Was früher in der Formel 1 besser war (gemäss Jackie Stewart)
Das Interview von Roger Benoit mit Sir Jackie Stewart im "Blick" über die heutige Formel 1 sagt viel aus über die aktuelle Situation und zeigt, dass unsere Gedanken von denen des Profis nicht gross abweichen.
Auf die Frage was der heutigen F1 fehlt, antwortet Stewart: "Spannung, Defekte, Fehler und Unfälle! Das darf man nicht falsch verstehen. Keiner will Tote sehen, aber Nervenkitzel erleben.”
Genau das ist komplett verloren gegangen. Die Autos sind so perfekt und korrigieren die Fehler der Fahrer. Als die Autos noch von Hand und mit Kupplungspedal geschalten wurden, war die Fehlerquote viel höher. Ein falscher Gang und das Rennen war gelaufen. Passiert heute nicht mehr.
Fast jeder Ausrutscher endete damals in den Planken oder zumindest noch im Kies. Auch das geschieht nicht mehr, da fast überall ein riesiger, sauber asphaltierter Parkplatz zum Auslauf und Wenden bereitsteht.
Die Autos sind so perfekt geworden, dass ein Renn-Resultat kaum noch von Defekten beeinflusst wird. 2017 war einzig Hamilton ein Opfer der Technik und er verlor damit wohl auch die WM. Mehr solche Defekte würde viel mehr Pfeffer in die Rennen streuen.
Das einzige Highlight der Saison sah Stewart (auch das deckt sich mit unserer Ansicht) im Rookie Max Verstappen. "Der Holländer erinnert mich an die ersten Rennen von Mario Andretti, Jochen Rindt oder François Cevert. Sie alle mischten damals das Geschäft auf", meint Stewart. Zum Stöhnen der Fahrer über die lange Saison kann Stewart nur lachen: "1971, als ich zum ersten Mal Weltmeister wurde, habe ich den Atlantik 86 Mal überflogen. Also 43 Trips nach Amerika und zurück. Für die Can-Am-Serie, das ABC-Fernsehen und als Ford-Repräsentant. Ich fuhr auch in der Formel 2, sowie mit Sportwagen und Tourenwagen herum."
Zur Überlegenheit von Mercedes und ob die kommende Saison interessanter wird: "Die F1 ist nie ausgeglichen. Jedes Jahr hat ein Team einen gewissen Vorteil. Schon während meiner Zeit von 1965 bis 1973, als ich mit etwas Glück und ohne Magenkrankheit sechsmal Champion in Serie hätte werden können. Da hat Ferrari keinen Titel gewonnen. Damals scheiterten sie am Supermotor von Ford-Cosworth. Alle anderen fuhren diesen Motor. Ford war das beste Beispiel für eine tolle F1."
Wie gut ist Verstappen? "Eine interessante Frage. Ich stelle Alain Prost immer vor Ayrton Senna. Für mich war der Brasilianer der aufregendste Fahrer seiner Zeit. Doch am Ende gewann der Franzose mehr Rennen. Alain schaute nie so aus, als ob er seine Limiten überfahre. Das tat aber Ayrton - das ist meine Kritik. Wenn man sich die Onboard-Kameras anschaut, dann fällt sofort auf, dass Senna dreimal mehr am Lenkrad arbeitete als Prost. Senna war superschnell, doch Prost hatte den saubereren Fahrstil. Auch heute versuchen es noch viele Fahrer mit der Brechstange - das macht sie langsamer."
Und wer ist nun der beste Fahrer? Stewart: "Fangio, wenn man die WM seit 1950 anschaut. Er suchte sich immer das beste Auto. Als er im Mercedes sass, spürte er schon, dass er wieder zu Maserati wechseln musste. So wurde er fünfmal Champion."
….und dann? "Mein Landsmann Jim Clark, der immer für Lotus fuhr."
…und wer steigt als Dritter aufs Podest? " Weiss nicht. Doch, Prost."
Die Frage zum neuen Gesicht der F1 durch Liberty Media: "Es wird nie, nie einen andern Bernie Ecclestone geben. Er ist einzigartig - in der gesamten Welt des Sports. Nie hat ein Mann so viel Geld gemacht. Für sich und das grosse Umfeld. Kooperiert er mit den neuen Besitzern, dann ist das super. Für alle, also auch für die Fans, die endlich wieder in den Vordergrund rücken müssen." Wo er recht hat, da hat er recht.


























