Wird die Raubkatze unterschätzt oder gar ignoriert?
Würden in der Welt des Klassikerhandels nur die Vernunft und die Gesetze von Zahlen oder messbaren Kriterien gelten, dann wäre manches alte Auto teurer oder günstiger. Ein gutes Beispiel dafür, dass es eben nicht so ist, stellt der Jaguar XJ 220 dar. Er war sozusagen Jaguars Antwort auf den Ferrari F40 und den Porsche 959. Entwickelt wurde er ursprünglich auf der Basis des Jaguar XJR-9, immerhin ein Le-Mans-Sieger.
Doch die Zeiten waren schwierig, und trotz grossem Interesse zog sich die Fertigentwicklung des Supersportwagens dahin. Statt des Le-Mans-Zwölfzylinders musste schliesslich ein V6-Biturbo-Motor, dem es nicht an Leistung, wohl aber an Fahrbarkeit mangelte, den mit einem siebenstelligen Preisschild ausgeschriebenen Wagen antreiben. Dies und die Tatsache, dass die Serienfertigung deutlich später begann, als angekündigt, schreckte viele Käufer ab, so dass zwischen 1992 und 1994 nur 275 Exemplare gefertigt werden konnten.
Schnell war er, atemberaubend sah er aus, so viel schlechter als ein McLaren F1 war er nicht, warum also wechseln die McLaren wie neulich beim zweimalig verunfallten und wiederaufgebauten Auto Ronan Atkinsons für acht Millionen Pfund die Hände, während der fast neuwertige Jaguar den Bietern der Dolder Classics Versteigerung in Zürich gestern gerade einmal ein Höchstgebot von CHF 325’000 entlockte? Auch Porsche 959 und Ferrari F40 sind mindestens doppelt bis dreimal so teuer.
Aber eben, würden Autokäufer rein logisch handeln, gäbe es vermutlich überhaupt keine Preisexzesse im Klassikerhandel ...

































