Schon vor 50 Jahren selbstfahrende Autos
In den in die Zukunft blickenden Zeitschriften wie ‘hobby’ oder “Popular Mechanics” wurden schon in den Fünfzigerjahren selbstfahrende Autos beschrieben, aber auch die seriöse Forschung nahm sich des Themas schon früh und mit einiger Akribie des Themas an.
So berichtete K. Behrendt in der ersten Automobil Revue Ausgabe des Jahres 1967 vom Stand der Forschung:
“In der Ohio State-Universität in Columbus (Ohio) arbeiten Ingenieure unter Leitung von Dr. Robert L.Cosgriff an der Konstruktion eines «fahrerlosen Autos» Es handelt sich dabei um ein ferngesteuertes Automobil, in welchem sämtliche Steuerfunktionen von einem elektronischen System übernommen werden, das auf entsprechende elektromagnetische Signale reagiert. Zwei Empfangsspulen am Auto leiten die Signale an einen kleinen Analog-Computer weiter, der augenblicklich Abweichungen vom Kurs und von der vorgesehenen Geschwindigkeit festhält und korrigiert.
Steuerknüppel als Brems- und Gaspedal
Im «Fahrerlosen Auto» braucht der Fahrer nichts zu tun, sein Automobil fahrt eine Strasse entlang, wendet, wird abgebremst oder beschleunigt, ohne dass es dazu eines Fahrers bedürfte. Sicherheitshalber fährt im Testwagen der Ohio State-Universität noch ein Fahrer mit, dem für den Notfall ein Bremspedal zur Verfügung steht. Ausserdem ist an der Lenkstange (in Form eines Steuerknüppels) ein Knopf vorhanden, mit dem man von «automatisch» auf «Handbetrieb» umschalten kann. Die Lenkstange erinnert an das Unicontrol-System der General Motors, ein eigentliches Lenkrad gibt es nicht. Zum Verzögern bzw. Abbremsen wird der als Gaspedal dienende Steuerknüppel nach hinten gezogen.
Die mit dem Steuerknüppel bisher noch auftretenden Mängel können nach Ansicht des Forscherteams ohne viel Mühe beseitigt werden. Leicht bewerkstelligen lassen soll sich ebenfalls die elektronische Lenkung. Dazu sind unter dem obersten Strassenbelag zwei stromführende Kabel erforderlich, während am «fahrerlosen Auto» vorn in der Mitte und auf der Unterseite des Fahrzeugs auf einer der beiden Seiten je eine Induktionsschleife angebracht werden muss. «Detektoren» sollen anzeigen, wenn die vordere Schleife zu weit von den beiden seitlichen Kabeln entfernt ist, das heisst der Wagen nach einer Seite «auszubrechen» tendiert oder die Seiten- schleife nicht den richtigen Winkel zur Fahrbahnachse aufweist. Ist dies der Fall, so bewirken Signale der Detektoren, dass mit Hilfe eines kleinen Analogrechners die erforderlichen Lenkkorrekturen vorgenommen werden.
Grössere Probleme bietet zur Zeit noch die «Longitudinalsteuerung», welche für den richtigen Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug sorgt. Dazu sind in der Strasse wiederum Detektoren vorgesehen. Passiert ein Auto einen solchen «Fühler», so signalisiert er dies dem nächsten Detektor, der wiederum dem nächstfolgenden Auto ein Signal übermittelt. Auf diese Weise kann der Computer im zweiten Auto errechnen, wie schnell der «Vordermann» fährt und wie weit er entfernt ist. Die an den Steuerknüppel abgegebenen Signale des Computers haben zur Folge, dass der Wagen seine Geschwindigkeit je nach den Umständen beibehält oder dass er beschleunigt oder abgebremst wird.
«Fahrerloses Autofahren» soll, nach Dr. Cosgriff, in etwa 15 Jahren auf einer Reihe entsprechend modifizierter Autostrassen möglich sein. Die elektronischen Geräte im Auto selbst dürften nur wenige hundert Dollar kosten, das Signalsystem im Pflaster wird die Strassenbaukosten um etwa 10 % erhöhen. Fahrerlose Autos, die mit 100 km/h fahren, sollen ab 1969 im «Transportation Research Center» der Universität getestet werden.”
Und die Amerikaner waren nicht die einzigen, die an einem derartigen System arbeiteten. Auch in Grossbritannien drehte eine Citroën DS ihre Runden autonom auf einem Testgelände, ähnlichen technischen Konzepten folgend (siehe Bilder oben und unten).
Allerdings setzte sich weder der technische Ansatz noch das selbstfahrende Automobil vor 50 Jahren durch. Die Ansprüche der heutigen Entwickler sind ungleich höher, soll die Steuerung im modernen autonom fahrenden Wagen doch ohne weitere Hilfe von aussen den menschlichen Piloten ersetzen …

































