1926 … was war da noch?
Jubiläen gehören zu unserer Erinnerungskultur. Sich zu einem mal mehr oder weniger runden Geburtstag nochmal zu besinnen, wie es war, wie alles begann und was das damals bedeutete. Oder wohin das führte. Warum es ein Erfolg werden konnte. Oder eine Tragödie werden musste. Klar, es werden vor allem die grossen Ereignisse zelebriert. Und je mehr Abstand dazwischen liegt, um so mehr verschwinden die kleinen Anlässe im Rausch der Geschichte, die immer weiter geschrieben wird. Deshalb lohnt sich Hinschauen und Nachforschen.
Mercedes-Benz feiert 2026 den 100. Geburtstag. Damals fusionierten Benz und Daimler, beide Firmen hatten mit ihren Gründervätern allerdings schon nichts mehr gemein. Trotzdem war der Zusammenschluss ein Meilenstein in der automobilen Welt, und der wurde schon vor 50 Jahren gross gefeiert: 1976 gab es eine dreibändige Festschrift und ein grosses Fest in Stuttgart. Dieses Jahr gibt es wieder ein Fest, obwohl die Stimmung aktuell wohl eher weniger danach ist. Doch das ist ein anderes Kapitel.
Vor 100 Jahren passierte aber noch viel mehr, und das waren nicht alles Petitessen. So stellte John Parry-Thomas am 28. April bei Pendine Sands einen Geschwindigkeitsrekord auf, der ein Jahr Bestand hatte: Er raste in einem umgebauten Higham Special namens "Babs" mit umgerechnet fast 275 km/h am Strand entlang – und kam im folgenden Jahr beim nächsten Rekordversuch ums Leben. Doch es passierte 1926 noch viel mehr. Viel mehr.
In Berlin wurden am 1. Oktober die ersten zentralgesteuerten Ampeln eingerichtet, damals noch in der Farbfolge Rot-Weiss-Grün. In Frankfurt gründete sich die HAFRABA, die eine Nur-Autostrasse von HAmburg über FRAnkfurt nach BAsel bauen wollte – die Idee der Autobahn, die auf dieser Achse erst 1962 Wirklichkeit wurde. Mit der „Art and Colour Section“ führte GM erstmals ein Styling-Büro ein, heute würde man Designabteilung sagen. Die Leitung übernahm Harley Earl, der Mann, der Ende der 1940er-Jahre die Heckflossen erfand.
Henry Ford führte 1926 den Achtstundentag und die Fünftagewoche ein, die Horchwerke stellen den ersten deutschen Reihenachtzylinder vor, den Paul Daimler entworfen hatte, und Maserati schickte sein erstes Modell, den Tipo 26, ins Rennen. Ein junger Mann gewann den ersten GP von Deutschland auf der Berliner Avus: Der Name Rudolf Caracciola sollte in den nächsten Jahren noch oft zu lesen und zu hören sein. Und in Versailles wurde die Automobilfirma Tracta gründet, die auf Frontantrieb setzte – noch vor dem Traction Avant –, aber nach nur neun Jahren und 230 Autos aufgeben musste. Alles gewusst? Wir haben viel dazugelernt.





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