Franquins Gaston Lagaffe fährt Fiat 509

Stefan Fritschi
06.07.2012

Lagaffe im Fiat 509

Der belgische Comic-Zeichner André Franquin (geboren am 3. Januar 1924, gestorben am 5. Januar 1997) hatte eine Schwäche für Autos. Deshalb kann man in seinen Geschichten immer wieder Marke und Typ der Fahrzeuge eindeutig erkennen kann. Meist handelt es sich um französische Modelle der 60er und 70er Jahre.

Einer seiner Hauptfiguren, der knollennasige Chaot und verkanntes Genie Gaston Lagaffe aus der gleichnamigen Comic-Serie, ist Angestellter beim Carlsen-Verlag, der auch im richtigen Leben die Gaston-Geschichten für den deutschsprachigen Raum herausgibt. Gaston gab es seit Februar 1957 bis zum Tod von Franquin in verschiedenen Publikationen – unter anderem auch in den Fix und Foxi-Heften. In den deutschen Ausgaben war er zeitweise auch als Jo-Jo bekannt

Gaston fährt keinen Franzosen, sondern einen Fiat 509 aus den 20er Jahren. Das heisst, meistens fährt er nicht, sondern steht im absoluten Halteverbot - was ihm eine „innige“ Freundschaft mit Polizist Knüsel beschert. Dazu kommt, dass Gaston die Verkehrsregeln sehr frei interpretiert.

Fiat 509 Modell Torpedo von 1926

Da er sich kein Autoradio leisten kann, spielt er schon mal Gitarre und lenkt mit den Knien, was zu einem dem Rhythmus der Gitarre angepassten Freifahrstil ausartet, vor dem sich andere Verkehrsteilnehmer nur durch halsbrecherische Ausweichmanöver entziehen können. Die schwarz-gelbe Lackierung mit den Chequered-Flag-Streifen suggerieren, dass es sich hier um ein Taxi handelt. Aber jedes Mal, wenn Gaston einen Passagier mitnimmt, läuft garantiert etwas schief, und jeder schwört, nie mehr bei ihm mitzufahren – um es bei nächster Gelegenheit dann doch wieder zu tun und so eine neue Episode zu liefern.

Der Fiat 509 transportiert eh meistens neben seinem Besitzer nur dessen selbstgebautes Instrument, das Gastophon. Eine steinzeitlich anmutende Harfe, die nur sehr weg von bewohntem Gebiet gespielt werden sollte, weil sie ansonsten Scheiben zu Bruch gehen die Zuhörer in den Wahnsinn getrieben werden.

Doch Gaston setzt seine Prioritäten sowieso anders und versteht die ganze Aufregung nicht. Beispielsweise wohnt in einem seiner Aktenordner eine Mäusefamilie, die sich an den Dokumenten gütlich tun darf. Meistens handelt es sich – als Running Gag der ganzen Serie -  um wichtige Verträge, deren Unterzeichnung durch Geschäftspartner Bruchmüller immer im letzten Moment wegen Gaston verhindert wird.

Gastons Versuche, die Welt zu verbessern, enden immer in der Katastrophe – für die anderen. Der frankofone Belgier Franquin tat deshalb gut daran, seinen liebenswerten Anarchisten nicht ein französisches Auto fahren zu lassen…

Den Fiat 509 haben wir übrigens in einem ausführlichen Artikel beschrieben.

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