Die Formel 1 hat einen neuen Helden

Daniel Reinhard
11.09.2012

Zanardi am Lausitzring im Jahr 2003

Während in der aktuellen F1 vor einer guten Woche Romain Grosjean im Lotus beim Start zum GP Belgien in der La Source, der ersten Kurve von Spa-Francorchamps, eine Massenkollision auslöste und nur eine Woche später einer der in Spa torpedierten Fahrer, Sergio Pérez für das Sauber Team mit einer sensationellen Fahrt den zweiten Platz im Autodromo di Monza holt, wird still im Hintergrund ein ehemaliger Formel-1-Fahrer zum strahlenden Helden.

Alle aktuellen Ereignisse verlieren komplett an Bedeutung, wenn man die Meldung hört oder liest: „Alex Zanardi gewinnt seine zweite Goldmedaille an den Paralympics in London 2012.“
Alex Zanardi, der Mann mit dem Willen aus Titan, ohne sichtbares Selbstmitleid und jederzeit zu einem Spass bereit, holt sich in London mit seinem Handbike zweimal Gold. Vor elf Jahren verlor der zweifache Indy-Car-Champion Alex Zanardi beim German 500 auf dem Lausitzring beide Beine. Dem Tod nur knapp von der Schippe gesprungen, setzt er sich 2003 in den für ihn umgebauten Champ-Car und fuhr die Runden, die ihm nach seinem Unfall 2001 fehlten, zu Ende.

Auf der ehemaligen Formel-1-Rennstrecke in Brands Hatch siegte Alex Zanardi im Zeitfahren für Handbikes souverän mit knapp einer Sekunde Vorsprung!

Michael Schumacher meinte zum Erfolg Zanardis: „Das ist eine sehr schöne Geschichte. Ich habe das mitverfolgt und mich sehr für ihn gefreut. Ich denke für Alex sind das die grössten sportlichen Erfolge in seiner Karriere und das trotz seiner guten Zeit als Rennfahrer.“

Lewis Hamilton fügte hinzu: “Gratulation und die besten Wünsche an meinen Freund Alex Zanardi. Er ist nicht nur einer der mutigsten, sondern auch einer der nettesten Menschen, die ich kenne. Seine Erfolge bei den Paralympics in den vergangenen Tagen waren sehr inspirierend.“

Und Niki Lauda äusserte sich: „Ich hatte Tränen der Freude in den Augen als ich von Alex`s Erfolgen gehört habe. Ich weiss genau was dieser Mann nach seinem Horror-Unfall durchmachen musste. Wir sind uns ähnlich, nur hat es ihn ungleich schwerer getroffen.”

Beat Zehnder sagte: „Eigentlich müsste jede Motorsport-Zeitschrift in ihrer Berichterstattung über den GP Italien Alex eine Doppelseite widmen.“

Die schönsten Worte aber twitterte Mario Andretti: „Was wir hier miterleben, ist einfach unglaublich. Ich könnte nicht stolzer auf Alex Zanardi sein, selbst wenn er mein Sohn wäre.“

Zanardi geht am Lausitzring im Jahr 2003 auf seinen Rennwagen zu

Der Italiener Alex Zanardi wurde am 23. Oktober 1966 in Bologna geboren. Er ab sein F1-Debüt im Jordan anlässlich des GP Spanien 1991. Seinen letzten Grand Prix fuhr er 1999 in Japan. Leider war ihm der Erfolg in der Formel, er fuhr auf Jordan, Minardi, Lotus und Williams, nicht wirklich gegönnt.

1996 wechselte er ins Chip Ganassi Team nach Amerika in die Champ-Car Serie, wo er auf Anhieb mit drei Siegen zum „Rookie of the Year“ wurde. Allen bekannt wurde er mit dem Ueberholmanöver gegen Brian Herta in der sogenannten „Corkscrew“ Kurve von Laguna Seca. In der letzten Runde des Rennens packte er den führenden Herta und gewann das Rennen mit einem dadurch als „The Pass“ bekannt gewordenen Manöver.

Zanardi steigt am Lausitzring im Jahr 2003 in den Rennwagen ein

1997 und 1998 gewann er dann den Champ-Car-Titel überlegen, noch lange bevor die Saison zu Ende war.

Alex Zanardi fährt 2003 am Lausitzring die fehlenden Runden vom damaligen Rennen

Auch als Beinamputierter fuhr er Rennen und siegte. In der WTCC fuhr er zwischen 2005 und 2009 einen für ihn umgebauten BMW. Am 29. August 2005 gewann er damit in Oschersleben zum ersten Mal nach seinem Unfall, zwei weitere Siege in Istanbul 2006 und Brünn 2008 folgten.

Am 25. November 2006, stieg Zanardi in den BMW Sauber F1 und absolvierte eine Testfahrt von 30 gezeiteten Runden auf dem Circuit von Valencia. Um ein Abrutschen durch die Fliehkräfte zu verhindern musste seine linke Prothese am Bremspedal festgebunden werden. Er meinte zum Mechaniker: „Zieh so fest zu, wie es möglich ist!“ Dieser riss mit aller Kraft am Band, worauf Zanardi laut aufschrie, ganz zum Schrecken des Mechanikers. Später verlangte er, man solle den Sitz um 2 bis 3 cm nach hinten schiebn. Dies war aber nciht möglich, worauf Zanardi meinte: „Dann sägt mir die Beine kürzer!“

Alex Zanardi with Kay Ebel und Mario Theissen

Die grosse „Standing Ovation“ bei der diesjährigen BMW Motorsport-Party wird ihm wieder, wie schon die Jahre zvor, sicher sein.

Im Namen von Zwischengas möchte ich mich vor diesem sympathischen Mann aus Italien tief verneigen, ihm herzlich gratulieren und ihm weiterhin viel Erfolg wünschen.

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