Fundstück
Was tut man, wenn es einem zu heiss ist? Richtig, man verzieht sich in den kühlen Keller. Und dort lagert allerlei Zeug, alte Erinnerungen und Artefakte des bisherigen Lebens, ohne die man nicht auszukommen glaubt. Dabei hat man sie zum letzten Mal vor Jahren in den Fingern gehabt.
Im Zeitalter der digitalen Welt gehören dazu immer mehr auch "richtige" Fotos. Also solche, die als Papierabzug in einer Kiste liegen, vielleicht gar einst säuberlich in ein Album geklebt wurden.
So ist mir neulich dieses Bild in die Hände gekommen, welches von meiner damaligen Freundin um Ostern 1995 im Elsass geschossen wurde. Wie ich darauf erkennen kann, waren die Haare noch länger, während das Gewicht wesentlich geringer war. Und anders als in Schwarz gekleidet sah mich damals niemand.
Das Auto war hier auch schon ein Thema. Meine 1973er Citroën DS hatte ich mir 1994 mit einem Studentenbudget gekauft. Der Wagen hatte damals knapp 150'000 Kilometer auf dem Zähler, war also eben erst eingefahren. Die Karosserie aber hatte ein "Fachbetrieb" dem Vorbesitzer 1984 für damals viel Geld "restauriert". Das heisst, man hatte viel Spachtel verwendet und Löcher in den C-Säulen mit Silikonmasse abgedichtet. Doch das wusste ich damals noch nicht. Nur dass der Kofferraum immer feucht war und die Auslegeware danach miefte. Zudem waren die Türblätter wellig und zeigten an zwei Stellen Risse.
All dies störte mich jedoch nicht. Denn dieser Wagen war der Eintritt in eine andere Welt. Er eröffnete mir beispielsweise die linke Spur auf der Autobahn. Mit Ente und VW-Bus waren dies zuvor Orte gewesen, die ich nur im äussersten Notfall aufsuchte, etwa beim Überholen eines Lastwagens. Die 130 PS der DS aber, eine 23er Injection, liessen mich relativ gelassen den Blinker setzen, wenn sich mir einer in den Weg stellte. Jenseits der 120 km/h aber pumpte bei Regen die sehr weich gelagerte, flatternde Frontscheibe Wasser in den Innenraum, bei 170 km/h – natürlich "nur" in Deutschland auf der Autobahn exerziert – legte sich der Aussenspiegel aerodynamisch günstig an die Karosserie an.
Doch der Komfort, die relative Sparsamkeit, etwa so viel wie beim Bulli T1, und der Auftritt waren diese kleinen Nachteile alleweil wert. Später habe ich den Wagen zerlegt, neu lackiert und noch einige Jahre gefahren, bis ich unbedingt ein Auto völlig anderer Machart mein eigen nennen wollte, einen Lotus Super 7. Doch da waren die Haare bereits wesentlich kürzer.


























