Das kleine, rote “Wooshmobile” aus dem Grand Bazar in Grindelwald
«Wie haben Sie es so mit Ferienmitbringseln, mit Souvenirs?» fragte Martin Sigrist kürzlich in seinem Blog “Zurück in die Kiste - mein Porsche Supertune” . Das weckte bei mir sofort Erinnerungen. In den Siebzigerjahren gab es effektiv noch etliche Papeterien, Spielzeug- und Souvenirläden in der Schweiz, aber auch in Frankreich (eine mittelgrosse Stadt wie Chalon-sur-Sâone im Burgund hatte sogar bis ca. 2010 noch drei Modellautoläden, heute keinen mehr!), in denen man überraschende Modelle, oft Restposten fand.
Unvergesslich zum Beispiel ein Schlechtwettertag in den Skiferien 1975 in Grindelwald, der zu einem Besuch im “Grand Bazar” führte, wo ich sofort Witterung aufnahm und nicht enttäuscht wurde: Ich stiess auf einem hochliegenden, längst vergessenen Tablar auf ein originalverpacktes 1:43-Modell des exotischen STP Paxton-Indy-Turbinenwagens von 1967 , ein Auto das mich, wie alle besonderen Rennwagen (siehe Serie “Technik im Rennwagen” ), schon damals brennend interessierte. Der Schlechtwettertag in Grindelwald war gerettet!
Das Modell ist für den kleinen Masstab 1:43 sehr gelungen, die damals neuen NACA- Lufteinlässe zum Beispiel sind sehr plastisch wiedergegeben, ebenso die Aufhängungen mit den Antriebswellen. Und die Proportionen stimmen. Der Originalpreis war von 9.80 auf sehr günstige fünf Franken gesenkt worden und trotzdem liegengeblieben – ein Ladenhüter halt. 1968 kostete das Modell in Frankreich neu 20 Francs, was teuer war.
Überraschend sind die beiden ausführlichen Texte zum Wagen auf der Schachtel. Unter meinen über 500 1:43 Schachteln ist dies die einzige von solchem Informationsgehalt.
Das Label «Faracars» sagte mir damals nichts, und ich habe bis heute trotz Internet keine Spur dieser Modellmarke gefunden.
Da stellen sich natürlich einige Fragen: Wurde sie extra für den STP gegründet? War der Absatz dann so schlecht, dass auf weitere Modelle zum Vorneherein verzichtet wurde? Oder gab es eben doch noch mehr Modelle als diesen STP?
Vielleicht hilft eine Stelle im kleinen Text auf der Schachtel weiter: «We broke 19 speed marks.» We? «Wir brachen.» Heisst das, Faracars war ganz einfach die Modellmarke des STP-Paxton? War das Modell ein Merchandising-Produkt des Sponsors oder des Rennwagenherstellers? Der englische Text und das Schachtel- Design deuten ja eher auf eine US- Herkunft als auf eine französische.
Aber die Prägung auf dem Boden des Modells macht klar: “Faracars 101, STP Turbine Car, Made in France, under exclusive U.S. rights”. Und auch die Schachtel wurde gemäss Aufdruck auf der Schachtellasche in Frankreich hergestellt.
Erstaunlich, was so ein Modell und seine kleine Schachtel für Fragen aufwerfen kann. Auch das gehört zum Reiz des Sammelns...
Übrigens: Wenn Sie jetzt verständlicherweise auch gerne ein solches Modell des STP hätten – es sei Ihnen gerne gegönnt. In Grindelwald gibt es leider keine mehr, aber “Internet sei Dank” finden sich etliche schöne Exemplare, sogar mit Schachtel und zusätzlich einem kleinen Bogen Decals, zu recht anständigen Preisen. Einzig das unvergessliche Entdeckungs- und Einkaufserlebnis an einem Schlechtwettertag in den Skiferien im Grand Bazar – das werden Sie nicht mehr bekommen.


























