Autos will man hören und spüren!
Was haben die Politiker getönt: Das Elektro-Auto sei umweltfreundlich, sparsam, leise und brauche kein ruckendes Getriebe mehr. Alles richtig, nur hat man die Autokäufer nicht befragt, was sie eigentlich wollen. Vor allem bei Sportwagenmarken ist der Wechsel schwierig, wie der Markt zeigt. Porsche bietet jetzt beim elektrischen Taycan ein Update, das hör- und spürbare Gangwechsel simuliert, die es technisch gar nicht gibt. Dazu gibt es Electric Sport Sound, einen virtuellen Drehzahlmesser samt Achtgang-Anzeige und Schaltpaddles am Lenkrad. Es gibt sogar ein Performance-Kit für die Rennstrecke. Das dürfte das Elektro-Modell als Weltretter ad absurdum führen. Aber die Stuttgarter machen das sicher nicht, weil ihnen langweilig ist, sondern weil die Kunden das wollen. Oder man hofft, dass sie das wollen und so doch noch einen Taycan kaufen.
Das Taycan-Upgrade zeigt das Dilemma der Branche. Da sich die Elektro-Autos immer noch nicht wie geschnitten Brot verkaufen, versucht man es über vertraute Emotionen. Auf keiner Messe werden E-Neuwagen – und wir reden hier nicht nur von Porsche – noch unter dem Label der Umweltfreundlichkeit verkauft. Sie sind alle sportlich, fahren heute fast genauso weit wie Benziner oder Diesel und sollen sich nicht anders anfühlen oder anhören. Dahinter steckt die Einsicht, dass der Kunde nichts neues, sondern alles wie immer haben will. Auch AMG-Mercedes lässt seinen E-GT wie einen V8 brüllen und simuliert Schaltimpulse, Ferrari reiht sich mit seinem neuen Luce ein. Nur Lamborghini macht den E-Irrsinn vorerst nicht mit und lässt seinem Verbrenner weiter freien Lauf.
Zwei bis drei Tonnen schwere Batterie-Klötze auf Rädern sind eben nur begrenzt umweltfreundlich und sparsam. Und sind sie leise, sind sie gefährlich, weil die Fussgänger die rollenden Schrankwände überhören. Und ruckfrei wollen es offenbar die Sportwagen-Fans erst recht nicht. Ergo kann man gleich Oldtimer fahren. Laut, ruckelig und nachhaltig, denn ein Auto länger fahren ist schonender als es neu zu produzieren. Es kündigt sich mit einem schnatternden Boxermotor oder gurgelnden V8 rechtzeitig an und beschert dem Fahrer respektive der Fahrerin bei jedem Schaltvorgang die Sinnlichkeit einer Feuerkraftmaschine. Das weiss man, was man hat. Da weiss man, was man tut. Da weiss man, was man liebt.


























