Wollen Sie selbst ein Auto bauen?
Mit dem Titel "Wollen Sie selbst ein Auto bauen?" begann ein Artikel in der AR 2 von 1961 und stellte gleich ein paar der Fahrzeuge, die in Eigenhand montiert werden konnten, zusammen: GSM Delta, Rochdale Olympic, Falcon 1000 oder Cheetah (im Bild, nicht zu verwechseln mit dem amerikanischen Rennsportwagen gleichen Namens, oder dem Schweizer Rennwagen aus den 70er-Jahren).
Erwähnt werden auch noch andere Marken wie TVR, Lotus, Marcos, Ginetta oder Gilbern, also Marken, die man auch heute durchaus noch kennt.
Wagen in Selbstmontage waren in den frühen 60er-Jahre sehr “en vogue”, denn sie versprachen einen wesentlich tieferen Einstandspreis, denn in England fielen die Steuern für Bausatzfahrzeuge wesentlich tiefer aus. Aber auch in anderen Ländern wurden erfolgreich Bausätze angeboten, insbesondere in den USA machten Anbieter von Karosserien, die meist aus Polyester bestanden, von sich reden, zum Beispiel Devin oder Victress.
Man kann im Prinzip drei Arten von Bausätzen unterscheiden, die Komplettbausätze, die Fast-Komplettbausätze (typischerweise fehlte höchsten Motor und Getriebe) und die Umwandlungs-Bausätze (diese bestanden meist aus einer neuen (Polyester-) Karosserie, die man auf ein bestehendes (selbsttragendes) Chassis aufsetzen konnte. Lotus lieferte typischerweise Komplettbausätze, Devin (aus den USA) und JWF (aus Australien) eher die Umwandlungsbausätze.
(im Bild ein Devin-Bausatz, noch auf die Vervollständigung wartend)
Auch in Frankreich wurden Fahrzeuge für den Selbstbau angeboten, so zum Beispiel den Fournier Marcadier. Er war dem Lotus 23 nachempfunden und konnte mit Renault-Mechanik und -Antriebsteilen komplettiert werden. Das fertiggestellte Fahrzeug konnte auf der Strasse und auf der Rennpiste bewegt werden und tauchte im übrigen auf den Ranglisten von nationalen Rennveranstaltungen des öfteren auf.
Die AR 6 von 1966 berichtete über einen dieser Wagen, der in Burgdorf zusammengebaut wurde, und quantifizierte auch den “Materialaufwand” mit 10’000 bis 12’000 Schweizer Franken. Heute sind Marcadiers gesucht und erreichen durchaus respektable Preise.
Wie ein solcher Bausatz aussehen konnte, zeigt folgendes (leider pixeliges) Bild aus einem zeitgenössischen Erfahrungsbericht.
Und alles begann mit der Überprüfung der erhaltenen Einzelteilen, von denen es nicht wenige gab
Je nach Hersteller und Bausatz waren unterschiedlich hohe handwerkliche Fähigkeiten und Zeiteinsatz gefragt, das konnte von “ein Wochenende genügt” bis zu “Schweiss-Kenntnisse empfohlen/benötigt” gehen.
Mit dem Buggy, der Ende der 60er-Jahre Mode wurde und aus dem VW Käfer ein offenes Spassmobil machte, erlebte das Bausatz-Geschäft eine unerwartete Renaissance, aber auch heute noch können Bausätze (man nennt sie üblicherweise Kitcars) erworben werden, z.B. wenn man einen Porsche Carrera 6, einen Ford GT/40 oder andere exotische Rennwagen nachbauen möchte. Die verkehrstechnische Zulassung solcher Autos wird aber immer schwieriger und auch bei Oldtimer-Veranstaltungen werden sie eher kritisch beäugt.


























