Der grosse Hans Stuck und der kleine Automobilkonstrukteur Emil Enzmann
Heute feiert Landarzt Dr. Emil Enzmann (im Bild in der Mitte zwischen Franco Sbarro und Frank Rinderknecht) seinen 90. Geburtstag, wir gratulieren recht herzlich!
Wir haben über die letzten Tage umfangreich über den bekannten Schweizer Automobilbauer Emil Enzmann und über sein populärstes Werk Enzmann 506 berichtet. Heute aber soll eine weniger bekannte und frühere Episode aus dem Leben Emil Enzmanns das Thema sein. Wir blicken zurück ins Jahr 1932 und lassen Paula Stuck berichten (nacherzählt auf der Basis eines Berichtes, der in der Zeitschrift “Sport-Illustrierte” erschien):
Wir hatten eine Reifenpanne in Schüpfheim, einige Kilometer von Luzern. Während wir die Räder wechseln, gesellt sich ein kleiner elfjähriger Bub zu uns und begann von sich aus eine Unterhaltung.
“Das ist doch der 12-Zylinder? Warum hat der bloss keinen Schnellgang? Ich persönlich halte vom Achtzylinder mehr. Neulich fuhr ich ein Modell mit Vorderradantrieb. Aber der ist unbedingt überholt ....”
Wir horchten gespannt auf und mein Mann (Hans Stuck) begann eine Konversation mit ihm.
“Ach, SIE kenne ich längst”, meinte der Kleine und guckte unter die Haube. “Es ist Zeit, dass Sie wieder mit dem Rennfahren anfangen. Wann wird denn Ihre Porsche-Kiste fertig?”
Natürlich waren wir sehr verwundert. In Schüpfheim ein elfjähriger Knabe, der wie ein Mechaniker spricht? Ein Wort ergab das andere und schliesslich lud er uns ein, seine eigenen Konstruktionen zu besichtigen.
Seinem Vater gehörte das Hotel Adler und eine grosse Garage dazu. Im breiten Esssaal hingen in einer Vitrine viele Schiesspreise, Fussballbecher und Pokale von Autorennen. Der Sohn hatte die Passionen also vom Vater geerbt - in erster Linie aber die Leidenschaft für das Auto. Und nun führte uns der kleine Emil Enzmann in sein Zimmer und zeigte stolz auf eine ganze Wand von Zeichnungen.
Die Sechzehnzylinder liefen nur so ineinander. Ja, sogar ein 32-Zylinder war darunter, den Emil aber für zu kompliziert im Gebrauch hielt. Motoren und Getriebe in V-Form, 4- und 5-Gang-Getriebe - alles, was ein Autoherz begehrte. Und mein Mann und Emil versanken in eifrigen Debatten. Hans notierte, was Emil meinte und Emil lauschte gespannt den Ansichten des Rennfahrers.
Stunde um Stunde verging, schliesslich schenkte uns Emil zum Abschied noch drei Originalkonstruktionszeichnungen. (Zwei von diesen sollten später in Fachblättern erscheinen!)
“Und wenn ich erst mal 15 Jahre alt bin, nicht wahr Herr Stuck, dann werde ich ihre rechte Hand”, bat Emil treuherzig.
“Wenn Du erst mal 15 Jahre bist, dann werde ICH Deine rechte Hand”, antwortete der grosse Hans und auch damit konnte sich Klein-Emil einverstanden erklären.
Später (1933) bedankten sich Paul und Hans Stuck mit einer Ansichtskarte, an der Klein-Emil sicher viel Freude hatte.
Unglaublich, aber wahr! Woher Klein-Emil nur all dieses Wissen hatte? Vielleicht aus der Automobil Revue, die er bis heute gerne wöchentlich liest ....


























