Was ist eigentlich ein Leyland P76?

Bruno von Rotz
03.07.2013

Leyland P76 von 1973 bei der Rallye Peking-Paris im Jahr 2013 auf der Tremola am Gotthard

Zwei Australier haben die 2013-er Ausgabe der Rallye Peking-Paris nach über 12’000 sicherlich anstrengenden Kilometern gewonnen, auf einem Leyland P76. Gerry Crown meinte bei der Siegerehrung, dass der P76 das beste Rallye-Auto sei, das er je gefahren habe. Und an seiner Erfahrung sollte man nicht zweifeln, denn er ist 81 Jahre alt und hat die Peking-Paris bereits zuvor einmal gewonnen.

Kaum jemand in unseren Breitengraden kennt den Leyland P76 der zwischen 1973 und 1976 gerade einmal 18’007 Mal gebaut wurde. Er war das erste und letzte Leyland-Fahrzeug, das individuell für den australischen Markt konzipiert und hergestellt wurde. Entsprechend den Zielen war er geräumig und offerierte einen riesigen Kofferraum. Das Design war wohl ein Kompromiss zwischen Vorgaben, lokalen Ideen und der Hand Michelottis, der ab 1968 in das Projekt 76 involviert wurde. Technisch mussten natürlich möglichst viele Teile von anderen Leyland-Produkten übernommen werden, der Rover SD1 stand mit Motor (allerdings auf 4,4 Liter vergrössert) und Aufhängungskomponenten Pate. Das Budget war knapp und so war nicht einmal genug Geld für einen kreativen Namen vorhanden, daher wurde die Projektbezeichnung übernommen.

Leyland P76 Pressefoto

“Anything but average”, also “sicherlich nicht durchschnittlich” wurde als Slogan für die Werbekampagne verwendet und tatsächlich verfügte der Wagen über fortschrittliche Charakteristiken wie Zahnstangenlenkung, eingeklebte Windschutzscheibe, McPherson-Vorderradaufhängungen und versteckte Scheibenwischer. Die Karosserie bestand aus kaum mehr Einzelteilen als die des Minis, was den Wagen stark im Nehmen machte. Tatsächlich war dieser Wurf also durchaus konkurrenzfähig, aber wegen der finanziellen Probleme der Leyland-Australien-Tochter wurde er nie ganz zu Ende entwickelt.

Im Markt konnte sich der Wagen weniger gut durchsetzen als erwartet, trotz guten Kritiken und eines durchaus freundlichen Empfangs durch die Australier. Pläne, das Auto auch in Europa zu verkaufen, wurden nicht umgesetzt.

Immerhin kam der P76 zu Rallye-Ehren, denn im Jahr 1974 konnte der Leyland die Targa-Florio-Teilstrecke der World Cup Rallye gewinnen und sich insgesamt auf dem 13. Gesamtplatz bestätigen, was sofort mit einer Sonderausführung “Targa Florio” gefeiert wurde.

Ein umfangreicher Bericht zur Rallye Peking-Paris 2013 ist am Entstehen und folgt schon bald.

Archivierte Einträge:

von ju******
23.07.2013 (07:56)
Antworten
was diesem wagen am meisten zusetzte war die damalige oelkriese- nichts andere.....
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