Originalität vor Sicherheit?
Wir wagen mal eine These, die vermutlich nicht mal gewagt ist: Die meisten Gebrauchs-Oldtimer – also keine Stehzeuge aus dem Museum – sind nicht mehr 100 Prozent original. Und wir reden hier nicht von Pneu oder Flüssigkeiten, die altersbedingt getauscht werden müssen. Auch nicht davon, dass ein Hupenring gebrochen ist und durch ein NOS-Teil ersetzt wurde. Sondern von den kleinen Komfort- und grossen Sicherheits-Extras. Zum Beispiel dem nachgerüsteten Zigarettenanzünder, damit man das Smartphone laden kann, mit dem man navigieren möchte. Oder allen Dingen rund ums Fahrwerk, die das Fahrverhalten verbessern. Und ist Sicherheit nicht wichtig?
Sicherheits-Tuning?
Nun gibt es Fälle, da ist beispielsweise das Umrüsten von Trommel- auf Scheibenbremsen unkritisch. A) wenn es die Scheiben als Option gab und man nur nachträglich dieses Extra verbaut, im klassischen Sinne zeitgenössisches Tuning. B) wenn der Oldtimer für Rennzwecke modifiziert wird und der Oldtimer-Status keine Zulassungsrolle spielt. Heikel ist es nur bei den anerkannten Veteranen und H-Kennzeichenhaltern, die dem Auto ein Sicherheits-Tuning verpassen, dass es so nie gegeben hat. «Hat der Prüfer aber so abgenommen», heisst es dann gern mal. Was nicht bedeutet, dass dies der rechtmässige Zustand ist, selbst wenn er sicherer als zuvor sein sollte. Schlägt Originalität eine höhere Sicherheit? Eine Güterabwägung.
Ein Oldtimer lebt von seiner Originalität. Nur dann ist er Kulturgut und verdient den besonderen Schutz, der ihm rechtlich eingeräumt wird. Wer die Technik abwandelt – im krassesten Fall einen umweltfreundlichen Elektromotor verbaut – der verliert den Status als Oldtimer. Nicht anders kann und muss man es werten, wenn Technik und Optik auf ein modernes Niveau gehoben werden. Darf jeder selbst entscheiden, aber dann heisst es eben «Oldtimer ade!» Der Reiz eines alten Fahrzeugs liegt ja nicht nur in seiner Erscheinung, sondern genauso in der Technik, die ein Zeitzeugnis darstellt. Mit all ihren Einschränkungen, die man vielleicht besonders beim Fahren oder Bremsen spürt.
Sicherheits-Optimierung!
Auch ohne massive Eingriffe ist mehr Sicherheit beim Oldtimer möglich, wie jüngst in der Swiss Classics Revue 3.26 beschrieben. Optimieren geht immer und das fängt schon bei der gescheiten Reifenwahl an. Auch neue Stossdämpfer bringen viel, genauso Scheibenwischer und Scheinwerferlampen, denn nichts von dem wird noch so hergestellt wie vor 30, 40 oder 50 Jahren. Im ganz strengen Sinne ist auch das nicht mehr original, aber es verändert nicht grundsätzlich den Oldtimer und ist verschleissbedingt notwendig. Auch das ist eine Güterabwägung – nur was gefahren wird, kann weiter fahren.

































