Aber ja, man hätte wohl das Handbuch exakter lesen sollen oder eben den Deckel des Sicherungskasten umdrehen.
Denn da sind alle Sicherung sauber und mehrsprachig beschrieben. Schnell findet man damit heraus, dass das Cabrioletdach (wie auch das Schiebedach) mit Sicherung 13 auf 30 A abgesichert ist. Und tatsächlich ist die Sicherung Nummer 13 defekt. Aber woher nun eine Ersatzsicherung nehmen?
Auch da haben die Porsche-Ingenieure vorgedacht. In der Mitte des Sicherungskasten gibt es nämlich nicht angeschlossene Steckstellen, in denen Ersatzsicherungen untergebracht sind (wenn sie nicht schon verschwunden sind).
Eine passende 30-A-Sicherung ist tatsächlich vorhanden, und, eingesetzt, lässt sich das Dach problemlos öffnen und schliessen. Happy End!
P.S. Nun muss die fehlende Ersatzsicherung natürlich möglichst schnell ersetzt werden, schliesslich wird ja diese vielleicht in 20 Jahren wieder nötig …

































