Ganz nach meinem Geschmack
Ich mag die Butter dick auf das Brot geschmiert, mit viel Konfitüre obendrauf und in der Milchtasse bitte gerne zwei Löffel Schokopulver. Ich mag klassische Musik wenn sie berührt, wenn die Emotionen überborden, statt leichter Kammermusik. Ich mag es laut und heftig, eindringlich und deutlich, manchmal auch einfach extrem. Zwar dachte ich ernsthaft, das Alter würde mich milder stimmen, aber ich sehe mich getäuscht. Das war alles reine Autosuggestion. Es hat sich nichts geändert. Statt mich in Ruhe zurückzulehnen, es etwas ruhiger anzugehen und den jüngeren, dynamischeren Kräften den Vortritt zu lassen, habe ich mich neulich wieder dabei ertappt, mit Karacho aus dem Vollen zu schöpfen, aufzufallen und akustisch präsent zu sein. Von Zurückhaltung keine Spur.
Der Grund war, dass ich nach Jahren wieder einmal in einem Caterham unterwegs sein durfte. Ich habe meinen vor 11 Jahren verkauft, dachte, es sei damit gut gewesen, der jugendliche Übermut sei gesättigt. Doch weit gefehlt! Kaum habe ich mir wieder einmal so eine Kiste angezogen – das fühlt sich an wie Chirurgenhandschuhe – waren sie wieder da, die alten Gefühle. Der Sound macht süchtig, die Response am Lenkrad erlaubt es, den Caterham Seven traumtänzerisch zu dirigieren, der Motor hängt am Gas als wäre die Drosselklappe direkt am grossen Zeh festgemacht. Dieses Auto ist wie dick gestrichene Marmelade mit etwas Brot obendrauf, wie Trinkschokolade, so satt angerührt, dass der Löffel drin stecken bleibt, wie wenn Lynyrd Skynyrd im Song «Free Bird» nach dem schleppenden Intro – das fast die Hälfte des Liedes ausmacht – zum Gitarrensolo ansetzt. Ich habe das leider kurzfristig vergessen, aber dieses ultimative Fahrgefühl hat sich vergangenes Wochenende eindrücklich zurückgemeldet. Und ich werde dieses künftig wieder öfter geniessen können.
Ja, ich gebe es zu, als Journalist müsste ich ausgewogen berichten, sachlich abschätzen und informativ beurteilen. Aber das gelingt mir hier kaum. Da bin ich voreingenommen. Ja schlimmer noch: Da kann kommen wer wolle und das Gegenteil behaupten, aber der Wagen, für den Colin Chapman knapp einen langen Sonntag-Abend verwendet hat, um ihn zu konstruieren, der nach wenigen Wochen fahrbereit dastand, ist mein Massstab für die pure Essenz von Fahrspass. Der Seven ist eigentlich nur Fahrspass, davon aber in höchst konzentrierten Dosen – und darum genau nach meinem Geschmack!


























