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Juan Manuel reglementswidriger Sieg in Argentinien Im Jahr 1955

Federico B. Kirbus - 09.04.2012

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Start beim darauffolgenden GP 1955

Ein derartiges Rennen hatte es schon lange nicht gegeben, und es sollte auch viele Jahre einzigartig bleiben.

Buenos Aires, 16. Januar 1955, Hochsommer am Río de La Plata. Knapp 35 Breitengrade unterhalb des Äquators, etwa auf gleicher Höhe wie Kairo.

Den Saisonauftakt bildet der Gran Premio de la República Argentina. Punkt 14 Uhr starten die besten Fahrer mit den schnellsten Wagen: Fangio, Ascari, José Froilán González, Farina, Moss, Behra, Villoresi. Mercedes-Benz, Ferrari, Maserati, Lancia, Gordini. Ein starkes Feld: 21 Teilnehmer.

Wolkenloses Wetter, und fast unerträgliche Hitze. Zu messen im Schatten (30º C), auf der Piste (60º C) und im Rennwagen (über 70º C).

Technik und Mechanik sind vom Feinsten - die debütierenden Lancia mit V8-Motoren und seitlichen Zentraltanks, Mercedes mit desmodromischer Ventilsteuerung und manch anderem technischen Leckerbissen.

Dann ein überaus abwechslungsreicher Rennverlauf, mit Karambolagen, Drehern, wechselnder Führung, zwei- bis dreimailiger Abwechslung der Piloten am Steuer mancher Fahrzeuge. Nur zwei Fahrer halten verbissen die drei Stunden durch: Fangio und Roberto Mieres (Maserati), Moss fällt sogar in Ohnmacht und wird von Neubauer zusammengestaucht, weil er die vorangegangene Nacht nicht durchgeschlafen haben soll.

Moss wurde ohnmächtig

Schliesslich Fangios Sieg, Champagner auf der Tribüne ...

Fangio als Sieger im argentinischen GP 1955

... und in den Boxen der Turnus der Ingenieure zum Verifizieren des Reglements. Héctor Zampini und Dipl. Ing. Ricardo Polledo übernehmen die Vermessung.

Dahinter steckt natürlich eine Masche: weniger als das Gesamthubvolumen interessiert die beiden, einen Blick auf die Zwangsventilsteuerung des
W 196 R zu erhaschen.

Desmodromische Ventilsteuerung

Immerhin bekommen es die in Weiss gewandten Mercedes-Monteure hin, die  Zylinderköpfe abzunehmen, ohne dass unbefugte Augen einen Blick darauf werfen können.

Vermessung. Jeder Zylinder soll 76 Millimeter Durchmesser und 68,8 Millimeter Hub haben. Dies ergibt 2496,867 Kubikzentimeter, hart am Limit der 2,5 Liter-Formel.

Motor des Mercedes-Benz W 196

Überraschenderweise ergibt das Ergebnis für die mittleren Zylinder, vier und fünf, etwas mehr als 76 mm. Also etwas mehr als 2’500 Kubikzentimeter!

Unverzüglich setzten Spekulationen ein. Dass etwa die Mittelzylinder heisser als der Rest wurden und die Wände sich stärker abnutzten. Oder weil durch den Pistenstaub ein Schmirgeleffekt eingestellt oder sich ein Mechaniker beim Nachschleifen verzockt hätte, denn beim W 196 R gab es keine austauschbare Zylinderbuchsen sondern Stahlhbüchsen, die nicht ausgewechselt werden konnten sondern fester Teil des aus Stahlblech zusammengeschweissten Motorblocks waren und nur ein extrem feinfühliges Honen zuliessen.

Zampini und Polledo, nicht nur Landsleute, sondern persönliche Freunde von Sieger Fangio, wollten jedoch keine Spielverderber und Scharfrichter des verdienten Helden des Tages sein und beliessen es dabei. Es blieb beim Mercedes-Sieg vor Ferrari, zwar nur mit einem hauchdünnen mechanischen Vorteil, aber immerhin jenseits des Reglements.

Vierundvierzig Jahre später, unwissend dieser Anekdote, sollte Ferrari sich beim Grand Prix von Malaysia 1999 rächen und den Mercedes-Piloten Mika Hakkinen um den Sieg bringen.

Neueste Kommentare

 
 
to******:
31.10.2012
Wirklich eine gute Story - und eine technisch "glasklare" Analyse.
Bravo Federico Kirbus!
tomcat
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