192 Porsche 356 am «Ende der Erde»

Laurent Missbauer
03.06.2014

Die Porsche 356 vor dem Mosteiro dos Jeronimos in Lissabon (© Laurent Missbauer)

1976 Fand im deutschen Lüneburg das erste internationale Porsche-356-Meeting statt. Die Zusammenkünfte mit nicht selten mehr als 200 Fahrzeugen und Teilnehmern aus der ganzen Welt werden jeweils am Auffahrts-Wochenende in wechselnden europäischen Ländern abgehalten. So waren die 356-er dreimal in der Schweiz zu Gast, in Interlaken 1989, in Bern 1999 und in Montreux 2009.

Porsche 356 aus der Schweiz (© Laurent Missbauer)

In diesem Jahr, vom 29. Mai bis zum 1. Juni 2014, wurden die 356-Besitzer erstmals nach Portugal zum 39. internationalen Porsche 356 Treffen eingeladen. Der Gastgeber und Veranstalter, der «Porsche 356 Clube Portugal», organisierte das Treffen in Estoril. Dies war eine ausgezeichnete Wahl. Seit dem frühen 20. Jahrhundert ist ja die pittoreske Küste im Umland von Estoril eine der Attraktionen des portugiesischen Fremdenverkehrs. Da nahmen die 356-er-Besitzer auch längere Anfahrtswege in Kauf.

Clive Wintersteins Porsche 356 aus Südafrik (© Laurent Missbauer)

So kamen über 380 Gäste aus vielen Ländern Europas (Andorra, Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Schweden, Schweiz und Spanien) nach Portugal und auch Gäste aus Übersetz, z.B. aus den USA (Florida, Kalifornien, Missouri…), Kanada, Australien und Südafrika brachten ihre Fahrzeuge nach Estoril.

Der Südafrikaner Clive Winterstein liess zum Beispiel sein Porsche 356 Cabriolet  von Johannesburg extra für das portugiesische Meeting nach Bilbao transportieren. Etwa 190 Porsche 356 der Baujahre 1951 bis 1964 waren somit bei der diesjährigen Veranstaltung zugegen, darunter 31 aus Deutschland und 11 aus der Schweiz.

John Walkers Porsche 356 A Coupé 1957 aus Australia (© Laurent Missbauer)

Für die Organisatoren war es kein leichtes Unterfangen die Koordination so vieler Gäste und Fahrzeuge zu bewerkstelligen. Die beiden ausgewählten Hotels – das James Bonds Hotel Palacio und das Hotel Inglaterra – lagen direkt beieinander und ein grosser, ständig überwachter Garten stand ebenfalls zur Verfügung.

Die Kombination aus perfekter Organisation und gebotener Infrastruktur war ein Garant für eine rundum gelungene Veranstaltung. Zudem bietet die Umgebung Estorils hinreisende Strassen und tolle Landschaften, die an drei Tagen zu wundervollen Ausfahrten einluden.

Die Küste von Portugal (© Laurent Missbauer)

Die Touren waren akribisch vorbereitet und boten abwechslungsreiche Strecken, die neben hinreisenden Aussichten auch eine sportlichere Gangart erlaubten. Zwischenstopps wurden zum Beispiel in Belem, in Sintra und in Cabo da Roca eingelegt. Cabo da Roca ist der westlichste Punkt des Festlands des europäischen Kontinents.  Der portugiesische Nationaldichter Luis de Camoes hat den Ort mit folgenden Worten beschrieben: «Hier… wo die Erde endet und das Meer beginnt. (Aqui... onde a terra se acaba e o mar começa.)»

Porsche 356 am "Ende der Welt" (© Laurent Missbauer)

Das lokale Fremdenverkehrsbüro erteilte jeden Porsche 356-Fahrer eine kunstvoll gestaltete Urkunde. Auf meiner Urkunde konnte man die folgenden Zeilen lesen kann: «Es wird hiermit bescheinigt, dass Laurent Missbauer am Cabo da Roca war, dem westlichsten Punkt Kontinentaleuropas, wo das Land endet und das Meer beginnt, und wo Glaube und Unternehmungsgeist die portugiesischen Karawellen zur Entdeckung neuer Welten für die Welt führten.»

Aus der neuen Welt besuchte der australischer Schauspieler George Lazenby, bekannt durch seine Rolle als James Bond im Film «Im Geheimdienst ihrer Majestät» von 1969, Cabo da Roca. Der Nachfolger von Sean Connery drehte ja nicht sehr weit von Cabo da Roca, in der letzten Aprilwoche des Jahres 1969, die Eingangssequenz zum sechsten James Bond.

Der Schwede Eric Douglas, Porsche 356 1952, in der Nähe vom James Bonds Strand Praia do Guincho (© Laurent Missbauer)

Der Strand, Praia do Guincho, Drehort dieser Eingangssequenz, liegt an der Strasse zwischen Cascais und Sintra. Im Film “Im Geheimdienst ihrer Majestät” fährt James Bond mit seinem Aston Martin DBS auf dieser Landstrasse und wird von einem Wagen rasant überholt. Bond verfolgt dieses Auto und entdeckt das leere Fahrzeug an einem Strand. James Bond kann die Fahrerin gerade noch daran hindern, sich im Meer zu ertränken, und stellt sich danach auf die ihm typische Art vor: «Mein Name ist Bond, James Bond»…

Ein 356 C aus der Schweiz mit dem James Bonds Palacio Hotel im Hintergrund (© Laurent Missbauer)

Portgaul bot viele Drehlokationen für den sechsten James Bond Film, u.a. das Palacio Hotel mit Bonds Hochzeit und das Casino Estoril wo die Contessa Teresa di Vincenzo gegen James Bond beim Kartenspiel verliert und wo dann auch der Galaabend des Porsche-356-Treffens stattfand.

Porsche 356 vor dem Casino Estoril (© Laurent Missbauer)

Archivierte Einträge:

von be******
13.08.2014 (01:46)
Antworten
Wirklich ein super Bericht mit hohem Niveau und gutem Einfühlsvermögen, da sehr lebendig geschrieben.
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