Fiat 500 C Topolino - Volksmotorisierung auf italienisch

Erstellt am 17. Oktober 2013
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Balz Schreier 
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Bruno von Rotz 
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Fiat 
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Archiv 
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Er war an Einfachheit aber auch an Sparsamkeit kaum zu übertreffen und er war in manchen Punkten fortschrittlicher als sein Nachfolger, der Fiat 500 Topolino, gebaut von 1936 bis 1955. Aber vor allem war er der erfolgreichste Kleinwagen seiner Zeit.


Fiat 500 C Topolino (1949) - kompaktes Automobil
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Eine Nummer kleiner

Dante Giacosa hatte Maschinenbau studiert und sich mit grossen Flugzeugmotoren beschäftigt. Dass gerade er den erfolgreichsten Kleinwagen der Vorkriegszeit konstruierte, zeigt aber, dass er vielseitig begabt war.

Klein, leicht und billig musste er sein der neue Fiat, der das Modellprogramm nach unten ergänzen sollte. Dass er sich zum erfolgreichsten Auto des Turiner Herstellers Fiat mausern sollte, ahnte damals noch keiner.  A propos “mausern”, wegen seines Aussehens erhielt der Fiat 500 die Bezeichnung “Topolino”, was zu deutsch bekanntlich Mäuschen bedeutet.

Einfachheit als Erfolgsrezept

Um die gestellten Anforderungen zu erfüllen, griff der kreative Giacosa zu innovativen Rezepten. Den massiven Chassis-Rahmen durchlöcherte er wie einen Schweizer Käse (Lamborghini machte dies später auch beim Miura), den Motor pflanzte er tief vor der Vorderachse ein und sparte sich damit sowohl eine Wasser- wie auch eine Benzinpumpe ein. Der Kühlwasserlauf lief dank Thermosiphon-Prinzip selbsttätig, das Benzin tropfte vom über dem Motor platzierten Tank automatisch in den Weber-Horizontalvergaser.


Fiat 500 C Topolino (1949) - der kleinvolumige Vierzylindermotor
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Mit vier Zylindern und 569 cm3 war der Motor für eine gute Leistungsausbeute gerüstet, doch Giacosa liess es (vorerst) bei 13 PS bei erstaunlich niedrigen 4’000 Umdrehungen bewenden.

Die Kraft wurde via Vierganggetriebe über eine Kardanwelle an die starr aufgehängte Hinterachse geliefert, die Vorderräder waren einzeln aufgehängt. Alle Räder wurden hydraulisch via Trommelbremsen gebremst.

Die hübsche Karosserie bot zwei Insassen und notfalls zwei Kleinkindern samt etwas Gepäck Platz, obschon die Grundfläche gerade einmal 3,215 x 1,275 Meter betrug.

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Genügsamkeit als Tugend

Der Drosselmotor, das niedrige Fahrzeuggewicht von 535 kg und die geringe Querschnittsfläche führten zu einem geringen Treibstoff-Verbrauch. Rund 6,5 Liter pro 100 km verbrauchte die Automobil Revue mit einem der letzten Vertreter der ersten Serie, aber es ging auch noch sparsamer.


Fiat 500 C Topolino (1949) - eher ein Zweisitzer
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Kaum teurer als ein Motorrad mit Seitenwagen

Preislich lag der kleine Fiat am unteren Ende des automobilen Spektrums. 4850 Franken mussten nach dem Krieg für die einfachste Variante bezahlt werden, als Alternative gab es da gerade einmal ein gutes Motorrad mit Seitenwagen, wie die Automobil Revue 1947 schrieb.

Aber der Preis alleine war nicht der Grund dafür, dass der Wagen eine grosse Beliebtheit erlangte. "Als der Fiat 1936 auf dem Markt erschien, war er ein wirklich 'fertiger' Wagen, ein Fahrzeug 'aus einem Guss', wie man es vorher in dieser Kategorie überhaupt noch nicht kannte", notierte die AR. Und 85 km/h Höchstgeschwindigkeit genügten offensichtlich zu jener Zeit.

Dreistufige Evolution

Nach den ersten rund 120’000 produzierten Exemplaren renovierte Fiat den kleinen Wagen 1948 zuerst technisch, baute ihm einen stärkeren Motor mit Aluminium-Zylinderkopf, hängenden statt stehenden Ventilen und nun 16 PS ein. Die Hinterradaufhängung wurde modernisiert, allerhand Kleinigkeiten verbessert. Dieses Übergangsmodell, 500B genannt, wurde gerade einmal ein Jahr und 21’000 Mal gebaut, bis es dem auch optisch neu daherkommenden Modell 500C weichen musste.


Fiat 500 A Topolino (1938) - für zwei Personen und etwas Gepäck
Archiv Automobil Revue

Diese letzte Evolutionsstufe wurde dann bis 1955 in 376’000 Exemplaren gebaut und wies ein amerikanisiertes Kleid auf. Die Scheinwerfer waren in der Karosserie integriert, das Reserverad unter dem Heck verschwunden. Im Innern wurde es dank Heizung jetzt wärmer und der Motor war nun durch eine einteilige Haube erreichbar.

Am grundsätzlichen Layout allerdings wurde während der ganzen 19-jährigen Bauzeit nichts geändert.

Auch für Passfahrer

Die Testfahrer der Nachkriegsjahre muteten dem kleinen Italiener allerhand Strapazen zu. Dr. Ing. Rudolf Meyer scheuchte den leer nun 610 kg wiegenden 500 C im Jahr 1949 für die Zeitschrift “Das Auto” gleich über eine Handvoll Alpenpässe und notierte die Zeitdifferenzen zum Vorgängermodell genauso wie die notwendige Gangwahl in der Steigung. Den Kerenzerberg schaffte das Modell 500C zum Beispiel in neun statt vorher zwölf Minuten. Den Klausen erklomm das neue Modell zu weiten Teilen im dritten Gang, während der Testfahrer im 500A oftmals auf den zweiten zurückgreifen musste.

Als Verbrauch ermittelte Meyer 5,07 Liter über 1100 km und da waren Klausen, Splügen und San Bernadino inbegriffen. “Es wurden eigens auch ‘giftige Bergsträßchen’ befahren, und zwar z.T. mit drei Personen Belastung, um die Grenzsteigleistung auszuprobieren. Steckengeblieben sind wir nie. Als die Straße zum Obersee bei Näfels hinter dem unteren Wirtshaus und besonders diejenige nach Egel in den Baumkornen zu verschwinden schien, schalteten wir in den ersten Gang um und kamen glatt hinauf, trotz Geröll und Starrachse”, notierte der zufriedene Testfahrer Meyer in seinem Bericht.

Komfort eines Mittelklassewagens

Auch die Automobil Revue prüfte 1951 einen 500C (Chassisnummer 238012) über imposante 2270 Kilometer. Nach 38 Sekunden erreichte der 16-PS-Fiat Tempo 80 km/h mit zwei Personen an Bord, liess man den Beifahrer stehen konnte die Zeit um vier Sekunden gesenkt werden. Die Höchstgeschwindigkeit wurde mit 92 km/h gemessen, als Verbrauchsdurchschnitt schauten 6,1 Liter pro 100 km heraus. 5300 Franken kostete der Testwagen inklusive Faltdach, Heizung und Defroster, für Ledersitze waren weitere 100 Franken fällig.

Die AR-Testequippe attestierte dem kleinen Fiat in einigen Punkten Mittelklasse-Qualitäten, so war man insbesondere vom Geräuschkomfort, aber auch vom gut assortierten Bordwerkzeug begeistert. Zudem verfügte der Wagen über einen geradezu luxuriösen Wagenheber mit leichtgängiger Kurbel und fast geräuschlos arbeitende Scheibenwischer. “Auf Grund des günstigen Gesamteindruckes, den der Fiat 500C hinterliess, ist er als ein auch heute noch zeitgemässer, im gesamten und in allen Einzelheiten ausgereifter und sparsamer kleiner Zweisitzer zu beurteilen”, schloss der Bericht in der AR 48/1951.


Fiat 500 C Topolino (1949) - von 1949 bis 1955 wurde das C-Modell gebaut
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Ein kleines Auto

Er ist wirklich klein, winzig klein. Heutzutage, wo selbst Kleinwagen eine Breite von 1,6 Metern und eine Länge von vier Metern übertreffen, mutet der Topolino geradezu filigran an. Dieser Eindruck setzt sich im Innern allerdings nicht fort, denn man findet erstaunlich generöse Platzverhältnisse vor, dies vor allem auch, wenn das Faltdach geöffnet ist und die Sonne ungefiltert ins Innere scheinen lässt. Die fast wie Polstersessel aussehenden Sitze sind bequem, Lenkrad und Schalthebel gut erreichbar.


Fiat 500 C Topolino (1949) - bequeme Sitze
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Gestartet wird über einen Zugknopf, nachdem der Zündschlüssel hineingeschoben wurde. Die Gänge 3 und 4 sind synchronisiert, darunter empfiehlt sich Zwischenkuppeln und Zwischengas - alles keine Hexerei.

Kein Tempobolze

Man kommt vorwärts, aber ein Autobahnfresser ist der Topolino natürlich nicht. Auf Landstrassen und innerorts aber ist man kein Verkehrshindernis, solange die Strasse flach verläuft. Und auf ruhigen Strassen macht der kleine Fiat auch mehr Spass.


Fiat 500 C Topolino (1949) - nur 3,25 Meter lang ist das Mäuschen
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Vor einem die beiden Rundinstrumente, die einem über die erreichte Geschwindigkeit, den Öldruck und die verbleibende Benzinmenge orientieren, die linke Hand am Lenkrad mit dünnem Kranz, die rechte meist am Schalthebel, das zufriedene Grinsen kommt ganz von alleine, vor allem wenn man vom Auspuff am Heck her das sportliche Räuspern des Vierzylinders vernimmt. 

Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen , die uns den niedlichen Fiat 500 C Topolino von 1949 für eine Probefahrt überliess.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von oc******
14.11.2017 (10:19)
Antworten
Der 500 C war mein erstes Auto in 1959, ganz super und unvergessen.

A. von Heyking
von ta******
22.10.2013 (10:20)
Antworten
Na ja, das mit den zwei Insassen und notfalls zwei Kleinkindern stimmt nur bedingt. Mein erstes Auto ein Fiat 500A musste einmal mit 7 Personen (Erwachsene) von Oerlikon nach Birmensdorf fahren und es ging ohne Probleme.
Fredy Hader
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