Fahren vor 50 Jahren - das Problem des unterkühlten Motors
Das Autofahren war früher in vielen Bereichen wesentlich anspruchsvoller als heute. Dinge die bei modernen Fahrzeugen selbstverständlich und automatisch sind, mussten früher durch den Fahrzeugführer gesteuert und kontrolliert werden. So warnt zum Beispiel ein Bericht in der Motorrundschau 23 von 1961 vor dem Fahren mit “unterkühltem Motor”:
“Nichts ist für einen Motor so schädlich, wie Fahrten im unterkühlten Zustand. Kühlwassertemperaturen unter -70 Grad Celsius schaden dem Schmieröl einmal dadurch, dass es nicht die zur Zirkulation im Motor notwendige Dünnflüssigkeit erreicht. Noch schlimmer sind die Folgen durch chemischen Verschleiss. Bei unterkühltem Motor wird durch Kondensation von Kraftstoff der Schmierfilm an den Zylinderwänden abgewaschen, so dass die Gefahr kurzzeitiger Trockenreibung von Metall zu Metall auftritt. Vor allem aber bilden sich säurehaltigeVerbrennungsrückstände, die Zylinderlaufbahnen, Kolben, Kolbenringe und Lager angreifen. Ein einziger Kaltstart kommt einem Verschleiss gleich, wie er in etwa 10 Betriebsstunden bei Vollgas auftritt.”
Das waren deutliche Worte. Schon damals hatten zwar viele “moderne” Fahrzeuge bereits einen Thermostat, der die schnelle Erwärmung ab Kaltstart unterstützte, das Problem, die Betriebstemperatur auch bei tiefen Aussentemperaturen auf der erwünschten Höhe zu halten, blieb aber ungelöst. Deshalb boten Auto- und Zubehörhersteller verschiedene Lösungen an.
Es gab “halboffizielle Schürzen”, wie sie hier an einem Citroën 2CV gezeigt ist:
Und es gab sogenannte “Kühlerjalousien”, die (teilweise) via Bowdenzug vom Wageninneren verstellt werden konnten, oder gar automatisch die Kühlluftzufuhr regelten.
Diese Lösungen hatten aber teilweise den Nachteil, dass auch das Gegenteil erreicht werden konnten, wenn sie nicht sorgfältig überwacht und bedient wurden - der Motor konnte überhitzen. Wenn man noch bedenkt, dass viele Fahrzeuge damals kein Kühlmittel-Thermometer hatten, dann kann man sich vorstellen, dass Fehlbedienungen nicht auszuschliessen waren.


























