Verlorenes Wissen
Kennen Sie den Begriff "verlorenes Wissen"? Wissen, das nicht mehr verfügbar ist, das durch die Zeit, Nichtgebrauch oder modernere Formen in Vergessenheit geraten ist. So kann man im Internet wunderbar die vergangenen 25 Jahre recherchieren, aber davor wird es dünn und dünner. Altmaterial liegt nicht digital vor und muss meist mühsam aus seinem analogen Zustand transformiert werden. Da ist Wissen auf der Strecke geblieben und dann hilft auch die Wunderwaffe KI nicht weiter.
Aus einer Bücherkiste lässt sich manchmal solches Wissen retten, das fast schon verloren war. In diesem Fall ein schmales, keine 200 Seiten starkes Hardcover im Taschenbuch-Format von 1972. Geschrieben von T.R. Nicholson, der sich 1971 die Mühe machte, die Rennwagen aus der Epoche 1898 bis 1921 zu beschreiben. Liebevoll illustriert entdeckt man Fahrzeuge, die es schon lange nicht mehr in ein Rennwagenbuch geschafft haben. Also aus jener spannenden Zeit, als die ersten Rennen überhaupt gefahren wurden. Als die nationalen Rennfarben auf den Fahrzeugen auftauchen. Und die ersten Rennstrecken entstehen.
Da lesen wir, dass in den Anfangsjahren des Automobils im Grunde jedes an einem Rennen teilnehmen konnte, zwischen einem Renn- und einem Tourenwagen war technisch kein Unterschied. Beim Rennen 1901 von Paris nach Berlin gab es erstmals drei Fahrzeugklassen: über 650, über 400 und unter 400 Kilogramm. Und um der technischen Hochrüstung entgegen zu wirken, wurde bereits 1907 beim Grand Prix von Frankreich eine Verbrauchsformel eingeführt: nicht mehr als 30 Liter auf 100 Kilometer. Wer hätte das noch alles gewusst.


























