Kleine Welt
Nennen wir ihn Peter, OK, er heisst wirklich Peter und ist ein Kollege aus England, der vor einiger Zeit aus den Midlands nach Schottland gezogen ist. Ich kenne ihn vom Lotus-Seven-Club. Seine Tochter ist seit dem Beginn des laufenden Schuljahres Englischlehrerin an einem Gymnasium im Zürcher Oberland. Dies war ein Grund, dass er mit mir im März Kontakt aufgenommen hat – nach 14 Jahren Pause. Leider war ich gerade an einem Club-Dinner und konnte nicht sprechen. Dies teilte ich ihm per Kurznachricht mit: «Sorry, can't speak, attending JDCS Clubdinner». Soweit – so gut.
Bei seinem Besuch entschied ich mich, ihm und seiner Frau Einsiedeln zu zeigen. Dies um den Fokus etwas von den Autos weg zu bringen. Peters Frau kann ein Lied von den stundenlangen Auto-Gesprächen ihres Mannes mit seinen Kollegen und Freunden singen. Peters Beruf waren Autos (u.A. in der Entwicklung bei Jaguar, Land-Rover) und seine Hobbys sind... genau! Halt, er fährt nebenbei noch mit einem Doppeldeckerbus von 1941 für die lokalen Freunde historischer Autobusse. Peter besitzt einen Range-Rover der ersten Serie und einen Peugot 504. Ich dachte aber, mein Jaguar XJ12 sei ein adäquates Fortbewegungsmittel für die zwei (Bild unten).
Die Bäckerei Goldapfel war wieder einmal Ziel meiner Reise nach Einsiedeln – nein, ich habe wirklich keine Aktien dort. Item, Peter meinte, für einen Zwölfender ruple der Leerlauf aber recht deutlich, da seien wohl einige Einspritzdüsen nicht ganz im selben Trimm wie deren Nachbarn. Natürlich hatte er Recht. Aber immerhin, schon bei wenig Gas läuft die Maschine seidenweich. Während der Fahrt erzählte mir Peter, dass er in der Schweiz glücklicherweise einige Zierteile für seinen Peugeot 504 gefunden habe. Ich nannte ihm den Namen von Fredy Vollenweider und – in der Tat, von dort stammten seine Teile – welch kleine Welt. Daneben erwähnte ich, dass ich noch jemand anders kennen würde, der alte Autos sammle und dazu Busfahrer aus Leidenschaft sei, so wie Peter mit seinem Doppeldecker.
Wir fuhren zurück nach Zürich und schlugen noch irgendwie beim ersten Albisgüetlitreffen von Ende April auf. Viel war allerdings bei unserem sehr späten Eintreffen nicht mehr los. Einzig Fredy, Peters Teilehändler, der sich sogar an den Versand nach Schottland erinnern konnte, und jener besagte Freund, der Bus fährt und Klassiker sammelt, sassen noch da. Mein Freund war erschlagen ob soviel Zufällen und ich – gelinde gesagt – auch. Die Schweizer Klassik-Szene: Ein einziger Dorfplatz!
Tags darauf flog Peter mit Partnerin zurück nach Schottland. Letzte Woche hat er mir mitgeteilt, dass er einen anderen V12 Jaguar habe im Leerlauf begutachten dürfen und dass dieser wesentlich laufruhiger gewesen sei als meiner. Ja, ich wusste es, meiner rumpelt leicht. Peter ergänzte, da sei ein Herr so lieb gewesen, bei der internationalen Daimler-Lanchester-Rallye, 15 Meilen die Strasse runter von Peters schottischen Wohnort, seinen Daimler Double-Six (Bild ganz oben) extra für ihn anzuwerfen – ein Rolf B. aus Deutschland, den er eben frisch kennen gelernt habe, 1700 Kilometer weit weg. Ich erwiderte, dass ich einen Rolf B. mit Double-Six aus Deutschland kennen würde und mein guter Peter schrieb zurück: «You're right! HE sat next to you when I tried to call you at the Club-Dinner!» oder zu Deutsch: Richtig, Rolf mit Begleitung sei neben mir am Clubdinner gesessen, als er mich versucht habe zu erreichen! Die Moral von der Geschichte ist: Nicht nur die Schweiz ist ein Dorf, die ganze Klassik-Szene scheint eines zu sein! Was mir einmal mehr beweist, dass das Auto viel mehr transportiert als nur gerade Güter und Passagiere. Es ist ein wunderbares Vehikel um Freundschaften zu generieren und zu pflegen – selbst wenn man die Gefahr läuft, dass im fernen Schottland über einen gesprochen wird – oder zumindest über den Leerlauf, der rumpelt.


























