Fiat 509 - Grosserfolg in den Zwanzigerjahren dank Ratenzahlung

Erstellt am 9. Mai 2012
, Leselänge 4min
Text:
Stefan Fritschi
Fotos:
Daniel Reinhard 
8
Bruno von Rotz 
6
Archiv 
9

Vor dem zweiten Weltkrieg brachte Fiat ab 1919 eine ganze Reihe von Fahrzeugen heraus, die ab der Nummer 501 mehr oder weniger fortlaufend bis 527 durchnummeriert wurden. Allerdings gaben die Zahlen keine Auskunft über Motorisierung oder Wagenklasse. Erst der 508 bekam den griffigen Zunamen Ballila (Täubchen) oder der 500er wurde später das Mäuschen alias Topolino.

Der Fiat 509 war ein Wagen der unteren Mittelklasse, er wird allerdings auch als der erste Kleinwagen von Fiat bezeichnet. Präsentiert wurde er 1925 anlässlich des Turiner Automobilsalons. Am Anfang standen drei verschiedene Karosserievarianten zur Disposition:

  • Sportive
  • Taxi
  • Commerciale

Mit Variantenvielfalt und Ratenzahlung zum Erfolg

Die Preise lagen zwischen 16’000 und 25’000 Lire. Man konnte bei Fiat in der Sonderausstattungsliste auch gleich eine Versicherung finden. Und den 509 konnte man auch mittels Ratenzahlung über die Finanzierungsgesellschaft SAVA abstottern – damals eine Novität.

Das Gesamtpaket kam offensichtlich beim Publikum sehr gut an. Über die gesamte Laufzeit von vier Jahren wurden über 90‘000 Stück gebaut. Zum Erfolg trug aber auch die stetig wachsende Modellvielfalt bei.

So wies der Prospekt von 1928 beispielsweise schon sechs Karosserievarianten aus:

  • 4-plätziges Torpedo
  • 2-plätziger Spider (oder auch Spyder)
  • 2-plätziges Coupé 
  • 4-plätziges Coupé Royal 2-türig
  • 4-plätziger Innenlenker 2-türig
  • 4-plätziger Innenlenker Type Weyman 4-türig

In der Schweiz bezahlte man 1927 4’250 Franken für den Spider, 4’750 für das Cabriolet, 4’600 für das vierplätzige Torpedo und 5’200 für den Innenlnker.

Und in Deutschland betrug 1928 der Kaufpreis 3’800 Reichsmark, die Jahressteuer 114 Reichsmark.

Das Modell "Torpedo"

Eines der gerne gekauften Modelle war der Fiat 509 Torpedo. Ein deutschsprachiger Verkaufsprospekt von 1926 beschrieb dieses Modell wie folgt:
"4 Sitze. Die Vordersitze sind geteilt und jeder einzelne Sitz ist für den Zugang zu den Hintersitzen aufklappbar. Patentierte, zweiteilige Windschutzscheibe, deren oberer Teil verstellbar ist. Verdeck aus wasserdichtem Stoff mit doppeltem Auszug und rückwärtigem Guckfenster. Die Seitenteile öffnen sich mit den Türen. Verdecküberzug aus Kunstleder. 2 Türen mit Ledertaschen. Metallteile vernickelt. Kästchen am Armaturenbrett. Herausnehmbare Bodenteppiche. Reserveradträger rückwärts. Werkzeugkiste unsichtbar. Hohlraum in der Rückenlehne der rückwärtigen Sitze zur Verwahrung der Seitenteile."

Angebote von Zwischengas-Spezialisten
Alfa Romeo Giulia 1600 Sprint (1963)
Alfa Romeo 6C 2500 Tourismo 5 posti (1940)
Volvo 142 de Luxe (1971)
Alfa Romeo Giulietta Spider Veloce (1961)
+41 (0)31 / 819 61 61
Toffen, Schweiz

509-Chassis als Basis für allererstes Graber-Modell

Doch das Hauptaugenmerk lag auf dem Chassis und dessen Besonderheiten. Dieses wurde mit einem 990 cm³ grossen Monoblock-Vierzylinder-Reihenmotor angetrieben, dessen hängende Ventile im Kopf integriert waren. Gestartet wurde mit elektrischem Starter, die Zündung erfolgte über einen Hochspannungsmagneten. Die Leistung von 22 PS wurde über ein 3-Gang-Getriebe plus Rückwärtsgang über eine Kardanwelle an die Hinterräder abgegeben und war für eine Geschwindigkeit von knapp 80 km/h gut – abhängig vom Aufbau.
Der Verbrauch lag bei sieben Litern Benzin und einem Viertelliter Öl auf 100 km. Gelenkt wurde rechts wie bei vielen Italienern der Vorkriegs-Ära, gebremst wurden alle vier Räder.

Man konnte zwischen Holzspeichen- und Stahlscheibenrädern wählen. 1926 wurde der leicht weiterentwickelte 509 A vorgestellt. Der 509 S (Sport) hatte einen von 22 auf 27 PS erstarkten Motor und brachte es auf über 90 km/h. Der mit einem Bootsheck ausgestattete Spider hiess 509 SM (Spinto Monza), lieferte bei gleichem Hubraum 35 PS und lief 105 km/h. Es soll 1926 auch eine Kompressor-Version namens SC existiert haben. Der Fiat 509 bot somit eine mit allen zeitgenössischen Features ausgestattete Basis.

Das allererste Auto der jungen Karosseriefirma Graber in Wichtrach im Kanton Bern hatte 1927 denn auch ein Fiat 509-Fahrgestell: ein zweisitziges Cabrio!

Auch Gaston Lagaffe fährt 509

Ein berühmter “Besitzer” eines Fiat 509 war der französische Comic-Held Gaston Lagaffe von André Franquin, der auf Deutsch auch Jo-Jo hiess. Der schwarz-gelbe und mit Zielflaggen-Muster beklebte Wagen wurde öfters zum Schrecken der Nachbarschaft. Bei Höchstgeschwindigkeit konnte man immer noch am Strassenrand Blumen pflücken, und auf dem Ölfilm hinter dem Auto Wasserski-… ähm…. Ölski-Fahren.

Allerdings sind solche Episoden nicht weit hergeholt. Bei der Rallye Monte Carlo von 1928 kam der Fiat 509 des Bulgaren Jacques Bigan auf den ersten Platz obwohl Löcher in Ölwanne und Kühler unterwegs notdürftig gestopft werden mussten und ein grosser Teil der Strecke nur im Rückwärtsgang gefahren werden konnte. Solcherlei Räubergeschichten konnte allerdings niemand so richtig nachprüfen und sie gehören daher ins Reich der Legenden. Trotzdem halten sie sich hartnäckig bis heute.

Fahrgestell-Spezifikation (aus Prospekt 1926)

Das Fahrgestell des Fiat 509 wurde im Verkaufsprospekt von 1926 wie folgt beschrieben:

  • Vier Zylinder-Motor
  • Monoblock mit obengesteuerten Ventilen
  • Bohrung und Hub 57 x 97 mm
  • Zylinderinhalt 990 ccm
  • Automatischer, regulierbarer Vergaser
  • Benzinbehälter mit natürlichem Gefälle
  • Druckschmierung mit Zahnradpumpe
  • Hochspannungsmagnet
  • Vorzündungshebel auf dem Lenkrad
  • 3 Geschwindigkeiten, ein Rückwärtsgang
  • Schalthebel in der Mitte des Chassis
  • Kraftübertragung mittels Kardan
  • Trockene Einscheibenkupplung
  • Hinterachsbrücke aus gepresstem Stahlblech mit rückwärts ausbaubarem Differentialgehäuse
  • Federung mit langen Halbellipsenfedern
  • Aus Stahlblech gepresste Speichenräder für Ballonreifen 715 x 115 mm
  • Vierradbremsen
  • Elektrischer Anlasser und Beleuchtung.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
Keine Kommentare
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.

Originaldokumente / Faksimile

Empfohlene Artikel / Verweise

Markenseiten

Aus dem Zeitschriftenarchiv

Aktuelle Fahrzeug-Inserate

Aktuelle Marktpreise (Auswahl)

Geländewagen, 63 PS, 1901 cm3
Kombi, 75 PS, 1795 cm3
Kombi, 82 PS, 2054 cm3
Kombi, 105 PS, 2279 cm3
Cabriolet, 72 PS, 1481 cm3
Kombi, 65 PS, 1295 cm3
Kombi, 72 PS, 1481 cm3
Coupé, 75 PS, 1481 cm3
Kleinbus, 40 PS, 843 cm3
Kleinbus, 33 PS, 903 cm3
Kombi, 55 PS, 1116 cm3

Spezialisten (Auswahl)

Spezialist

Münsingen, Schweiz

+41 31 722 00 00

Spezialisiert auf Lancia, Alfa Romeo, ...

Spezialist

Kriens LU, Schweiz

+41 (0)41 310 1515

Spezialisiert auf Fiat, Lancia, ...

Spezialist

Amtserdam, Niederlande

Spezialisiert auf Ford, Jaguar, ...

Spezialist

Münsingen, Schweiz

+41 31 722 00 00

Spezialisiert auf Lancia, Alfa Romeo, ...

Spezialist

Toffen, Schweiz

+41 31 819 48 41

Spezialisiert auf Ferrari, Maserati, ...

Spezialist

Münsingen, Schweiz

+41 31 566 13 70

Spezialisiert auf Ferrari, Maserati, ...

Spezialist

Heilbronn, Deutschland

+49 7066 94 11 00

Spezialisiert auf Lancia, Ferrari, ...

Spezialist

Muhen, Schweiz

+41793328191

Spezialisiert auf AC, Adler, ...

Spezialist

Schinznach-Dorf, Schweiz

+41564501132

Spezialisiert auf Alfa Romeo, Audi, ...

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 150'000 Besucher pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...

Jetzt kostenlos anmelden und profitieren: mehr lesen und mehr sehen!

Wenn Sie sich mit Ihrem persönlichen Passwort anmelden oder neu registrieren, haben Sie mehr von Zwischengas! Vorteile: weniger Werbung und
andere.
Die Anmeldung ist kostenlos.