Zwischen Restwagen und Kultobjekt – die Wiederentdeckung des W168 (A-Klasse)
Die Reinheit – oder was auch immer – der AdBluefüllung missfiel dem Hersteller eines Mittelklassewagens, der es selbstverständlich auch nicht zuließ, den Tank eigenhändig zu entleeren. Stattdessen wurde ich im Display des Autos aufgefordert, innerhalb von 1000 km eine (autorisierte) Werkstatt aufzusuchen, da das Fahrzeug andernfalls nicht mehr starten würde.
Für mich brachte das das Fass zum Überlaufen: Wir leben in einem demokratischen Land, und dennoch bestimmt der Hersteller, wie Autofahrer mit ihrem Eigentum umgehen dürfen. Was einst als bequeme Errungenschaft der Arbeitsteilung begonnen hatte, endete in einer kostspieligen Form von Unmündigkeit – und auch das Internet bietet dazu nur wenige Quellen zur Abhilfe.
Ich entschied mich daher, ein etwa 25 Jahre altes Auto zu kaufen, aus einer Zeit, in der die Technik ausgereift war und der Trend zur Elektronik und zur Verbilligung noch Grenzen hatte. Billiger als ein modernes Auto würde dieses Unterfangen zwar nicht werden, da ich mit Reparaturen und höheren Unterhaltskosten rechnete.
Die Wahl fiel auf einen frühen Mercedes-Benz W168, besser bekannt als A-Klasse. Gründe dafür waren die gute Verfügbarkeit von Ersatzteilen – sowohl neu als auch gebraucht –, die umfangreiche Dokumentation zu Reparaturen und nicht zuletzt das besondere Fahrzeugkonzept.
Angesichts des Alters befinden sich die meisten dieser Fahrzeuge heute in den Händen von „Restwagenfahrern“, die ihren Wagen bei der nächsten größeren Reparatur schlicht zum Schrottplatz bringen (und damit immerhin für günstige Ersatzteile sorgen).
Häufiger jedoch – und für Käufer ärgerlich – werden solche Autos verkauft, ohne dass die Mängel offengelegt werden. Meine Suche beschränkte sich auf gut ausgestattete, frühe Exemplare (um früher das H-Kennzeichen zu erlangen), mit seltenerer Farbe und mit dem großen Schiebedach.
Der erste Kauf war ein novavioletter A160 Avantgarde aus dem September 1999 für rund 2000 Euro – offenbar gut gepflegt und lange Zeit scheckheftgepflegt in der Markenwerkstatt. Ich rüstete noch das Originalradio nach. Da dieses Exemplar jedoch eine automatisierte Kupplung hatte, mit der sich kaum jemand auskennt, traten bald Probleme auf, die dem Verkäufer vermutlich bekannt waren. Hier steht noch ein Rückbau des Systems an, sofern sich kein Experte finden lässt; immerhin gilt dieser Umbau als unkompliziert.
Der zweite Kauf war ein tiefseeblauer A160 Avantgarde aus dem März 1999 für etwa 500 Euro. Sein Zustand war erschreckend: außen mit silbernem Sprühdosenlack „verziert“ und innen fast alle Teile schwarz angesprüht – bis hin zum Stoff der Sitze und den ohnehin verschmutzten Fußmatten.
Außen ließ sich das „Dekor“ immerhin wegpolieren, im Innenraum tauschte ich die betroffenen Teile durch Ersatz vom Schrottplatz. Der verdeckte Mangel dieses Wagens war ein enormer Verbrauch, der sich schließlich als Folge einer beim dilettantischen Einbau beschädigten Kraftstofffilter herausstellte, welcher leckte. Nach dem Austausch aller Filter und Flüssigkeiten entstand daraus jedoch ein zuverlässiger Daily Driver der bereits etliche tausend Kilometer zurückgelegt hat. Auch hier rüstete ich das Originalradio nach, und die optionale AMG Styling 1 Felgen.
Dank guter Informationslage und geringer Komplexität konnte ich viel selbst machen. Damit war der Bedarf an Auto erstmal gesättigt, aber auch die Freude an diesem Modell geweckt.
Der dritte Kauf war schließlich ein spätes, nicht fahrbereites Exemplar von 2004: das Topmodell A210L Evolution in Schwarz, mit einer beim Hersteller individualisierten roten Ausstattung aus dem Designo-Programm. Der Wagen hatte zuvor einem Profi-Fußballer gehört. Dieses Fahrzeug wird nach einer gründlichen Reinigung zunächst eingemottet.
Der Mercedes-Benz W168 mag in der Fachpresse seinerzeit polarisiert haben – als „Sandwich-Benz“ mit neuartigem Konzept, steiler Silhouette und kompromissloser Raumausnutzung. Doch heute, mit Abstand und etwas Schrauberleidenschaft, zeigt sich: Die kleine A-Klasse bietet ein erstaunlich robustes Fundament, eine hervorragende Ersatzteillage und genug Besonderheiten, um sich vom automobilen Einerlei abzuheben.
Wer ein frühes Exemplar in guter Ausstattung findet, erhält ein Stück Mercedes-Geschichte, das mehr Charakter hat, als sein Ruf vermuten lässt – und mit der richtigen Pflege auch im Alltag überzeugt.

































