Wie schwer ein Gramm wiegen kann
Es war schon fast meditativ, das Einschleifen des Bolzens – oder ist das gar eine Welle? –, welcher die Pedalerie am Hauptbremszylinder meines DeSoto trägt. Sowohl die Kupplung als auch das Bremspedal sitzen hier direkt am "Master Cylinder" – eine ziemlich ausgeklügelte Konstruktion. Der Bolzen soll allerdings spielfrei durch ein Auge durchflutschen, damit das Ganze wieder nacheinander unter den Wagenboden geschraubt werden kann. Das tat er nicht, also habe ich das Auge auf der Ständerbohrmaschine mit einem Bohrer, den ich mit Schleifpapier umwickelt habe, etwas ausgenommen – langsam und mit Bedacht, eben meditativ.
Dabei wuchs die Freude, diese Vorfreude, dass es nur noch ein kurzes Weilchen dauern würde, bis mein Bremspedal wieder mit festem Druck das Vertrauen schaffen würde, den DeSoto ausgiebig zu fahren. Hauptbremszylinder montieren, Pedalerie seitlich dran, Bolzen durchstecken und sichern, etwas abschmieren – alles trägt Schmiernippel, Ami halt – Bremsleitung dran und dann entlüften. Ja, so dachte ich. Bis ich beim Punkt "Bremsleitung" angelangt war.
Ein unscheinbarer, kleiner Adapter zwischen der Leitung und der Endplatte des Zylinders zeigte einen Riss, dann brach ein Stück aus und das ganze Wochenende war flöten! Ein winziges Stückchen Messing, das da fehlte, versaute das Osterwochenende. Das ist schon erstaunlich. Und es zeigt die Faszination dieser Maschine "Auto" als Gesamtes, ein tonnenschweres Ding, das im Detail aber von vielen winzigen Einzelteilen abhängt – hier von einem stecknadelgrossen Stück Messing. Nun, den Adapter neu zu finden ist natürlich keine Hexerei, ein Standardteil. Aber bis ich ihn habe, steht das Auto nun noch eine Weile. Dabei wären an diesem Wochenende die Swiss Historic Vehicle Days, das Schweizer Wochenende des historischen Fahrzeugs. Mal sehen...


























