"You'll never walk alone" – das gilt auch für Klassiker!
Die Europäer sorgen an der aktuellen Fussball-WM in den USA für Stimmung. Die Schotten beehrten zunächst ein Baseballspiel der Red Sox in Boston, später auch eines der Marlins in Miami. Was die Amerikaner dabei besonders beeindruckte, war weniger das Spiel als der Gesang. So wie etwa die grosse Hymne des Fussballs «You'll Never Walk Alone». Ursprünglich stammt das Lied aus einem Musical, 1963 wurde es von Gerry and the Pacemakers – einer anderen Band aus Liverpool, die es tatsächlich gab – zum Hit gemacht. Zunächst als Lied der Liverpool-Fans bekannt, gehört es heute zum festen Repertoire echter Fussballfans in aller Welt.
«You'll Never Walk Alone» – du gehst nie allein. Genau dieser Gedanke kam mir beim Besuch des O-iO an Pfingsten dieses Jahres in den Sinn – nicht in einem Stadion, sondern am Strassenrand.
Offenbar hatte es mir ein Ventil abgerissen. Es scheint fast, als habe eine sich weiterdrehende Radkappe den Schaden verursacht, so schräg ragte das fragliche Teil aus der Felge. Etwas Vergleichbares ist mir in all den Jahren noch nie passiert.
In aller Ruhe holte ich das Reserverad hervor, das ich in weiser Voraussicht ebenfalls mit einem Weisswand-Radialreifen ausgerüstet hatte. Erst als ich den Wagenheber gemäss Anleitung an der Stossstange ansetzen wollte, stellte sich heraus, dass dieser unbrauchbar war. In den vergangenen 73 Jahren war offenbar die Halteklammer verloren gegangen, die sich um das Stossstangenblatt legt.
Also rief ich die Pannenhilfe, damit man mir mit einem hydraulischen Wagenheber aushelfen konnte.
Kaum hatte ich die Radkappe abgezogen, stand ein junger Mann neben mir und fragte, ob er helfen könne. Ich verneinte zunächst, denn der Fall schien klar: Es fehlte lediglich ein funktionierender Wagenheber. Auch er hatte keinen passenden dabei. Trotzdem entschied er sich, zu bleiben, bis der Pannenhelfer eintreffen würde.
Der Einfachheit halber habe ich den Wagen schliesslich selbst mit dem Heber des TCS-Helfers aufgebockt und wechselte das Rad. Der gelbe Engel fand die Situation eher amüsant und schaute zu – ein "easy job"! Der Ersatzreifen hatte sogar eher zu viel als zu wenig Luft, rund drei Bar. Ich verabschiedete den Pannenhelfer wieder; angesichts von über 600 Oldtimern im Ort war er dort gewiss besser am Platz. Die restlichen Handgriffe – die Radmuttern nachziehen und die Radkappe wieder aufdrücken – konnte ich problemlos selbst erledigen. Der TCS-Mann war also rasch wieder weg.
Finn Arnold (18) mit seinem Volvo 244 GLI, freiwilliger Pannenhelfer und Oldtimer-Enthusiast (Bild: Daniel Reinhard)
Der junge Mann aber blieb um sich zu vergewissern, dass ich tatsächlich wieder flott war.
Wie sich herausstellte, hatte er erst am Vortag die Fahrprüfung bestanden und war nun zum ersten Mal mit seinem eigenen Klassiker unterwegs. Sein Volvo 244, erstmals ohne Begleitung von ihm gefahren, hat mit Jahrgang 1981 mehr als zweieinhalbmal so viele Jahre auf dem Buckel wie sein Fahrer. Übrigens: Der Bericht über den jungen Helfer und sein Auto wird im Herbst in der Swiss Classics Revue erscheinen.
«You'll Never Walk Alone» – im Fussball wird das gesungen, unter Oldtimerfreunden wird es gelebt.
Mit einem Klassiker fährt man wirklich selten allein.
































