Was das Ende der Panoramafreiheit für den Oldtimerfahrer bedeuten könnte ...

Bruno von Rotz
28.06.2015

Triumph Italia vor vielleicht geschützter Architektur

Oldtimer sind beliebte Fotomotive. Vielleicht haben Sie schon einmal Ihr eigenes (oder ein fremdes altes) Auto vor dem Berliner Reichstag, vor dem Riesenrad im Prater in Wien oder vor dem Centre Pompidou fotografiert? Oder vor einem anderen illustren oder ganz einfach fotogenen Gebäude im Hintergrund? Kein Problem, dies konnten Sie in der Vergangenheit ungestraft tun, denn die sogenannte “Panoramafreiheit” erlaubte das Aufnehmen von eigentlich urheberrechtlich geschützten Bauwerken, ohne dass eine zusätzliche Lizenzvereinbarung zwischen Fotograf und Architekt (oder dessen Erben) nötig war (umfassende Erklärungen sind auf Wikipedia zu finden).

Ja klar, sagen Sie, das ist doch selbstverständlich, das Gegenteil wäre ja geradezu irrational und unrealistisch. Nun, die EU wird möglicherweise am 9. Juli 2015 das Ende dieser Panoramafreiheit beschliessen. In der anstehenden Urheberrechtsreform sollen die unterschiedlichen Auslegungen der Panoramafreiheit der Länder der EU angeglichen werden. Allerdings wird dabei nicht die freiheitliche Auslegung, wie sie etwa Deutschland, Österreich, die Niederlande, Spanien, Portugal, Grossbritannien, Norwegen oder die Schweiz (als nicht-EU-Land) kennen, als Massstab genommen, sondern eine sehr restriktive Variante, wie sie in Frankreich oder Italien heute die Norm ist. Gemäss der neuen für die EU-Länder gültigen Bestimmung (Änderungsantrag 421) wäre die gewerbliche Nutzung von Fotografien, Videomaterial oder anderen Abbildungen von Werken, die dauerhaft an physischen öffentlichen Orten platziert sind, immer an die vorherige Einwilligung der Urheber oder sonstigen Bevollmächtigten geknüpft.

Und wer jetzt denkt, dass ja kaum ein Urlaubsfoto gewerblich genutzt würde, sollte nun darüber nachdenken, dass die meisten sozialen Netzwerke wie Instagram oder Facebook selbstverständlich kommerzielle Projekte sind und die Fotografen, respektive publizierende Parteien gemäss der neuen Bestimmung abmahnungsfähig wären. Für den Journalismus (ob gedruckt oder online), für Veranstalter von Oldtimerveranstaltungen oder für uns als Zwischengas-Macher würde die neue Bestimmung viele Unannehmlichkeiten verursachen und es ist durchaus zu befürchten, dass üble Abmahnungsschlachten ihren Anfang nehmen könnten.

Noch können wir hoffen, dass das Europaparlament ein Einsehen hat und die Panoramafreiheit offener auslegt

Das Thema ist ernster, als man denken könnte. Es gibt sogar Websites “Pro Panoramafreiheit”, zum Beispiel hier. Und eine Online-Petition dazu.

Archivierte Einträge:

von rolfsroyce
29.06.2015
Antworten
Ein Kontinent reguliert sich bis zur Unkenntlichkeit, Blödsinn in Reinkultur von Politikern die sich von den Bürgern entfernt haben.
von pa******
30.06.2015 (08:39)
Antworten
Das Traurige ist, dass es nicht die Politiker sind, welche in der EU die Gesetze ausdenken, sondern ein Heer von Bürokraten. Also Sesselfurzer, Parasiten und inkompetente Beamte die nie vom Volk gewählt wurde (oder wohl jemals würden). Die normierte EU-Gurke lässt grüssen...
Antwort von hg******
04.07.2015 (18:17)
Bravo bin ganz deiner Meinung !!
von ma******
01.07.2015 (11:01)
Antworten
EU=Auslaufmodell:
Es wird Zeit, dass die EU wie sie heute existiert und sich nicht mehr finanzieren kann, endlich untergeht! Erweckt die EFTA zu neuem Leben. Die soll das Notwendige zwischen den Staaten regeln und die übertrittswilligen EU-Länder aufnehmen und zu neuer Blüte führen. Die EU ist zu einem bald untergehenden Selbstläufer geworden. Meine Idee hat den grossen Vorteil, dass die Schweiz bereits bei der EFTA dabei ist und mitgestalten kann. Den Euro kann man in allen Ländern als Zweitwährung stehen lassen.
Martin Frey frey.m@bluewin.ch
von Chefredaktor
13.07.2015 (07:13)
Antworten
Am 9. Juli 2015 wurde im europäischen Parlament beschlossen, die Panoramafreiheit NICHT zu beschränken. Online-Peditionen und viele Emails besorgter Menschen an die EU-Parlamentarier hatten das Parlament zum Umdenken bewegt. Selbst der Parlamentarer, der den umstrittenen Vorstoss eingebracht hatte, schwenkte um. Danke!
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.

Weitere Blog-Einträge:

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 150'000 Besucher pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...

Jetzt kostenlos anmelden und profitieren: mehr lesen und mehr sehen!

Wenn Sie sich mit Ihrem persönlichen Passwort anmelden oder neu registrieren, haben Sie mehr von Zwischengas! Vorteile: weniger Werbung und
andere.
Die Anmeldung ist kostenlos.