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Württembergische 2020

Die seltsame Geschichte des einzigen Tucker Convertible

Stefan Fritschi - 29.09.2012

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Tucker Convertible - offen

Der Tucker 48 „Torpedo“ von 1947 wurde durch Coppolas Film berühmt. Er war die Realität gewordene aber erfolglose Vision von Preston Tucker. Insgesamt 52 Tucker-Fahrzeuge sind verbürgt: der Prototyp namens „Tin Goose“, 50 Vorserienfahrzeuge und ein nachträglich aus vorhandene Teilen erbautes Auto. Vor einiger Zeit tauchte Nummer 53 auf und sorgte in der Szene für Verwirrung. Benchmark-Classics bietet nämlich ein Cabriolet an. Ein bisher unbekanntes Derivat oder eine plumpe Fälschung?

Tucker Convertible - geschlossen

Zu Beginn erst mal die Fakten. Nach der Fertigstellung der 1 plus 50 Fahrzeugen und der Schliessung der Fabrik hätte man mit den vorhandenen Teilen noch rund acht weitere Autos bauen können. Aber es sind nur noch zwei weitere Fahrzeuge bekannt: Nr. 1051 und 1057. Hier die Details dazu:

Nr. 1051 wurde in den achtziger Jahren aus oben genannten Liquidationsfundus fertiggestellt. Er gilt somit als letzter, aber nicht mehr von Tucker verantworteter Wagen Nr. 52. Die Nummerierung fängt übrigens bei 1000 (Prototyp) an. Deshalb ist Nr. 1051 das 52. Auto, welches in New Jersey, USA beheimatet und in Privatbesitz ist.

Tucker 48 (1947) Acht unfertige Tucker in der Fabrik nach der Schliessung

Preston Tucker dachte bereits an die Zukunft. Folglich arbeitete er bereits am Nachfolger mit der Bezeichnung Tucker 49. Chassisnummer 1057 wurde deshalb als Experimentalfahrzeug aufgebaut. Auf Fotos, die unmittelbar nach der Fabrikschliessung gemacht worden sind, erkennt man die unvollständige Karosserie anhand des auffälligen Panorama-Heckfensters.

Tucker 48 (1947) Fahrgestell Nr. 1057 als Facelift mit Panorama-Heckscheibe

Es wurde nämlich kritisiert, dass die Übersichtlichkeit nach hinten schlecht wäre. Dieses Nachfolgeauto wurde aber nie fertiggestellt, und sein Verbleib ist nicht bekannt. Vermutlich wurde es zusammen mit der restlichen Liquidationsmasse an Teilehändler verkauft.

Vera ist der Vorname von Tuckers Frau. Da sie ihren Mann in seinen Zielen vollumfänglich unterstützte, durfte sie auch einigen Einfluss nehmen. So ist die Karosseriefarbe Nr. 200 „Waltz Blue“ ihre Lieblingsfarbe, die sie selber anmischen durfte. Aber man weiss auch, dass Frau Tucker Cabrios geradezu hasste. Deshalb ist es mehr als unwahrscheinlich, dass Preston Tucker ein Convertible bauen wollte. Seine Gattin hätte ihm den Segen dazu verwehrt.

Tucker 48 (1947) Chassis-Nr. 1057 in der stillgelegten Tucker-Fabrik

Weil aber noch genug Bauteile für weitere Autos übrig blieben, könnten diese zum Aufbau des ominösen Cabrios genutzt werden. Zudem gibt es neben den bekannten 52 Tucker-Fahrzeugen und den oben genannten unvollständigen Limousinen noch weitere Exemplare. So wurden für den Film von Francis Ford Coppola aus dem Jahr 1988 Dummies gebaut um die originalen Fahrzeuge zu schonen, welche am Set verwendet wurden. Auch Tucker-Fans bauten sich ein eigenes Auto, weil sie sich kein Original leisten konnten. Dies sind Replicas auf technischer Basis von US-Strassenkreuzern späterer Jahre, die aber meist unvollständig sind (z. B. ohne genaue Reproduktion des Interieurs). Daraus wurden mindestens zwei offene Versionen gebaut. Ein blaues und ein rotes Cabrio aus Fiberglas. Alle diese Fahrzeuge werden aber niemals als Originale bezeichnet.

Die Echtheit eines voll restaurierten Tucker-Cabrios ist mehr als umstritten. Der aktuelle Besitzer, Benchmark Classics, Madison, USA sagt, dass es sich bei der Basis um das verschollene Experimentalchassis Nr. 1057, also den Tucker 49 mit Panorama-Heckscheibe, handelt. Es gäbe in den Teilen überall Kennzeichnungen, die darauf hindeuteten. Beweise für diese Behauptung gibt es allerdings nicht. Benchmark hat eine eidesstattliche Erklärung des (unbekannten) Vorbesitzers. Ein gewisser Bernie sagt darin, dass er im Werk ein Fahrzeug aufschneiden musste. Auch Designer Alex Tremulis bestätigt, dass ein Auto aufgeschnitten wurde. Der Originaltext in Englisch sagt aber nichts von einem Cabrio. Vermutlich bezieht sich das Aufschneiden auf die Heckpartie von Nummer 1057 um für die Panoramascheibe Platz zu machen. Anhand von Fotos kann man denn auch sehen, dass Nummer 1057 immer noch mit festem Dach und ausgeschnittener Panoramascheibe im Werk herumstand als dieses schon geschlossen war.

Wie andere Dokumente von Benchmark-Classics aussagen, wurde der Convertible erst 1966 glaubhaft gesichtet. Undatierte Farbfotos zeigen das Auto vor der Restaurierung in zerlegtem Zustand unter einem Haufen von Teilen in einer Garage. Es ist also definitiv unwahr, dass 1057 noch noch unter Tucker zum Cabrio umgebaut worden ist.  Quintessenz: es könnte sich tatsächlich um Nummer 1057 handeln. Aber dann wurde das Auto nachträglich zwischen 1948 und 1966 zum Cabrio umgebaut. Und ist damit nur ein halbes Original und keinesfalls ein bisher unbekanntes Projekt unter Tucker.

Die oberste Autorität, der TACA (Tucker Automobiles Club of America) geht davon aus, dass es sich wohl um eine originale Basis und vielleicht um die verschollene Nummer 1057 handelt. Motor und Fahrwerk sowie die Front sind echt. Man geht aber davon aus, dass der gesamte Rest, also das Heck und die Verdeckkonstruktion, nicht von Preston Tucker initiiert worden sind. Der TACA ist übrigens sehr offen, wenn ein neuer Tucker auftaucht. Insbesondere, weil es noch vier Exemplare und die angesprochenen Restteile gibt, deren genaues Schicksal nicht oder nur teilweise bekannt ist. Allerdings scheint man im Fall des Convertible berechtigte Zweifel zu haben und verwehrt ihm die offizielle Autorisierung.

Benchmark Automobiles hat dadurch ein grosses Problem. Man möchte den Tucker als achtes Weltwunder im Bereich von 1 – 1,3 Millionen Dollar verkaufen. Ist es aber nur ein halbechter Tucker, könnte man höchstens einen Viertel davon verlangen. So geschehen bei Chassis Nr. 1046 welches mit Mercury-Technik ausgestattet ist und daher bei einer eBay-Auktion 2007 nur 207‘000 Dollar brachte.

Wer mehr wissen möchte, kann sich auf einer eigens geschaffenen Homepage über den Convertible informieren, Die offizielle Stellungnahme des TACA findet sich auf deren Internetseite. Und die gesamte Tucker-Geschichte mit dem Verbleib jedes einzelnen Autos gibt es natürlich auf Zwischengas.

 

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