Das Auto ist dumm
Es war vor exakt 30 Jahren, als die ADAC Motorwelt einen Bericht zum Auto der Zukunft publizierte. Im Rahmen des Berichts sprachen die Redakteure auch mit dem Professor für angewandte Informatik an der Universität Bremen, Dr. Klaus Haefner, der damals 50 Jahre alt war. Und jener wagte eine ziemlich mutige Prognose, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten möchten:
“An mehr Sicherheit denkt Professor Klaus Haefner beim Stichwort Auto 2000: Die vielen Toten und Verletzten sind ihm ein zu hoher Preis für die Mobilität. Seine These: Das Auto von heute ist dumm, der Mensch als Fahrzeugführer unzuverlässig. Man muß ihn durch einen Computer ersetzen.
Haefner: Flugzeuge starten und landen automatisch, Schiffe fahren weite Strecken mit Autopilot, Raketen werden automatisch ins Ziel gesteuert. Man muß auch aus dem Auto ein wirkliches Auto-Mobil machen.
Nach Haefner sieht das so aus: Der Fahrer steckt als Schlüssel eine elektronische Karte ein und führt mit sei- nem Auto optisch oder akustisch einen Dialog: Wer fährt - Fahrer oder Autopilot? Wenn Autopilot: Wo ist das Ziel? Ort, Straße, Hausnummer? Anschließend kann er sich in seinem Drehsessel räkeln. Das Auto-Mobil findet den Weg allein. Wie?
Ein Rechner wertet eine digital gespeicherte Straßenkarte aus. Mit Satelliten- Navigation und Nachführen der Fahrzeugbewegungen auf der Karte läßt sich ständig der aktuelle Standort be- stimmen. Drei Fernsehkameras erfassen die Verkehrssituation, lesen Schilder und Verkehrszeichen und verhüten Kollisionen. Für den Nahbereich gibt es Ultraschall-Sensoren.
Die »Kabinenbahn ohne Schienen« hat für Haefner nur Vorteile: Sie hält sich strikt an die Verkehrsregeln, trinkt keinen Alkohol, hat keine Schrecksekunde.
Der Mehrpreis würde heute etwa 12’500 DM betragen. Der Professor denkt an 3000 bis 5000: Informationstechnik wird von Jahr zu Jahr billiger. Haefner: »Das Auto-Mobil wäre eine Riesen-Chance für die deutsche Industrie. Wenn wir nur an den Spaß am Fahren denken und nichts tun, werden uns die Japaner und Amerikaner technisch überholen.«”
Erstaunlich, wie nahe Haefner am autonom fahrenden Auto liegt, das nun für die nächsten Jahre angekündigt wird, oder als Tesla Model S oder Wagen anderer Hersteller bereits teilweise auf unseren Strassen herumkurvt.
Wie so oft, war Haefner bezüglich der Zeitachse natürlich deutlich zu optimistisch, denn im Jahr 2000 war man von dieser Vision natürlich noch Jahrzehnte entfernt.

































