Die Autowelt verliert einen Magier der italienischen Karosseriebaukunst - Sergio Scaglietti

Stefan Fritschi und Daniel Reinhard
28.11.2011

Ferrari 250 GTO von 1961

Sergio Scaglietti erblickte das Licht der Welt in Mailand am 9. Januar 1920. Bereits im Alter von dreizehn Jahren verlor er seinen Vater und musste fortan die Familie miternähren. In einer Werkstatt erlernte er deshalb das Handwerk des Karosseriebauers. Weil Scaglietti diese Kunst bald in höchster Vollendung beherrschte und die Arbeitsstätte nicht weit vom Eingang von Enzo Ferraris Automanufaktur in Modena lag, wurden ihm auch beschädigte Ferrari zur Reparatur anvertraut. Die Legende sagt, dass die Autos danach besser ausgesehen hätten als vorher.

Ferrari 410 America von Scaglietti

Ferrari’s Sohn Dino brachte ihm deshalb einen 166 MM zur Überarbeitung vorbei, der zum Vorläufer vieler berühmten Renn- und Sportwagen mit dem „Cavallino Rampante“ werden sollte. Scaglietti und Ferrari waren somit seit den Anfangstagen der Scuderia eng miteinander verbunden. Die 1951 gegründete Carrozzeria Scaglietti lieferte Meisterwerke wie den Monza Spider Scaglietti und 500 Mondial von 1954 oder die 250 GT California, GTO oder Testa Rossa Ende der 50er und anfangs der 60er Jahre.

Ferrari Testa Rossa von 1959

Um den Testa Rossa kursiert der Mythos, dass die berühmte Modellbezeichung durch ein Missgeschick entstand. Während der Produktion des Prototyps ging die schwarze Farbe für die Motoren aus, und Scaglietti musste mit Enzo Ferrari Rücksprache halten, was in dieser Situation zu tun sei. Der fragte, welche andere Farbe denn noch vorhanden sei? Die Antwort war „Rot“. Der Commendatore meinte darauf: „Dann lackiert den Motor halt rot und nennt das Auto „Testa Rossa“!“

Legendärer Magier der Karosseriebaukunst

Legendär waren auch Scagliettis Fähigkeiten, nur mit seinem gut geschulten Auge und einem Hammer einen Kotflügel über einen Sandsack oder ein Stück Holz zu dengeln. Für viele Autos hatte er die Idee einfach im Kopf, und sie wurde ohne Papier und Bleistift direkt in Stahl und Eisen respektive Aluminium umgesetzt. Ein Beispiel dafür wären die Chevrolet Corvette Scaglietti , die um 1960 entstanden.

Chevrolet Corvette Scaglietti - fotografiert von Marty Goddard

Die Carrozzeria Scaglietti wurde in den 70er Jahren bei Ferrari und damit später auch in den Fiat-Konzern intergriert und baut bis heute Karosserien. Weil Sergio Scaglietti zweifellos ein wichtiger Baustein des Mythos Ferrari war, ehrte man ihn im Jahr 2004, indem der neue Ferrari 612 den Beinamen Scaglietti bekam.

Sergio Scaglietti zog sich Mitte der 80er Jahre aus dem aktiven Geschäft zurück und verstarb am 20. November 2011 in Modena im Alter von 91 Jahren.

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