Was der Autofahrer zu Beginn der 60er-Jahre wollte - Blinkerrückstellung und hell gestrichene Motorräume

Bruno von Rotz
25.12.2010

Aus heutiger Sicht können wir uns kaum mehr vorstellen, dass Sitze nicht verstellbar, Blinkerhebel nicht automatisch zurückgestellt werden oder dass Autos mit 6-Volt-Anlagen betrieben werden. In den frühen 60er-Jahren war das aber zumindest teilweise noch anders.

Blinkerbetätigung im Lotus Elan

Die Zeitschrift Motor-Rundschau fragte ihre Leser immer wieder nach ihren Präferenzen, so auch im Januar 1962, ob sie denn für eine Blinkerbetätigung mit selbständiger Rückstellung seien: 77% votierten für die selbsttätige Rückstellung, 23% dagegen. Interessant sind die Argumente der Gegner: Bei Lenkkorrekturen geht der Blinker aus, im Stadtverkehr arbeitet die automatische Rückstellung nicht wie erwünscht, bei manueller Betätigung hat man eine bessere Kontrolle über die Betätigung, unnötige Kosten und Störungsquelle, doppelte Vorsicht und Aufmerksamkeit nötig, usw. waren die Gründe der Gegner.

Interessant sind aber auch die folgenden Umfragen und Ergebnisse aus den Jahren 1960-1962:

  • 99.32% der MR-Leser bevorzugten austauschbare Kotflügel (d.h. nicht verschweisst)
  • 69% votierten für schwere, hochwirksame Stossstangen
  • 100% präferierten den Magnetölfilter
  • 87.2% zogen kreisrunde Lenkräder anderen besonderen Formen vor
  • 63% stimmten für stehende Pedale, immerhin 37% für hängende
  • 72.6% wollten gerne ein Heckfenster mit Scheibenwischer haben
  • 97.22% wünschten sich Rückfahrscheinwerfer
  • 98.4% sprachen sich für verstellbare Vordersitze aus, 82% für eine Höhenverstellung
  • 89.7% gaben Ihr Votum für Sicherheitsgurte
  • 75% benannten einen Drehzahlmesser als wünschbar
  • 88% meinten, dass ein Reservekanister ins Auto gehöre

Im März 1962 sprachen sich 90.4% der MR-Leser für vordere Ausstellfenster aus, da sie zugarme Entlüftung brachten, die Frischluftzufuhr auch bei Regenwetter steigerten, schnelles Öffnen ermöglichten und einfach praktisch waren. Die Gründe für die Gegner waren die Begünstigung von Diebstahl, Pfeifgeräusche, Sichtnachteile und die Bevorzugung anderer Belüftungsmöglichkeiten.

Spannend war auch das Ergebnis der Umfrage vom April 1962, als nur 64% eine 12-Volt-Anlage der 6-Volt-Anlage vorzogen. Die Gründe für die 6-Volt-Freunde waren unter anderem die breite Verfügbarkeit der 6-Volt-Komponenten in Europa, die günstigeren Kosten, das geringere Gewicht, die schnellere Prüfbarkeit, die längere Haltbarkeit der Glühbirnen und die stets gesicherte Ersatzteilbeschaffung.

Fast schon lustig erscheint die Umfrage im Juni 1962, als sich 81% für einen hell gestrichenen Motorraum aussprachen, während die 19% Gegner vor allem den erhöhten Reinigungsaufwand und teurere Lackierungsaufwendungen nannten.

Ja, aus heutiger Sicht mögen manche dieser Umfragen seltsam erscheinen, es zeigt sich aber dass sich die Autofahrer von früher wesentlich stärker mit der Technik und Bauweise ihrer Autos beschäftigten, als dies der moderne Fahrzeugbesitzer zu tun pflegt.

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