Die graue Göttin

Paul Krüger
07.08.2022

Citroën DS 21 Cabriolet (1967) von oben

Endlich kann ich einmal einen Blogbeitrag meines Chefs aufgreifen und ein wenig von meinem Senf hinzugeben. Denn so bunt wie in Ingolstadt ging es früher längst nicht überall zu. Den Citroën DS zum Beispiel gab es im Laufe seiner Produktionszeit in 17 verschiedenen Grautönen. Von 1957 bis 1971 kam jedes Jahr mindestens ein neues Grau hinzu oder ersetzte einen vorherigen Farbton. Mal rutschten sie eher ins Blau ("Gris Ardoise"), mal eher ins Beige ("Gris Sable"). Aber offiziell waren sie alle farblos.

Bisweilen trugen sie sogar recht ungewöhnliche Namen. Wie etwa 1966 das "Gris Ciel Lourd", das Grau eines verhangenen Himmels, oder das sommerliche "Gris d'Été" im Jahr zuvor. Obwohl der Sommer gemeinhin die Jahreszeit ist, die man am wenigsten mit tristem Grau assoziieren würde. Nicht weniger kreativ ist das nur 1970 angebotene "Gris Brumaire", dessen Name sich nur etwas holperig übersetzen lässt. Der sogenannte Nebelmonat ist der zweite im republikanischen Kalender der französischen Revolution und erstreckt sich von Ende Oktober bis Ende November.

Citroën DS 21 Cabriolet (1967) in "Gris Palladium"

Das wohl dunkelste Jahr der Göttin war 1960, als mit "Gris Rosé", "Gris Mouette", "Gris Palombe" und "Gris Typhon" vier Grautöne und obendrein klassisches Schwarz im Angebot waren. Am längsten hielt sich "Gris Anthracite" im Programm, das von 1961 bis 1965 auf die Karosserien gespritzt wurde. Seine Laufzeit wurde nur vom 1969 eingeführten "Gris Nacré" übertroffen, das bis zum Produktionsstopp 1975 im Programm blieb, aber mehr ein perlmuttiges Silbermetallic war.

Ab 1972 – dem Jahr, in dem der Audi 80 vorgestellt wurde – war dann "Gris Nacré" bis zum Schluss das einzige Grau im Citroën-Sortiment. Daneben fanden sich vermehrt Knallfarben wie "Bleu Lagune" und "Rouge de Rio". Vielleicht hat mein Chef doch nicht so unrecht.

Zwei Citroën DS in Rot und Grau

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