Vor 50 Jahren: Die 12 Stunden von Sebring 1961

Balz Schreier
21.02.2011

Unterdessen sollten auch die letzten Fans des Langstrecken-Motorsports aus ihrem Winterschlaf erwacht sein, denn in gut einem Monat wird die neue Saison des "Endurance Racing" in Sebring eröffnet, wo die bekanntesten Teams weltweit zum ersten Mal im neuen Jahr ihre überarbeiteten Boliden zeigen und unter Beweis stellen: Die 12 Stunden von Sebring! 

Die 12 Stunden von Sebring, Florida, USA

Heute zählt das 12 Stunden Rennen von Sebring zu den bekanntesten und aufgrund des sehr holprigen Asphalts des ehemaligen Flughafengeländes zu den härtesten Langstreckenrennen überhaupt: Teams, welche im selben Jahr auch in Le Mans antreten, wissen genau: wenn ihr neues Auto 12 Stunden Sebring überlebt, dann können Sie ruhigen Schlafes Le Mans entgegen blicken…

Sebring 1961

1950 fand das erste Rennen in Sebring statt, wir werfen aber einen Blick ins Jahr 1961: was passierte in Sebring vor genau 50 Jahren?

Die Fahrzeuge

74 Fahrzeuge waren ursprünglich angemeldet, 65 davon gingen tatsächlich an den Start, 40 kamen im Ziel an und 37 davon wurden als gültig klassifiziert. Marken wie Ferrari, Porsche, Maserati, Chevrolet und Alfa Romeo dominierten das Feld. 

Den Hauptkampf um den Gesamtsieg erwartete man vor allem zwischen Ferrari und Porsche: Der Porsche 718 RS erlangte 1960 einen Doppelsieg (mit Hans Herrmann im Siegerwagen) während Ferrari mit dem 250 TR (Testa Rossa, "Rotkopf") auf Platz 3 landete.

1961 war Ferrari mit 3 Jahrgängen des TRs am Start (TR/59, TRI/60 und TRI/61) und erzielte eine perfekte Revange, indem Porsche auf den 4. Platz verdrängt werden konnte und Plätze 1 bis 3 an Ferrari gingen. Hans Herrmann, wieder in einem Porsche 718 RS am Start, musste aufgrund eines Motorschadens frühzeitig die Duelle verlassen.

Siegerfahrzeug mit Startnummer 14: Ferrari 250 TRI/61 (Fotograf: Dave Nicholas)

 

Weitere interessante Fahrzeuge im Starterfeld waren:

  • Maserati Tipo 63 mit Stirling Moss (siehe Bild weiter unten)
  • Chevrolet Corvette C1
  • Alfa Romeo Giulietta Spider Zagato
  • Elva Courier (siehe Zwischengas-Bericht "Die Geschichte des Elva Courier")
  • Lola Mk.1 von Charles Vögele (Details weiter unten)
  • Osca S750
  • Austin Healey Sebring Sprite
  • ... und weitere Modelle (siehe Liste am Ende dieses Berichts)

 

Links: Stirling Moss im Maserati Tipo 63 Chassis #63006
Rechts: Porsche 718 RS 61 (Chassis #066) und Ferrari 246 S Dino (Chassis #0784S)
(Fotograf: Dave Nicholas)


Charles Vögele in Sebring

1960

Bevor wir unseren Blick auf 1961 werfen, soll diese kleine Anekdote noch kurz erzählt sein: 1960 war der Schweizer Unternehmer und Rennfahrer Charles Vögele (CH) zusammen mit Co-Pilot Peter Ashdown (GB) beim 12 Stunden Klassiker Sebring angemeldet und holten den Klassensieg! Wie Charles Vögele in einem Interview (siehe AR Nr.10 aus 1961, Seite 11) erklärte, war die Hinreise nicht ganz unkompliziert und sein Team verpasste beinahe die Erscheinungspflicht vor Ort: 

"... Aber auch in Sebring schien sich anfangs alles gegen mich verschwört zu haben. Zunächst fand unser Lufttaxi, welches uns von Miami nach Sebring bringen sollte, den vorgesehenen Landeplatz nicht, und unser Pilot flog ganze 1,5  Stunden über das Ziel hinaus, bis man uns durch Funk fand und nach Miami  zurückbeorderte, unser Benzinvorrat war aber bereits derart knapp, dass an einen Rückflug nicht mehr zu denken war. Mit dem allerletzten Tropfen erreichten wir gerade noch Sebring. Keine Minute kam ich zu spät, um gerade noch das obligatorische Nachttraining zu absolvieren, andernfalls man mich überhaupt nicht zum Start zugelassen hätte."

Die Mühe hatte sich aber offenbar gelohnt! Charles Vögele holte den Klassensieg zusammen mit Peter Ashdown (GB) in einem Lola Mk.1 BR6:

Lola Mk.1 BR6 1960 von Charles Vögele mit Startnummer 58: Klassensieg bei den 12 Stunden von Sebring

Lola Mk.1 BR6 1960 von Charles Vögele mit Startnummer 58:
Klassensieg bei den 12 Stunden von Sebring 1960 (Fotograf: Dave Nicholas)

 

29 Runden nach dem Gesamtsieger erreichten sie das Ziel! Die Automobil-Revue traf die Schweizer Rennlegende am Flughafen Kloten, wo sein treuer Mechaniker Robert Schittli stolz den Pokal zeigte:

Charles Vögele (links) und sein treuer Mechaniker Robert Schittli zeigen stolz den Pokal ihres Klassensieges von Sebring 1960

1961

Soviel Glück schien Charles Vögele 1961 nicht mehr zu haben. In der Resultatstabelle des 12 Stunden Rennens von Sebring 1961 steht lediglich, dass er mit seinem Lola Mk.1 Climax BR7 hätte antreten sollen und wird in der Kategorie "did not arrive" erwähnt (nicht rechtzeitig vor Ort erschienen). Falls Sie, lieber Zwischengas-Leser, wissen, was genau die Gründe waren und was hier genau geschah, würden wir uns sehr über Ihre Meldung freuen, die Sie via Kontaktformular schicken können. 

Weitere Artikel über Charles Vögele im Zwischengas-Archiv:

 

Original Scan der Startliste 1961

Starterliste des 12 Stunden Rennens in Sebring 1961

12 Stunden von Sebring 2011 'live'

Wer im März nicht in Florida ist, kann sich das Datum trotzdem schon mal merken:
Samstag 19. März 2011, live im Fernsehen ab ca. 15:00 CET (ESPN3, ABC, eventuell auf MotorsTV).

Zum ersten Mal treffen dann die neuen Boliden von Audi (R18) und Peugeot (908) aufeinander. Ebenfalls wird man zum ersten Mal den Nachfolger des berühmten Ferrari F430 GT erleben können: den Ferrari F458 GT2 !


 

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