Wollen Sie selbst ein Auto bauen?

Bruno von Rotz
02.02.2011

Mit dem Titel "Wollen Sie selbst ein Auto bauen?" begann ein Artikel in der AR 2 von 1961 und stellte gleich ein paar der Fahrzeuge, die in Eigenhand montiert werden konnten, zusammen: GSM Delta, Rochdale Olympic, Falcon 1000 oder Cheetah (im Bild, nicht zu verwechseln mit dem amerikanischen Rennsportwagen gleichen Namens, oder dem Schweizer Rennwagen aus den 70er-Jahren). 

Cheetah - englisches Selbstbauauto - im Hintergrund das Chassis

Erwähnt werden auch noch andere Marken wie TVR, Lotus, Marcos, Ginetta oder Gilbern, also Marken, die man auch heute durchaus noch kennt.
Wagen in Selbstmontage waren in den frühen 60er-Jahre sehr “en vogue”, denn sie versprachen einen wesentlich tieferen Einstandspreis, denn in England fielen die Steuern für Bausatzfahrzeuge wesentlich tiefer aus. Aber auch in anderen Ländern wurden erfolgreich Bausätze angeboten, insbesondere in den USA machten Anbieter von Karosserien, die meist aus Polyester bestanden, von sich reden, zum Beispiel Devin oder Victress.

Man kann im Prinzip drei Arten von Bausätzen unterscheiden, die Komplettbausätze, die Fast-Komplettbausätze (typischerweise fehlte höchsten Motor und Getriebe) und die Umwandlungs-Bausätze (diese bestanden meist aus einer neuen (Polyester-) Karosserie, die man auf ein bestehendes (selbsttragendes) Chassis aufsetzen konnte. Lotus lieferte typischerweise Komplettbausätze, Devin (aus den USA) und JWF (aus Australien) eher die Umwandlungsbausätze.

Devin-Karosserie auf Chassis aufgesetzt - Innenausbau noch unvollständig
(im Bild ein Devin-Bausatz, noch auf die Vervollständigung wartend)

Auch in Frankreich wurden Fahrzeuge für den Selbstbau angeboten, so zum Beispiel den Fournier Marcadier. Er war dem Lotus 23 nachempfunden und konnte mit Renault-Mechanik und -Antriebsteilen komplettiert werden. Das fertiggestellte Fahrzeug konnte auf der Strasse und auf der Rennpiste bewegt werden und tauchte im übrigen auf den Ranglisten von nationalen Rennveranstaltungen des öfteren auf.

Fournier Marcadier - Bausatz mit Rennsportambitionen aus Frankreich

Die AR 6 von 1966 berichtete über einen dieser Wagen, der in Burgdorf zusammengebaut wurde, und quantifizierte auch den “Materialaufwand” mit 10’000 bis 12’000 Schweizer Franken. Heute sind Marcadiers gesucht und erreichen durchaus respektable Preise.

Wie ein solcher Bausatz aussehen konnte, zeigt folgendes (leider pixeliges) Bild aus einem zeitgenössischen Erfahrungsbericht.

TVR Grantura von 1960 zum Selberbauen - was man alles brauchte

Und alles begann mit der Überprüfung der erhaltenen Einzelteilen, von denen es nicht wenige gab

TVR Grantura - Ausschnitt aus der mitgelieferten Materialliste

Je nach Hersteller und Bausatz waren unterschiedlich hohe handwerkliche Fähigkeiten und Zeiteinsatz gefragt, das konnte von “ein Wochenende genügt” bis zu “Schweiss-Kenntnisse empfohlen/benötigt” gehen.

Mit dem Buggy, der Ende der 60er-Jahre Mode wurde und aus dem VW Käfer ein offenes Spassmobil machte, erlebte das Bausatz-Geschäft eine unerwartete Renaissance, aber auch heute noch können Bausätze (man nennt sie üblicherweise Kitcars) erworben werden, z.B. wenn man einen Porsche Carrera 6, einen Ford GT/40 oder andere exotische Rennwagen nachbauen möchte. Die verkehrstechnische Zulassung solcher Autos wird aber immer schwieriger und auch bei Oldtimer-Veranstaltungen werden sie eher kritisch beäugt.

Archivierte Einträge:

Keine Kommentare
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.

Weitere Blog-Einträge:

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 150'000 Besucher pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...

Jetzt kostenlos anmelden und profitieren: mehr lesen und mehr sehen!

Wenn Sie sich mit Ihrem persönlichen Passwort anmelden oder neu registrieren, haben Sie mehr von Zwischengas! Vorteile: weniger Werbung und
andere.
Die Anmeldung ist kostenlos.